Pressestimmen 2017

Demnächst erscheinen hier die Pressestimmen aus dem Jahr 2017

Presse

Liebe Pressevertreter,

herzlich willkommen in unserem Pressebereich.

Hier finden Sie aktuelle Pressemitteilungen sowie Bildmaterial zu unseren Konzerten, im ganzen Land Brandenburg. Sie können das Bildmaterial online in Druckqualität (300 dpi) abrufen. Bitte beachten Sie das Copyright.

Copyright
Bitte beachten Sie, dass die Bilder nur zur redaktionellen Vorberichterstattung und Berichterstattung honorarfrei sind. Die Fotos dürfen nur mit der Nennung des jeweiligen Fotografen veröffentlicht werden. Bei Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar.

Bei Anregungen, Fragen und Interview-Wünschen wenden Sie sich jederzeit gerne an uns!

Kontakt
Saskia Thull
Presse/Kommunikation
Tel.: 030/ 890 434-37
Fax.: 030/ 890 434-40
E-Mail: S.Thull@brandenburgische-sommerkonzerte.de

Brandenburgische Sommerkonzerte gGmbH
Schillerstraße 94
10625 Berlin

Pressestimmen 2016

Demnächst erscheinen hier die Pressestimmen aus dem Jahr 2016

Pressestimmen 2015

Demnächst erscheinen hier die Pressestimmen aus dem Jahr 2015

Pressestimmen 2014

Suche nach dem perfekten Flötenton - Brandenburgisches Sommerkonzert in Forst begeistert das Publikum (23. August, Forst, Die 14 Berliner Flötisten)

Flötentöne satt waren am Sonnabend bei den "Brandenburgischen Sommerkonzerten" in der Forster Nikolaikirche zu erleben. (...) Wer bislang genau zu wissen glaubte, wie eine Flöte aussieht, konnte sich in Forst eines Besseren belehren lassen. Selbstverständlich sah man die im Orchester gebräuchlichen Instrumente, aber es gab auch übermannshohe, abenteuerlich gekrümmte Rohre, deren Töne es durchaus mit denen einer großen Orgelpfeife aufnehmen konnten. (...) Dennoch waren derart sportliche Aspekte nur die Nebensache im Konzert. Zu bestaunen war vielmehr, zu welcher klanglichen Vielfalt Flöten im guten Dutzend fähig sind. Glitzerhell, superflüssig, gewissermaßen knochenlos klang die "Donna-Diana"-Ouvertüre; wie ein schön artikulierter, weicher und atmender Streicherklang – ganz ähnlich der Originalbesetzung – Johann Sebastian Bachs 3. Brandenburgisches Konzert. (...) Zu rein, zu schön spielten die hoch konzentrierten Musiker – was Wunder, suchen sie alle doch jahrzehntelang und immer wieder den möglichst idealen, unverwechselbar typischen Flötenton. Genau für diesen schlackenlos fließenden, klar und unvermischt leuchtenden Klang scheint die französische Musik komponiert zu sein. Die Glanzstücke des Programms waren denn auch Claude Debussys "Petite Suite" mit ihren Stimmungsmalereien und Georges Bizets "Suite L'Arlesienne". Die spezifischen Klangfarben der unterschiedlich hohen und tiefen Instrumente, die Gestaltungsmöglichkeiten durch differenzierte Anblastechniken und Artikulationen kamen gerade bei Bizet allerfeinst zur Geltung. Als besondere Würze spielte ein Tambourin mit. Begeisterter Jubel des Publikums nach der abschließenden, buchstäblich atemberaubenden Farandole. (...)

(Irene Constantin, Lausitzer Rundschau vom 25. August)

 

Orgelkonzert sorgt für volle Kirche in Baruth
(17. August, Baruth, Sebastian Küchler-Blessing, Orgel)

Er ist der jüngste Domorganist Deutschlands: Sebastian Küchler-Blessing. Ganze Reisebusse mit Fachpublikum reisten für ihn nach Baruth. 400 Hörer begeisterte der Musiker in der Baruther Kirche mit virtuosen Stücken von Bach und Mozart. Eine kleine Macke der Schuke-Orgel forderte sein Improvisationstalent. Hunderte Tagestouristen flanierten am Sonntagnachmittag durch das Baruther Stadtzentrum zwischen dem Alten Schloss und der neuen Postmeilensäule auf dem Walther-Rathenau-Platz. Sie besichtigten den Lenné-Park und das einstige Frauenhaus des Baruther Schlosses. Baruths Bürgermeister Peter Ilk übernahm die Führung durch das erst jüngst fertig sanierte Alte Schloss persönlich. Wer wollte, konnte auch mit dem Bus einen Ausflug ins Museumsdorf Glashütte machen. Zu bestaunen gab es auch die sächsische Postmeilensäule in der Nähe der Kirche, die erst kurz vorher am Sonntagmittag enthüllt worden war. Das eigentliche Ziel der Reise der Besucher war allerdings die Sankt-Sebastian-Kirche, wo ein anderer Sebastian die frisch restaurierte Schuke-Orgel bespielen sollte. Sebastian Küchler-Blessing, der jüngster Domorganist Deutschlands und ein noch jünger aussehender, mit Preisen überhäufter Orgelvirtuose, war nach Baruth gekommen. (...) Der mit seinem Lockenkopf und Pausbacken fast noch kindlich wirkende Künstler (...) erwies sich am Abend an „seinem“ Instrument als alter Hase. Der mittlerweile 27-Jährige spielt seit 16 Jahren Orgel, gibt seit elf Jahren Konzerte, ob allein oder gemeinsam mit ganzen Symphonieorchestern. Im Februar wurde er mit damals 26 Jahren zum derzeit jüngsten Domorganisten Deutschlands an den Hohen Dom zu Essen berufen. (...) Besonders interessant wurde der zweite Konzertteil. Während der Pause durften die Besucher unterschiedliche Themen aufschreiben, aus denen der Organist einige auswählte und daraus eine eigene Symphonie improvisierte. Sie enthielt unter anderem Motive von „Hänschen klein“, „Pack die Badehose ein“, Miss-Marple-Filmmusik und Tango. Genial!

(Hartmut F. Reck, Märkische Allgemeine vom 19. August)

 

Bach und Blech in Paretzer Scheune - Sommerkonzert mit Bläserquintett
(16. August, Paretz, Elbeblech)

(...) das Dorf war hoffnungslos mit Autos zugestellt, weil dieWiese als Parkplatz nicht freigegeben war. Wahrscheinlich der einzige Makel des Tages. Denn künstlerisch hielt er, was er versprach. Dominik Glaubitz von der Stiftung Paretz hatte den Nachmittag in seiner Begrüßung als einen besonderen angekündigt: „Das Konzert ist kulturelles und musikalisches Highlight des Jahres in der Scheune.“ Dabei kamen Bach und Blech auf besondereWeise zusammen. (...) Die Musiker des Quintetts zeigten, wie meisterlich sie die anspruchsvollen Barockwerke bewältigen können. Sie zeigten aber auch, dass sie in anderen Genres zu Hause sind. (...) Die fast 400 Zuhörer in der Paretzer Scheune quittierten das mit viel Applaus. Die Veranstalter waren zufrieden, die Gastgeber auch. (...)

(Marlies Schnaibel, Märkische Allgemeine Zeitung vom 18. August)

 

Konzert unterm Terminal-Dach -
Brandenburgisches Sommerkonzert lockt 1800 Besucher auf den BER
(10. August, Flughafen Berlin Brandenburg BER, Bigband der Deutschen Oper Berlin)

(...) So wie der Senior aus Altglienicke nutzten am Wochenende mehr als 1800 Besucher die Gelegenheit, sich an einem schönen Sommerabend in ungewöhnlicher Umgebung an eingängigen Jazz-Klängen zu erfreuen. Zudem bot das „Brandenburgische Sommerkonzert“ einen Einblick in das umstrittene Megabauprojekt, wurden doch vor dem Musikgenuss auf der überdachten Zufahrt des Terminals Rundfahrten über das BER-Gelände angeboten und die Türen zur Abflughalle geöffnet. 1500 Karten waren bereits im Vorverkauf gefragt (...) „Wir freuen uns, dass wir heute zumindest musikalisch den Flughafen eröffnen können“, sagte Big-Band-Mitglied Sebastian Krol. Das Jazzkonzert an diesem Ort werde Geschichte schreiben. Das bestätigte auch Klaus Köhler aus Berlin: „Daran werden wir uns sicher erinnern, wenn wir hier einmal abheben sollten. (...)

(Uta Schmidt, Märkische Allgemeine Zeitung vom 14. August)

 

Flughafen überzeugt mit guter Akustik - der BER ist eröffnet
(10. August, Flughafen Berlin Brandenburg BER, Bigband der Deutschen Oper Berlin)

(...) Rund 1800 Besucher ließen sich von der Bigband der Deutschen Oper Berlin mit einer Mischung aus Jazz und Musicalmelodien begeistern. Das hohe Dach des großen Terminals, unter dem irgendwann einmal Fluggäste vorfahren sollen, garantierte eine gute Akustik, wenn auch die Architekten daran bestimmt keinen Gedanken verschwendet hatten. Die meisten Besucher des Gastspiels der Brandenburgischen Sommerkonzerte interessierten sich keineswegs nur für die Musik. Sie stürmten schon drei Stunden vor dem ersten Takt die Busse zu Baustellenrundfahrten sowie den Eingang zu dem sonst für Neugierige fast immer geschlossenen Terminal-Innenraum. (...)

(Claus-Dieter Steyer, Potsdamer Neueste Nachrichten vom 10. August)

 

Kerosinen - Teure Freiluft: Jazz auf dem BER-Flughafen
(10. August, Flughafen Berlin Brandenburg BER, Bigband der Deutschen Oper Berlin)

Die Besucher der Brandenburgischen Sommerkonzerte sind es gewohnt, am ländlichen Veranstaltungsort stets eine Kaffeetafel vorzufinden. Diesmal allerdings ist da nur eine Anzeigentafel. Jene LED-Wand nämlich, die in der Eingangshalle des BER die Starts und Landungen anzeigt. Wir bitten alle noch fehlenden Zuhörer, sich umgehend auf ihre Plätze zu begeben. Die Big Band der Deutschen Oper hat an diesem Sonntag tatsächlich von Hartmut Mehdorn die Erlaubnis erhalten, den Flughafen zu eröffnen. Also für den Konzertbetrieb. Unter den extraschlanken, maximal eleganten Säulen, die das Vordach zum Check-in-Bereich tragen, ist eine Bühne aufgebaut, 1800 Klappstühle stehen bereit. (...) Sehr seriös spielen die Deutsch-Oper-Jazzer ihre Power-Arrangements von Gershwin, Porter und Co. (...).

(Frederik Hanssen, Tagesspiegel vom 12. August)

 

Endlich Stimmung auf dem BER
(10. August, Flughafen Berlin Brandenburg BER, Bigband der Deutschen Oper Berlin)

Auch wenn es mit dem Flugverkehr nichts werden sollte am BER - das Gebäude hat sich schon für ein andere Funktion qualifiziert: als Konzerthalle. Am Sonntag spielte die Big Band der deutschen Oper auf der Baustelle, die Idee dazu hatten die Veranstalter der Brandenburgischen Sommerkonzerte. Der Akustik der BER-Abflughalle stellten die Zuhörer Bestnoten aus. (...) Die 20-köpfige Big Band besteht aus Musikern der Deutschen Oper, anderen Sinfonieorchestern und Jazzmusikern. Sie spielen Klassiker von George Gershwin, Benni Moten oder Harold Arlen, mal mit Gesang von Marc Secara, mal ohne. Der Höhepunkt des Abends ist ein Jazzmedley aus drei verschiedenen Opern. Die Akustik ist erstaunlich gut. Unter dem Vordach der gläsernen Abflughalle fühlt es sich fast an wie in einem Konzertsaal - findet das Publikum. (...) Die Big Band der Deutschen oper hat den Flughafen Berlin Brandenburg erfolgreich musikalisch eingeweiht. (...)

(Nadine Kreuzahler, Inforadio des rbb, 11. August)

 

Dezibel-Angriff auf den "leisesten Flughafen der Welt"
(10. August, Flughafen Berlin Brandenburg BER, Bigband der Deutschen Oper Berlin)

(...) Der Nachmittag ist sehr gut verkauft. Was mehr für den Ruf des 24. Jahrgangs dieses Festivals spricht als für denjenigen des Flughafens. (...) Gespielt wird unter dem gigantischen Vordach der Check-in-Auffahrt. Mithin: open air mit Dach drüber. Die Bühne steht auf der linken Seite. Da man über die volle Breite bestuhlt hat, kommt mit schlappen 150 Sitzereihen das vermutlich längste ebene Klassik-Parkett der Welt zusammen. (...) Das macht freilich beim Dezibel-Angriff der BigBand der Deutschen Oper ohnehin nichts aus. Schon das Orchester der DOB, aus dem diese Formation vor bald zehn Jahren hervorging, hält sich auf ihr Markenzeichen einiges zugute: Power. Die Arrangements von Strike up the band und der Titel von Thad Jones, Harold Arlen und Bennie Moten – oft im Count-Basie-Stil – neigen zum Dauerknurren, Fauchen und ungeahnten Zuschlagen. Hier zieht die Kraft Wagners ins Birdland ein. Stargast Marc Secara ist die Spreeantwort auf amerikanische Crooner wie Mel Tormé oder Nat "King" Cole. (...)

(Kai Luehrs-Kaiser, Kulturradio des rbb, in der Frühkritik vom 11. August)

 

"Spark": Bis die Locken fliegen (9. August, Luckau, Spark)

Engagiert, virtuos und mit radikaler Hingabe: "Spark - die klassische Band" bei den Brandenburgischen Sommerkonzerten. Da hat die Musikhochschullandschaft ja einmal etwas sehr Interessantes hervorgebracht: Fünf Leute, die auf klassischen Instrumenten spielen und cool sind wie junge Hunde. „Spark – die klassische Band“ ist allerdings auch ein Glücksfall, die ganz große Ausnahme. (...) Sie rocken mit ordentlicher Lautstärke, geben sich ihrem Tun radikal hin, ohne als Interpreten zu verlottern, sie tragen mittelalterlich anmutenden Kram und sehen trotzdem nicht nach Mittelaltermarkt aus. Außerdem hat man Locken im Klassikgeschäft nie rauer fliegen sehen als bei Plumettaz und Cheung, die sich beim Spielen besonders sichtbar engagieren. Übrigens sehr virtuos – Cheung steigt mit Gelassenheit auch in liszthafte Höhen hinauf (...). Die fünf haben ein exzellentes Gespür für den eigenen Ton im Weltmusikgetümmel, stoßen passgenau in jene Lücke, die gewöhnliche Bands (zu banal, zu wenig kunstfertig) und Kammermusikensembles (zu wenig sinnlich, kaum Mut zum Schund) im Musikleben gelassen haben.

(Christiane Tewinkel, Tagesspiegel vom 11. August)

 

Schönheit und Schauer - (Spät)romantische Lieder und Balladen in Putlitz
(3. August, Putlitz, Corinna Kirchhoff & Ulriche Eckhardt)

(...) Weil aber jede Geschichte abhängig ist von ihrer Übermittlung, weil sowieso der Ton erst die Musik macht, kann das Melodram andererseits auch sehr gut unterhalten. Wie bei diesem Brandenburgischen Sommerkonzert in Putlitz: Draußen vor der Stadtkirche St. Nikolai scheint die Sonne über der Burgruine mit Bergfried, drinnen erinnern die Schauspielerin Corinna Kirchhoff und der vormalige Berliner Festspiel-Intendant Ulrich Eckhardt am Klavier mit Balladen von Tennyson, Hebbel, Lenau und Bürger an Schönheit und Schauer der alten Zeit. Beziehungsweise daran, wie man sich diese früher so vorgestellt hat, als man, angekränkelt von der eigenen Gegenwart und auf der Suche nach erhebenden Themen, ans Balladendichten ging. (...) Wenn Kirchhoff manchmal der Versuchung nicht widersteht, die große Konstruktion mit dem letzten Vers grotesk einstürzen zu lassen, wenn sie ihr Publikum dann doch noch zum Lachen bringt durch schräge Blicke oder falsche Einfalt, dann zeigt sich darin doch nur ihre Virtuosität: In glücklichen Momenten gelingt es ihr, alles mitschwingen zu lassen und zu umgreifen, das Befremden angesichts der geschilderten Lebensentwürfe und Ehrbegriffe ebenso wie das aufrichtige Hoffen darauf, dass es so, wie die Balladen erzählen, tatsächlich einmal gewesen sein möge.

(Christiane Tewinkel, Tagesspiegel vom 5. August)

 

Melodramen in der Kirche - Die Brandenburgischen Sommerkonzerte waren zu Gast in Putlitz (3. August, Putlitz, Corinna Kirchhoff & Ulriche Eckhardt)

Zum dritten Mal gastierten die Brandenburgischen Sommerkonzerte in Putlitz. Es wurde für alle das genussvolle Konzerterlebnis, das Pfarrer Volkhart Spitzner den 200 Gästen in der Kirche zu Beginn des Konzerts gewünscht hatte. (...) Beide Künstler brachten ihrem Publikum wortgewaltig und virtuos das Gefühl dieses Zeitgeists nahe - ein wunderbares Klangerlebnis in der Putlitzer Kirche. Schon in der Pause und dann am Ende des Konzertes gab es großen Applaus für ihre Darbietung. (...)

(jn, Prignitz-Kurier vom 5. August)

 

Mond und Magie - Barocke Arien im Schlosspark von Stechau
(2. August, Schlosspak Stechau open air, Cappella Istropolitana)

(...) Es ist kein Zufall, dass die Brandenburgischen Sommerkonzerte in jedem Jahr hierher zurückkommen: wo das malerische Schloss in Blutrot vor der Nacht erstrahlt, der Mond freundlich durch die düst’ren Wolken herunterwinkt, während rundherum ein pausbäckiges Gewitter tobt; wo die Grillen zirpen und unter hohen Baumwipfeln entlang eines hochromantischen Parkteichs mehr als 2000 Menschen lustwandeln, um dabei zu sein, wenn sich an der frischen Luft die Natur zur Kunst vollendet. Selbstverständlich ist es vor allem diese symbiotische Beziehung, ein nicht mehr auffindbar geglaubtes Idyll, fast eine unwirklich Szenerie, die das Publikum in den geradezu magischen Schlosspark lockt. Längst sind es nicht mehr nur Berliner, die auf Landpartie gehen: Stechau ist der Beweis, dass das Festival im Gastgeberland angekommen ist, die alljährliche „Open-air-Gala“ ist ein Muss für die Bewohner des Landstrichs. Dabei darf man den Mut der völlig privatwirtschaftlich organisierten Brandenburgischen Sommerkonzerte nicht unterschätzen, höchstwertige Kultur zu implantieren in die platten Niederungen einer echten Provinz, deren ohnehin schon magere kulturelle Infrastruktur von der Landesregierung immer weiter ausgedünnt wird. Vor einem so riesigen Publikum eine Barockgala zu planen, deren Anspruch kaum einmal hinter Bachs „Matthäuspassion“ zurückfällt, ist ein Wagnis, das sonst kaum ein Veranstalter auf sich nimmt. Hier leisten die Sommerkonzerte seit jeher Pionierarbeit. (...)

(Christian Schmidt, Tagesspiegel vom 5. August)

 

Sommeridylle in Stechau - Brandenburgische Sommerkonzerte präsentieren barockes Musikerlebnis (2. August, Schlosspak Stechau open air, Cappella Istropolitana)

An die 2000 Besucher haben auch in diesem Jahr in Stechau ein gelungenes Schlosspark-Open-Air der Brandenburgischen Sommerkonzerte erlebt. Die Cappella Istropolitana begeisterte mit einem Barockkonzert. Und auch rundherum hat wieder alles bestens gepasst. (...) Überhaupt ist das Open-Air-Konzert im Schlosspark ein Gemeinschaftswerk, an dem viele Partner ihren gelungenen Anteil haben — und das schon seit Jahren. Am vergangenen Wochenende bewährte sich die gute Zusammenarbeit aller erneut. Im Park selbst herrscht Picknickatmosphäre. Bei Schliebener Wein und anderen kulinarischen Genüssen lässt es sich an diesem lauschigen Sommerabend gut aushalten. (...) Als die Musiker mit ihrem Konzert beginnen, lassen sich die vielen Gäste nicht lange bitten. Die Stuhlreihen füllen sich, aber so mancher Gast bleibt auch im Grünen sitzen — und genießt. Die Musik der Cappella Istropolitana aus Bratislava zieht in ihren Bann. Werke von Vivaldi, Bach, Händel und anderen Komponisten der Zeit sind zu hören. Und zum Abschluss malt wieder ein Feuerwerk viele Farben in den sommerlichen Nachthimmel.

(Sylvia Kunze, Lausitzer Rundschau vom 5. August)

 

Faszination an vier Flügeln (20. Juli, Neuruppin, Gershwin Piano Quartet)

Die Neuruppiner Klosterkirche erlebte am Sonntag ein gewaltiges musikalisches FeuerwerkVier Pianisten an vier Flügeln boten ein Konzert, wie es wohl die meisten Besucher noch nicht erlebt hatten. Die Kirche war ausverkauft: 650 Gäste bejubelten das Schweizer "Gershwin Piano Quartet". Es war nur eines von 35 Konzerten, die im Rahmen der Brandenburgischen Sommerkonzerte in diesem Jahr in der Mark stattfinden, doch es gehörte ganz gewiss zu den Höhepunkten. (...) Die Organisatoren des gigantischen Piano-Konzerts nutzten derweil die Zeit zur Vorbereitung. Und das war in diesem Fall ein recht diffiziles Unterfangen, denn für vier gewaltige Konzertflügel war der Altarraum recht knapp bemessen. Acht starke Männer mühten sich mehr als zwei Stunden, bevor der Klavierstimmer ans Werk gehen konnte. Drei Stunden vergingen, bis schließlich alle Instrumente aufeinander abgestimmt waren und die Pianisten mit virtuoser Spielfreude ans Werk gehen konnten. Einen Dirigenten gab es nicht, Sichtkontakt war für die vier Künstler also unerlässlich. Das Zusammenspiel klappte blendend - trotz Fortissimo und energiegeladener Passagen blieb Zeit für ein Augenzwinkern oder ein Lächeln zum Piano-Nachbarn. (..) Klassische Musik und Jazz, Ballett und Broadway-Show sorgen für spannende Abwechslung in einem sehr farbigen Konzert wahrer Flügel-Artisten. Die 352 Tasten sind ihnen noch zu wenig, sie greifen in die Saiten, schlagen auf die Deckel oder nehmen zusätzlich eine Blasharmonika zur Hand. (...) Gershwins "Porgy and Bess" und Bernsteins "West Side Story" sorgen in der zweiten Konzerthälfte für tosenden Beifall. Das Publikum hatte die Künstler schnell ins Herz geschlossen. Der musikalische Humor, das blendende Zusammenspiel und der Spaß, den Musiker und Zuhörer hatten, sorgten schließlich für ein heftig umjubeltes Konzert mit mehreren Zugaben.

(Cornelia Felsch, Märkische Allgemeine Zeitung vom 21. Juli)

 

Brandenburgische Sommerkonzerte: Pianomania - Eine russisch-amerikanische Melange vom Feinsten (20. Juli, Neuruppin, Gershwin Piano Quartet)

 

Wenn alle vier Fortissimo spielten, dann kam das schon einem Erdbeben gleich, (...) ansonsten war alles unheimlich ausdifferenziert und sehr temperamentvoll! Die Jungs hatten trotz der Hitze richtig Spaß, und das sprang aufs Publikum über. Manchmal haben zwei der Mitglieder auch nicht die Tasten bedient, sondern in den Flügel hineingegriffen und die Seiten mit den Fingern angeschlagen, das ergab Klangeffekte, wie man sie sonst nie hört. Sämtliche Stücke des Programms hatten einzelne Mitglieder des Quartetts arrangiert. Es war ein sehr gut konzipiertes Programm, im Mittelpunkt stand der Namenspatron des Quartetts, der amerikanische Komponist George Gershwin. (...) Im ersten Teil gab es u.a. die bekannte Vokalise von Rachmaninow, sowie von Sergej Prokofjew drei Stücke aus seiner Musik zum Propagandafilm Leutnant Kishe. Dieses Arrangement war herrlich fantasievoll, da hörte man auch bekannte Zitate, Summertime von Gershwin z.B. oder den Walzer aus der Jazz-Suite von Dmitri Schostakowitsch. Eine russisch-amerikanische Melange vom Feinsten. Höhepunkte des Konzerts waren die Umsetzung von Gershwins Rhapsody in blue und der sinfonischen Tänze aus West Side Story. Die Neuruppiner Klosterkirche war übrigens ausverkauft, 650 Besucher waren gekommen. (...)

(Claus Fischer, Kulturradio vom rbb, in der Frühkritik vom 21. Juli)

 

Das fantastische Funkeln - Ein Abend mit dem Gershwin Piano Quartet
(20. Juli, Neuruppin, Gershwin Piano Quartet)

(...) Im Altarraum der riesigen Klosterkirche St. Trinitatis bietet sich der ungewöhnliche Anblick von vier Pianisten an ebenso vielen Bechstein-Flügeln. Mit den ersten Tönen verflüchtigt sich die Befürchtung, hier könnten verschiedene Musikstile auf den billigsten gemeinsamen Nenner gebracht werden (...). Die Parallelen zwischen den so unterschiedlichen Komponisten wirken hier einmal nicht mühsam gesucht, sondern leichthändig gefunden (...). Das Zusammenspiel der vier schweizerischen Virtuosen Mischa Cheung, André Desponds, Benjamin Engeli und Stefan Wirth liegt auf dem Niveau eines seit vielen Jahren musizierenden Streichquartetts, Klangphantasie und Rhythmusgefühl erinnern an ein adneres "One-Instrument-Only-Ensemble": die zwölf Cellisten der Berliner Philharmoniker. (...) Da darf am Ende einer der Pianisten kokett anmerken, die Deutschen spielten zwar besser Fußball, die Schweizer allerdings besser Klavier; denn dieser Auftritt war tatsächlich weltmeisterlich.

(Benedikt von Bernstorff, Tagesspiegel vom 22. Juli)

 

Musik hat viele Berliner ins Amt Peitz gelockt (19. Juli, Heinersbrück, Jänschwalde, Drewitz, Brandenburgisches Dorfkirchenkarussell)

Das "Brandenburgische Dorfkirchenkarussell" hat am Samstag rund 200 Berliner in die Peitzer Region gelockt. Drei Konzerte in drei Kirchen standen auf dem Plan und auch einheimische Zuhörer kamen in die Kirchen Drewitz, Jänschwalde und Heinersbrück. (...) Am Sonnabend hörten die Berliner Gäste in Drewitz Verena Wehling mit ihrer Viola, in Jänschwalde das Trio "Charaktrice" und in Heinersbrück die Sängerin Berit Barfred Jensen und den Organisten Franz Danksagmüller. Jeweils 14, 16 und 18 Uhr gab es in allen drei Kirchen die Konzerte. Jeder Teilnehmer konnte die Reihenfolge selbst wählen. Es gab Kaffee und Kuchen im Jänschwalder Pfarrgarten, und das wendisch-deutsche Museum in Jänschwalde war geöffnet. (...) Angela Reinhard und Blanca-Maria Rudhart aus Berlin schwärmten: "Was für eine wundervolle Stimme." Auch die Akustik wurde gelobt. Und Barbara Becker sagte: "John Dowland ist mein Lieblingskomponist, aber nicht nur deshalb finde ich es toll hier. Es ist alles so herzlich, die Menschen haben uns hier so freundlich empfangen, haben gebacken und uns ihre Kultur vorgestellt."

(Marion Hirche, Lausitzer Rundschau vom 21. Juli)

 

Spannung aus Ernst und Leichtigkeit (13. Juli, Neuzelle, Klaviertrio M. Bouchkov, K. Soltani, J.-M. Weder)

(...) So war es für Pfarrer Ansgar Florian eine besondere Freude, mit Marc Bouchkov (Violine) aus Belgien, Kian Soltani (Violoncello) aus Österreich und Joseph-Maurice Weder (Klavier) aus der Schweiz drei junge Künstler ansagen zu dürfen, die es trotz jugendlichen Alters schon zu Ruhm gebracht haben. Erste Preise als Solisten bei internationalen Wettbewerben ließen die Fachwelt aufhorchen - und nun auch das Neuzeller Publikum. Ihre Virtuosität stellten sie im Klaviertrio B-Dur, Opus 99 von Franz Schubert und A-Moll, Opus 50 von Peter Tschaikowski eindrucksvoll unter Beweis. Der Einsatz der Instrumente von piano bis forte, das scheinbare melodische Auseinanderdriften und doch wieder Zueinanderfinden, machten die Interpretation des Musikertrios so eindrucksvoll und das Konzert so einmalig. Auf der einen Seite tiefe Ernsthaftigkeit, auf der anderen gespielte Leichtigkeit bildeten den Spannungsbogen dieses Konzerts. (...)

(Jörg Hanisch, Märkische Oderzeitung vom 15. Juli)

 

Donnerwetter - Brandenburgische Sommerkonzerte: Ein Solokonzert für Obo und Orgel in Altfriedland (12. Juli, Altfriedland, Karla Schröter, Barockoboe, und Willi Kronenberg, Orgel, vom Ensemble Concert Royal, Köln)

(...) Karla Schröter belebt die Choralmelodien mit dynamisch ausdrucksvoll an- und abschwellendem „Messa di Voce“ und versieht die oft fragil zwischen barockem und galantem Idiom schwebenden Melodielinien von Meistern wie Krebs, Hertel und Homilius mit geschmackvollen Verzierungen. Sehr angenehm macht sich der von barocken Vorbildern inspirierte, helle kammerorgelartige Klang der 1954 erbauten Schuke-Orgel dazu aus.

(Carsten Niemann, Tagesspiegel vom 14. Juli)

 

Empfindsames mit Zimbelsterngeklingel - Concert Royal in Duo-Besetzung in der Klosterkirche (12. Juli, Altfriedland, Karla Schröter, Barockoboe, und Willi Kronenberg, Orgel, vom Ensemble Concert Royal, Köln)

(...) Notenpreziosen des 18./19. Jahrhunderts haben die beiden im Notengepäck. Duettierend oder orgelsolistisch breiten sie es aus. Zunächst drei Fantasien für Oboe und Orgel von Johann Ludwig Krebs. Es sind empfindsame Werke, die weitgehend subjektiven Stimmungen und Gefühlen breiten Raum geben. Der Klang der Barockoboe ist kräftig und durchdringend, mischt sich mit der Orgel gleichsam als ein weiteres Register ganz vorzüglich. Ihr gedeckter, näselnder Klang kann intimste Gefühle bestens ausdrücken, aber auch freudig jubilieren. In Choralvorspielen von Gottfried August Homilius, Gotthilf Friedrich Ebhardt und Christian Gotthilf Tag übernimmt die Oboe die Melodiestimme, während die Orgel für die lauffreudigen, besinnlichen oder verzweiflungsvollen Garnierungen zuständig ist. In je einem Präludium und Fuge von Johann Sebastian Bach (tänzerisch entspannt) und Felix Mendelssohn Bartholdy (schön romantisch), aber auch in der leidenschaftlichen, von abrupten Stimmungswechseln bestimmten und gemütsergötzlich gespielten F-Dur-Sonate von Carl Philipp Emanuel Bach kann sich Willi Kronenberg ganz von seiner subtilen, ausdrucksdichten Seite zeigen. Viel Beifall, eine Zugabe.

(Peter Buske, Märkische Oderzeitung)

 

Oboenklang am Vogelparadies (12. Juli, Altfriedland, Karla Schröter, Barockoboe, und Willi Kronenberg, Orgel, vom Ensemble Concert Royal, Köln)

(...) Dieser neobarocke Klang - der Schuke-Orgel - hat doch seinen Reiz und da das Altfriedländer Instrument in den 60 Jahren seines Bestehens nicht verändert wurde, steht es jetzt exemplarisch für solides Handwerk nach der Kriegszeit, für eine abgeschlossene Epoche des Orgelbaus, deshalb haben wir vom Kulturradio auch das Konzert mitgeschnitten, um dieses Instrument zu dokumentieren, es gab nämlich bislang noch keine Aufnahme davon. (...) Das war eine sehr interessante, spannenende Dramaturgie, den roten Faden bildeten Schlosskirchen des 18. Jahrhunderts in Sachsen, also Musik, die für diese speziellen Sakralräume komponiert wurde. Da konnte man einige schöne Entdeckungen machen, unter anderem eine Sonate für Oboe und Orgel vom Dresdner Komponisten Gottfried August Homilius, ein sehr delikates, raffiniertes Stück, erst kürzlich übrigens in einem Archiv gefunden worden (...). Karla Schröter ist eine der besten Barockoboistinnen, die wir in Deutschland haben (...), der zweite Teil des Konzerts war wirklich ein Genuss (...).

(Claus Fischer, Kulturradio des rbb, in der Frühkritik vom 15. Juli)

 

Der Puls von Pretschen - Brandenburgische Sommerkonzerte vor 650 Besuchern mit Viva Voce auf dem Landgut Pretschen (6. Juli, Pretschen, Viva Voce)

(...) Nach der gelungenen Premiere als Konzertort des Musikfestivals im vergangenen Jahr präsentierte sich das Spreewalddörfchen auch diesmal als perfekter Gastgeber. Im größten Bio-Gewächshaus Brandenburgs auf dem Landgut Pretschen begeisterte das A-cappella-Quintett Viva Voce mehr als 650 Besucher. (...) Mehr als 30 Bleche mit Kuchen hatten die Vereinsmitglieder für den Konzerttag gebacken. Bio-Kuchen gab es von der Landbäckerei Schulze. Ein spezielles Pretschener Sommerkonzert-Menü servierte das Gasthaus Döring. Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr des Ortes wachten auf der Wiese mit den vielen parkenden Besucherautos. Eine Hofführung gab Einblicke in die biologisch-dynamische Bewirtschaftung des Landgutes, das auf mehr als 800 Hektar ökologische Landwirtschaft betreibt. Und Spreewald-Christl war extra aus Lübben angereist, um ein Spreewälder Gurkenseminar zu halten. (...) Trotz Hitze machte der Auftritt von Viva Voce alle glücklich – die Sänger selbst, die Konzertbesucher, von denen viele extra aus Berlin angereist waren, und natürlich auch die Pretschener. (...) "Morgen werden die Gurken ganz beschwingt sein", sagte Sascha Philipp, Geschäftsführer des Landgutes Pretschen, als er nach dem umjubelten Konzert einen prüfenden Blick auf die Gurkenpflanzen im Gewächshaus warf. (...)

(Thomas Seifert, Lausitzer Rundschau vom 9. Juli)

 

Achterbahn (5. Juli, Doberlug-Kirchhain, DSO, Tugan Sokhiev, Igor Levit)


(...) Als er das erste Mal in die Tasten schlägt, ahnt man: Das wird kein routinierter Beethoven-Abend. Beethovens Klavierkonzert als Duell zwischen Mann und Orchester. Levit weiß sich durchzusetzen. Er zeigt durch aggressive Einsätze und selbstbewusste Läufe, dass er Beethovens Komposition wie einen Krimi liest. Dabei spielt er immer wieder den Ball zu DSO-Chef Tugan Sokhiev zurück, ohne sich in den Pausen mit stillem Herumsitzen zu begnügen. Bei großen Bass-Passagen schlägt Levit mit der Faust in den Klavierhocker, als ob er sich für die Herausforderung der Kontrabässe rächen wollte. Bei Piano-Passagen schmunzelt er verschmitzt; bei Forte-Durchbrüchen verzieht er verstört das Gesicht. So mutiert Beethovens Klavierkonzert zu einem Duell zwischen Mann und Orchester, wobei unklar bleibt, wer hier die Oberhand gewinnt. Denn Sokhiev passt auf, dass sich Levits Temperament auf den ganzen Klangapparat überträgt. Das Ergebnis ist ein in den Bann ziehendes Konzert, bei dem sich das Publikum mit Sommerhüten von den Stühlen reißen lässt. Dramatisch auch der zweite Teil: Der DSO-Chef interpretiert Brahms’ 4. Sinfonie in aufwühlender Intensität. Der erste Satz scheint sich wie ein Donnern zu verbreiten. Dabei sind besonders die Streicher hervorzuheben, die Sokhievs Einladung, mit breitem Strich der Komposition die nötige Kernigkeit zu verleihen, freudig Folge leisten. (...)

(Tomasz Kurianowicz, Tagesspiegel vom 6. Juli)

 

Fingerspitzenfeiner Musikgenuss - Hochkarätiges Brandenburgisches Sommerkonzert (5. Juli, Doberlug-Kirchhain, DSO, Tugan Sokhiev, Igor Levit)

Das piekfein renovierte Schloss Doberlug mit seiner Landesausstellung zur Seite, die gotische Klosterkirche im Hintergrund, feingemachte Nebengebäude ringsum – ein luxuriöser Ort im Irgendwo. Spielort für die Brandenburgischen Sommerkonzerte, die das Deutsche Sinfonieorchester nach Doberlug eingeladen hatten. (...) Solist des Klavierkonzerts (von Beethoven) war ein Pianist, den man hören sollte, wo immer man Gelegenheit dazu hat, Igor Levit. Schon jetzt schmücken die Namen hochberühmter Konzertsäle, Orchester und Dirigenten seine musikalische Biografie und sein Auftritt in Doberlug bestätigte alle dementsprechenden großen Erwartungen. Schon die ersten virtuosen Solo-Takte des Beethovenkonzerts, die dem massigen Anfangsakkord des Orchesters folgen, versprachen ein besonderes Ereignis und dieses erlebte man dann auch. Der kraftvolle Sound im Kopfsatz des Konzerts – per Nachhall-Technik fast Kirchenakustik, aber egal – riss mit und hatte den Beethovenschen Impetus der ganz großen Geste an die Hörer. Den wirklich fingerspitzenfeinen Musikgenuss aber bereitete Igor Levit, wenn er dem Klavier das tiefste und geheimnisvollste Pianissimo entlockte. Der ganze langsame Satz erfüllt sich im träumerisch Leisen, fast Verschleierten. Unglaublich schön die kleine zauberische Verführung hinein in das übermütige, dennoch von sinfonischer Architektur geprägte Schlussrondo. Igor Levit kämpft nicht mit dem Klavier, er meistert nicht die Kompositionen, bezwingt nicht die Tasten, er spielt. Spielt nicht auf, sondern mit dem Instrument. Man spürt innigste Vertrautheit, und diese vermittelt das Glücksgefühl, wenn man Igor Levit zuhört.
Der zweite Teil des frühen Abends gehörte allein dem Deutschen Sinfonieorchester und seinem Chef Tugan Sokhiev. Schon das kleine lyrische Eingansmotiv der 4. Brahms-Sinfonie entfaltete soviel lyrische Melancholie, dass man sofort gefangen und neugierig allen wundersamen Entwicklungen dieses sparsamen Motivs zu folgen bereit war. (...) Die Krönung war der extrem kunstfertig komponierte Schlusssatz der Sinfonie. Aus einer Folge von nur acht Tönen entwickelt Brahms 30 Variationen. Selten habe ich sie so genau ausgeführt gehört und dabei doch von Lust am musikalischen Spiel erfüllt.

(Irene Constantin, Lausitzer Rundschau vom 7. Juli)

 

Herz und Hirn - Der Tenor Daniel Behle singt in Templin Liebeslieder und Satirisches von Richard Strauss (29. Juni, Templin, Daniel Behle, Oliver Schnyder)

Beim Brandenburgischen Sommerkonzert in Templin – Angela Merkels Heimatstadt – wirkt die 1749 erbaute Maria-Magdalenen-Kirche für einen Richard- Strauss-Abend wie geschaffen: Tenor Daniel Behle und Pianist Oliver Schnyder sind selbst von der hintersten Reihe glasklar zu hören. Das mag auch an Behles herrlicher Aussprache liegen: Die Vier Lieder opus 27, die Richard Strauss für seine Ehefrau Pauline komponiert hat, erklingen in messerscharfer Präzision. Behle fühlt sich sensibel in die emotionale Dichte dieses spätromantischen Werkes ein. Er singt nicht nur mit Herz, sondern auch mit Verstand und vertieft sich inbrunstvoll in die Gefühlswallungen dieser jungen Strauss’schen Liebeserklärung, die so packend und berührend ist, dass es einem die Sprache verschlägt.Vor Kitsch braucht sich jedoch niemand zu fürchten. Denn die hinreißenden, in die Höhe schießenden, plötzlich einbrechenden Forte-Passagen gleicht Daniel Behle mit seiner butterweichen und sanft das Ohr streichelnden Stimmführung aus. (...) etwas Pathos darf ruhig sein, wenn es so behutsam aufgefangen wird wie an diesem Abend von Klavierbegleiter Oliver Schnyder. Der Pianist wartet auf seine Einsätze wie ein kreisender Vogel und besticht durch virtuose, fein abgestimmte Vorder- und Hintergrund-Nuancen. Das Zusammenspiel funktioniert einzigartig. (...) Gar kein Zweifel: Diesen Liederabend wird in Templin so schnell keiner vergessen.

(Tomasz Kurianowicz, Tagesspiegel vom 1. Juli)


Auch ohne Gubener Hymne überzeugt: Brandenburgische Sommerkonzerte in fast bis auf den letzten Platz besetzter Klosterkirche
(28. Juni, Guben, RIAS Kammerchor, Capella de la Torre, Risto Joost, Helene Grass)


(...) Die Klosterkirche war beinahe bis auf den letzten Platz besetzt (...). Der Gubener Kantor Hansjürgen Vorrath war beeindruckt vom Anblick des fast voll besetzten Gotteshauses. "Musik und Wort schaffen es, Menschen von nah und fern mit allen Unterschiedlichkeiten zusammenzuführen". (...)Das musikalisch-literarische Projekt setzt Textabschnitte der Grass-Erzählung mit Musik verschiedener Komponisten in beziehung. Helene grass, Tochter des Autors, las selbst ausdrucksstark, aber auch mit Musik begleitet aus der Parabel ihres Vaters. (...) Das Publikum sog die Klänge des Chores, gepaart mit der zarten Musik, förmlich auf. (...) Die Schauspielerin zeigte ihr ganzes Talent. (...) Die Leistung der Musiker belohnte das Gubener Publikum mit jeder Menge Applaus.

(Jana Pozar, Lausitzer Rundschau vom 30. Juni)

 

Brandenburgische Sommerkonzerte: Wochenend und Sonnenschein
(7. Juni, Potsdam, Philh. Orchester des Staatstheaters Cottbus, Evan Christ)

Im Pfarrgarten fällt Betriebsamkeit auf, wenn die „Klassiker auf Landpartie“ sich bei Kaffee und Kuchen angeregt austauschen. Sie sind gekommen von nah und fern, um die Eröffnung der 24. Brandenburgischen Sommerkonzerte zu erleben. (...) partitursicher und einsatzfreudig lässt sich das Philharmonische Orchester des Staatstheaters Cottbus nicht irritieren, sondern von Chefdirigent Evan Christ beflügeln. So beginnt die Sommerserie, die noch immer ohne öffentliche Mittel existiert, Hilfe bei der Denkmalpflege leistet, Musikfreunde verbindet, mit einem gefeierten Konzert. (...) Das Orchester, darin unter den Bläsern hervorragende Solisten etwa an Flöte und Fagott, erworbene Streicherkultur, versiert und mutig auch Elena Soltan in der Konzertmeisterrolle der Märchenerzählerin, gehorcht engagiert den Weisungen seines Maestro Christ.

(Sybill Mahlke, Tagesspiegel vom 9. Juni)

 

Erlöserkirche Potsdam: Brandenburgische Sommerkonzerte
(7. Juni, Philh. Orch. Staatstheater Cottbus, Evan Christ)

 

(...) Mutig die Entscheidung, an den Anfang aller Konzerte des Festivals eine Uraufführung zu stellen. Das weiße Rauschen der Musikgeschichte und schlagzeugbetonte Zeitgestaltung in Luís Antunes Penas Acceleration mochten aber auch Hörer mit der zeitgenössischen Musik versöhnen, die solche sonst ablehnen. Evan Christ ist ein sehr energetischer, ja charismatischer Dirigent, der sein Orchester zu einer suggestiven Schilderung der Hochzeit in der Prärie in Coplands Appalachian Spring anregte. Besonders fielen schon hier die ausgezeichneten Bläser auf. Diese hatten dann auch weitere Auftritte in Rimskij-Korsakows Scheherazade, angeführt von Elena Soltan als geigende Erzählerin. (...) Insgesamt wurde aber auch hinreißend musiziert, das Publikum jedenfalls bejubelte einen gelungenen Auftakt der neuen Sommerreise.


(Clemens Goldberg, Kulturradio des rbb vom 10. Juni )

Pressestimmen 2013

Untypischer Wagner trifft auf rohe Naturgewalten - Evan Christ serviert zum Abschluss der Brandenburgischen Sommerkonzerte in Blankensee extreme und ungewöhnliche Klänge (8. September, Philh. Orchester des Staatstheaters Cottbus, Johannische Kirche Blankensee)

500 Zuhörer haben am Sonntagabend einen furiosen Abschluss der 23. Brandenburgischen Sommerkonzerte erlebt. Bilanz: 34 Konzerte an 31 Orten. Zum Finale lud das Philharmonische Orchester des Staatstheaters Cottbus in die Festhalle der Johannischen Kirche Blankensee (Teltow-Fläming). Im Mittelpunkt standen eine 100 Jahre alte Uraufführung und ein 200. Geburtstag. Es ist nicht der typische Wagner, der an diesem Abend durch die Festhalle donnert. Das Vorspiel zur Oper "Die Meistersinger von Nürnberg" ist nicht düster und keine schwere Kost, sondern geht ins Ohr, wirkt handlich, nahezu populär. Das Cottbuser Orchester unter der Leitung von Generalmusikdirektor Evan Christ ehrt mit dem Eröffnungsstück noch einmal den 200. Geburtstag von Richard Wagner, eine zugleich polarisierende wie kritisierte, verehrte wie umstrittene Musikerpersönlichkeit. Von der ersten Sekunde an stürzt sich Evan Christ in das Vergnügen. Bläser dominieren den Auftakt, verspielte Querflöten verkörpern tänzerische Motive. Passend zum Chef am Pult: der Tänzer unter den jungen und dynamischen Dirigenten verausgabt sich innerhalb der ersten zehn Minuten. (...) Marlene Lichtenberg artikuliert bei diesen musikalischen Vorstudien zu "Tristan und Isolde" [Wesendonck-Lieder] erst sanft und zart, dann fordernd und tief bewegt. Ein kühner Liebesgesang, harmonisch durchschaubar. Bloß nicht an der falschen Stelle atmen, denkt sich der Zuhörer, als die Vortragende so leise wird, dass man eine Stecknadel fallen hören würde. (...) Christ, inzwischen Hochleistungssportler am Pult, verzerrt ins Surreale, wahnwitzig und martialisch zugleich. Ein schwereloses Mittelstück [von Strawinskys "Sacre du printemps"] bringt etwas Luft zum Atmen, doch die Streicher nehmen alsbald wieder Fahrt auf und konkurrieren mit den Bläsern und dem Trommler um die besten Plätze im arhythmischen Tollhaus. Die brodelnde Klangmasse wabert, inzwischen geschwängert von einer explosiven Mischung, zu deren Vervollständigung auch noch das Becken eine tragende Rolle übernehmen darf. Auffallend sind die ständig fallenden Halbtonsprünge. Fast überraschend entlädt sich das Teufelsgemisch in einem einzigen, furiosen Schlussakkord, der wie eine Naturgewalt über den Zuhörer niederbricht. Stehende Ovationen für Christ und seinen fulminanten Klangkörper.

(Rüdiger Hofmann, Lausitzer Rundschau vom 10. Setpember)

 


Claire Tori Huangci und Alissa Margulis in Paretz - Magische Momente mit Dornröschen (25. August, Paretzer Scheune)

Dem Zauber des Ortes wollte der Veranstalter mit dem Zauber der Musik gerecht werden. Die Brandenburgischen Sommerkonzerte hatten Sonntagnachmittag nach Paretz eingeladen, fast 500 Zuhörer füllten die Scheune. Die Veranstalter hatten ein romantisch angehauchtes Programm zusammengestellt, das sich der Stimmung des Dorfes und des Tages bestens anpasste. Viel Westberliner Kulturadel war ins Havelland gekommen, dabei gewohnt, von den Brandenburgischen Sommerkonzerten hochkarätige Musiker in stimmungsvollem Ambiente geboten zu bekommen. Dem wurde auch dieses Konzert wieder gerecht. Es geriet zum Höhepunkt der Konzertsaison des Havellandes. Die amerikanische Pianistin Claire Tori Huangci und die russisch-stämmige Violinistin Alissa Margulis sorgten dafür. Zwei exzellente Solistinnen waren dabei zu erleben.(...)

(Marlies Schnaibel, Märkische Allgemeine vom 27. August)

 

Sommerkonzert in Neustädter Gestüten - Reiter, Fanfaren und Musikkorps lockten 400 Zuschauer (24. August, Luftwaffenmusikkorps 4, Brdbg. Haupt- und Landgestüt Neustadt/Dosse)

Das Luftwaffenmusikkorps 4 Berlin ließ auf dem Paradeplatz der Neustädter Gestüte musikalisch die Pferde galoppieren. Das von Christian Blüggel dirigierte Ensemble spielte am Samstagabend auch die Ouvertüre zur Operette "Leichte Kavallerie" von Franz von Suppé. Zum Programm "Melodien fliegen um die Welt" gehörten auch Märsche und bekannte Filmmelodien der Ufa und aus Hollywood. Die Musiker schlugen gekonnt den Bogen vom "Fridericus-Rex-Grenadiermarsch" zu den Liebenden in "Strangers in the night". Wer von der Tribüne aus seinen Blick nach rechts schweifen ließ, sah zudem auf einer Weide frei laufende Pferde des Gestüts. Das Luftwaffenmusikkorps gastierte innerhalb der "Brandenburgischen Sommerkonzerte" in Neustadt und gab dort vor etwa 400 Zuhörern ein Benefizkonzert. Der Erlös kommt dieser Musikreihe zugute und ermöglicht so wiederum andere Veranstaltungen. (...) Die Veranstaltung eröffneten die Fanfarenreiter der Gestüte. (...)

(Axel Knopf, Märkische Allgemeine Zeitung vom 26. August)

 


Melodienflug - Militärische Sommermusik in Brandenburg (24. August, Luftwaffenmusikkorps 4, Brdbg. Haupt- und Landgestüt Neustadt/Dosse)

Von einem Overkill zu sprechen bei einem Ausflug im Rahmen der Brandenburgischen Sommerkonzerte wäre wohl falsch, schließlich sind diese Konzert mit ihren Begleitveranstaltungen für gewöhnlich nicht zu übertreffen an Liebenswürdigkeit. Trotzdem gibt es an diesem Nachmittag rund um das LAndgestüt, das in diesem Jahr seinen 225. Geburtstag feiert, wirklich viel zu erleben. Erst einmal die geruhsame Stile auf dem Gestüt selbst, weite Wiesen, große Ställe (...). Nun beginnt endlich das Benefizkonzert zugunsten der Brandenburgischen Sommerkonzerte selbst, und zwar unter dem Titel "Melodien fliegen um die Welt". Es wird eine Darbietung an der Schnittstelle von Zapfenstreich, Schützenfest und klassischem Konzert (...). Das Publikum hört ernsthaft zu, klatscht jedoch auch manchmal mit. Oberstleutnant Christian Blüggel am Pult, promovierter Musikwissenschaftler, dirigiert in einer Mixtur aus Konzert-Seriosität und Big-Band-Entspanntheit. Dann sinkt die Sonne, die Ohren klingeln, noch drei Zugaben, die Pferde sind im Stall, der Bus fährt pünktlich ab.

(Christiane Tewinkel, Tagesspiegel vom 26. August)

 


Klänge, die vom Himmel kommen - Cellist Gavriel Lipkind in Neuhardenberg (17. August, Schinkelkirche Neuhardenberg)

(...) Seit ungefähr fünf Jahren ist Gavriel Lipkind wieder in die Szene eingestiegen - nun als Konzeptkünstler. Und mit noch größerem Erfolg als je zuvor. Den konnte er auch bei seinem Brandenburgischen Sommerkonzert-Auftritt in Neuhardenberg verbuchen, als er barocke bis moderne Stücke für Violoncello solo spielte. (...) Mit nachdrücklichem bis federleichtem Bogenstrich lässt er eine klangsatte, faszinierende Farbenvielfalt entstehen. Mühelos wechselt er vom Hellen ins Dunkle, von der schlichten Melodielinie zu spritzigen Trillerketten, von akzentuierter Beschwingtheit zu himmlischem Schweben im Legato. Er meidet jedes akademische Niederknien vor Bachs reaffinierten kontrapunktischen Eingebungen, spielt stattdessen energisch, ergreifend und dynamisch fein abgestuft einen überaus lebendigen Barockmeister - für Menschen von heute. Kurzum: Gavriel Lipkinds Musizieren ist von hemmungsloser Ausdrucksintensität geprägt. (...) stets scheint sein Musizieren voller magischer Ausdruckskraft, von einem inneren Leuchten erfüllt zu sein. Er versteht es genauso Saitenfuror zu entfachen wie mit zärtlichster Kantilene oder tänzerischer Beschwingtheit zu verführen. Wei in Lipkinds Bann gerät, ist ihm mit allen Sinnen verfallen. (...) Der Beifall für all diese Offenbarungen will kein Ende nehmen.

(Peter Buske, Märkische Oderzeitung vom 19. August)

 


Jagdszenen bei Schinkel: Gavriel Lipkind in Neuhardenberg (Gavriel Lipkind, 17. August, Schinkelkirche Neuhardenberg)

(...) Auch sonst beweist der 1977 geborene Lockenkopf, dass er Konzertrituale hinterfragt: Er platziert das avantgardistischste Stück ans Ende, gibt keine Zugabe, moderiert alle Stücke plaudernd an und nimmt auch seine Frau, die Geigerin Anna Lipkind, für Ravels Duosonate mit auf das Podium. Das funktioniert, weil Lipkind etwas zu sagen hat und sein Programm auf jeder Ebene durchdacht ist: Von der beeindruckend herausgearbeiteten Jagdszene in Bachs Gigue bis hin zu Ligetis Solosonate, in der sich der junge Komponist virtuos die Hörner abstieß, rundet es sich zu einem geistreichen und dabei emotional tiefgründigen Essay, bei dem es um die Suche nach dem sensiblen Punkt geht, an dem technische Übung, Improvisation und Folklore in Kunstmusik übergehen. Dass Anna Lipkind dem Ausnahmecellisten als Kammermusikpartnerin auf Augenhöhe begegnet, macht den Dialog zwischen Mensch, Raum und Musik perfekt.

(Carsten Niemann, Tagesspiegel vom 21. August)

 


Musik entlang der Tomatenpflanzen
(Ensemble Ambrassador, 4. August, Landgut Pretschen)

Pretschen (Märkische Heide) war am Sonntag im Ausnahmezustand. Hunderte Menschen waren dort unterwegs. Der kleine Ortsteil war Gastgeber eines Brandenburgischen Sommerkonzerts. Das Brandenburgische Sommerkonzert 2013 in Pretschen wird nicht nur wegen der Musik des Ensembles in ungewöhnlicher Besetzung in Erinnerung bleiben. Dass ein so großer Klangkörper mit 16 Blechbläsern und drei Schlagzeugern harmonisch musiziert und die Künstler dennoch jedem Instrument eine erstaunliche Individualität verleihen, ist schon etwas ganz Besonderes. Etwas ebenso Außergewöhnliches war die große Resonanz für das Sommerkonzert. Wenn vier oder vielleicht sogar fünf Mal so viele Gäste einen Ort besuchen als dieser Einwohner hat, die örtliche Feuerwehr die vielen Autos der Besucher schon am Ortseingang auf einer Wiese einsortiert, damit das Dorf nicht zugeparkt wird, muss das einen ganz besonderen Grund haben. Klar, Brodway auf dem Biohof geht es nicht alle Tage. (...) Sascha Philipp betreibt ökologische Landwirtschaft. Und die sei ebenso nachhaltig wie die Begegnungen von Menschen während der Brandenburger Sommerkonzerte. Der Geschäftsführer der Landgut Pretschen GmbH war quasi Gastgeber des Konzerts. Er lud am Sonntag in Brandenburgs größtes Bio-Gewächshaus ein. "Ein Experiment", wie er sagt. (...) Die Premiere zumindest ist gelungen. Weitere Kulturveranstaltungen scheinen dort möglich. (...) Nicht nur der außergewöhnliche Ort, sondern auch die Musiker selbst sorgten für ein nicht alltägliches Kunsterlebnis. (...) Amerika klingt eben vielfältig. Unterhaltungs- und Filmmusik wechselte sich in Pretschen mit Musik der Romantik, Avantgarde oder Renaissance ab. Von hoher Qualität war auch das Rahmenprogramm des Sommerkonzerts in der Märkischen Heide. Der Verein "Mroscina" und viele weitere fleißige Helfer haben den Gästen ihr Dorf präsentiert. Und das kann sich sehen lassen. Pretschen ist schließlich Silbermedaillengewinner im Bundeswettbewerb 2013 "Unser Dorf hat Zukunft".

(Jürgen Weser, Lausitzer Rundschau vom 6. August)

 


Götterdämmerung überm Schloss - Brandenburgisches Sommerkonzert mit Wagner und Verdi wird in Stechau Riesenerfolg
(Symphony Prague, Prager Konzertchor u.a., 3. August, Schlosspark Stechau)

Die 23. Brandenburgischen Sommerkonzerte machten am Sonnabend zum zwölften Mal im malerischen Ambiente vom Schlosspark Stechau Station. (...) Schon lange vor Konzertbeginn pilgerten viele Musikfreunde durch den romantischen Park, entspannten am Schlossteich, bewunderten Tänzerinnen, betrachteten die Stele, die an die unglückliche Liebe des Dichters Friedrich Hölderlin zu Susette Gontard, eine der Vorfahren aus der Familie des heutigen Schlossbesitzers Dr. Bardia Khadjavi-Gontard, erinnerte. Sie ließen sich das leckere Wild und ein Gläschen vom Schliebener Wein schmecken und stimmten sich entspannt auf das Konzerterlebnis ein. (...) Prachtvoll und mitreißend ließ Dirigent Stefan Britvik die Ouvertüre zur Oper ,,Die Meistersinger von Nürnberg" mit dem machtvollen Meistersinger-Marsch erklingen, bevor der sehnsuchtsvolle Liebeston der Streicher die erfüllte Liebe erahnen lässt. Orchestral überzeugend lassen die Prager Musiker den ,,Zukunftsmusiker" Richard Wagner mit Siegfrieds Rheinfahrt die ,,Götterdämmerung" über Schloss Stechau heraufziehen. Zeitgenossen hatte der bis heute verehrte wie gehasste Wagner mit der erotischen Venusberg-Musik aus dem ,,Tannhäuser" geschockt. Als Pilgerchor beim ,,Einzug der Gäste" demonstrierte der Prager Konzertchor Chorgesang auf höchstem Niveau. (...) Emotionale Aufgewühltheit beherrscht auch weitere Ausschnitte aus Verdis Opernmusik. ,,Flieg Gedanken auf goldenen Schwingen" berühren die Musiker mit dem Gefangenenchor aus ,,Nabucco", bevor der ungarische Tenor Janos Alagi mit großem ,,belcanto" die trügerischen Weiberherzen in Person des Schürzenjägers Mantua aus ,,Rigoletto" über die Bühne flattern lässt und Krisi Anna Isene aus Norwegen mit prächtigem Sopran die ergreifende Klage der Violette aus ,,La Traviata" in die Weite des Schlossparks schickt (...). Die Förderung der Sparkasse helfe einem Kulturevent erster Güte.

(Jürgen Weser, Lausitzer Rundschau vom 5. August)

 

Über 2000 Besucher im Schlosspark Stechau
(Symphony Prague, Prager Konzertchor u.a., 3. August, Schlosspark Stechau)


Zum 12. Mal nutzten die Brandenburgischen Sommerkonzerte das malerische Ambiente von Schlosspark Stechau für ein großes Open-Air-Konzert. Über 2000 Besucher waren am vergangenen Sonnabend bei hochsommerlichen Temperaturen gekommen, um die Jubiläumsgala der Prager Symphony und des Prager Konzertchors zum 200. Geburtstag der beiden großen Komponisten Richard Wagner und Giuseppe Verdi zu erleben. Die Besucher erfreuten sich an den beliebtesten Opernmelodien der ganz unterschiedlichen Tonschöpfer von Wagners ,,Götterdämmerung" bis zu Verdis Gefangenenchor aus „Nabucco" und der emotionalen Wucht der „Macht des Schicksals". Beim deutsch-italienischen Opernfest genossen die Besucher bei Kaffee und Wein schon lange vor Konzertbeginn das Parkambiente. "Schlossherr" Dr. Bardia Khadjavi-Gontard freute sich mit den Organisatoren der Brandenburgischen Sommerkonzerte und der Sparkasse Elbe-Elster als Mitausrichter darüber, dass Stechau auch 2013 das meist besuchte Sommerkonzert der Reihe werden dürfte.

(Jürgen Weser, Wochenkurier vom 8. August)

 

Klassiker auf Landpartie
(Marie-Elisabeth Hecker, Martin Helmchen, Nikolaikirche Pritzwalk, 28. Juli)

Unter dem Titel "Glanzpunkte am Dömnitzgeplätscher" gastierten am Sonntag die international gefeierten Künstler Marie-Elisabeth Hecker am Violoncello und der Pianist Martin Helmchen in der Pritzwalker Sankt-Nikolai-Kirche. Beide traten im Rahmen der Brandenburgischen Sommerkonzerte, dem inzwischen größten Musikfestival im Bundesland, auf. Erstmals bildete dabei die Pritzwalker Kirche die Kulisse für dieses Klangerlebnis der besonderen Art. (...) Die Sonate für Arpeggione und Klavier a-moll D 821 von Franz Schubert reihte sich dann als eines seiner beliebtesten Kammermusikwerke in das Konzertprogramm mit ein. In einer sanften Atmosphäre entfaltet das Werk von Beginn an eine unvergleichliche Stimmung. (...) Nach der Pause erklang dann Musik von Anton Webern (1883 bis 1945) sowie zum Abschluss erneut Johannes Brahms. Sowohl Marie-Elisabeth Hecker als auch Martin Helmchen verzichteten bei ihrem Auftritt auf Effekthascherei. Umso mehr überzeugten beide durch ausdrucksstarkes und kraftvolles Spiel, das sie mit Leidenschaft und Intensität zum Ausdruck brachten. (...)

(Christamaria Ruch, Märkische Allegemeine Zeitung vom 30. Juli)

 


Wie ein erfrischender Lufthauch - Brdbg. Sommerkonzert in Burg: Sol Gabetta und ihre Cappella Gabetta (21. Juli)

Die bis unters Dach besetzte evangelische Kirche in Burg im Spreewald kochte in der Hitze dieses Sommernachmittags. Ein schieres Wunder, wie sauber und transparent dennoch gespielt wurde (...). Das Programm bot Musik voller Temperament und Munterkeit: fein dosiert, transparent und leicht musiziert. (...) Bewundernswürdig, wie die Solistin ihren strahlenden Celloton in den dezenten Klang des Barockensembles einfügte. Sie blieb immer solistisch präsent, brillierte virtuos, blieb aber als Star des Nachmittags doch immer die Erste unter Gleichen. (...) Das dritte Brandenburgische Konzert allerdings ist ein originäre Bach-Werk, wie es typischer kaum sein kann. Ein Thema wird in unglaublicher Mannigfaltigkeit durch die verschiedensten Instrumentenkombinationen im Orchester gereicht, wiederholt, verändert, neu zusammengesetzt - ein Meisterstück tiefgründiger gut gelaunter musikalischer Gelehrsamkeit. Die Cappella gab ihren lebhaft leichtfüßigen "italienischen" Sound hinzu. (...) Zum Schluss noch ein Vivaldi, ein Konzert für zwei Mandolinen, perfekt umarrangiert und dargestellt von Sol Gabetta und ihrem Bruder Andres Gabetta als lieblicher und virtuoser Zwiegesang für Violoncello und Violine; der Mittelsatz gezupft wie die Begleitmusik für ein abendliches Ständchen. Der Beifall war lang und begeistert und groß die Lust auf frische Abendluft.

(Irene Constantin, Lausitzer Rundschau vom 25. Juli)

 


Heilige Freude: Sol Gabetta und die Brandenburgischen Sommerkonzerte (Sol & Andres Gabetta, Cappella Gabetta, 21. Juli in Burg)

Kaum ist mal ein paar Tage echter Sommer, lechzt die Berliner Seele nach Erfrischung. Was könnte sympathischer sein, als sich mit den „Klassikern auf Landpartie“ zu den Brandenburgischen Sommerkonzerten in den Spreewald zu begeben? (...) In der riesigen, bis zu den entferntesten Emporenplätzen voll besetzten Dorfkirche von Burg ist es derart feucht-warm, dass die alten Instrumente fast nach jedem Satz des überwiegend italienischen Programms nachgestimmt werden müssen. Aber das tut dem offenmündigen Staunen keinen Abbruch, denn Sol Gabetta enttäuscht die hohen Erwartungen nicht. Mit aller Macht, aber ohne Kraftmeierei belebt sie mit ihren Wunschkollegen auch unbekannte und beileibe nicht durchgängig meisterliche Literatur. Die reine Freude ist es zu sehen, mit welch heiligem Spaß die Musiker bei der Sache sind, sich gegenseitig anlächeln, gemeinsam atmen. So viel Impulsivität verzückt, sie verträgt sich nur mit Bachs Strenge nicht, dessen drittes Brandenburgisches Konzert rhythmisch überspannt wirkt. Eine Entdeckung ist dagegen das Cellokonzert von Fortunato Chellerie, der als barocker italienischer Meister nach Kassel zum Kapellmeister berufen wurde. Man kann sich kaum einen besseren Fürsprecher als Sol Gabetta vorstellen: Ihr geschmeidiger, aber nicht gefälliger Ton trumpft nicht auf, ihr Spiel dient der Musik. Wo sonst Ehrfurcht und Entrückung eine Distanz aufbauen, sucht Gabetta Wärme, Substanz, Passion.

(Christian Schmidt, Tagesspiegel vom 23. Juli)

 


Allegretto furioso: I Liguriani gastieren in Gramzow (20. Juli)

Im Rahmen des eindrucksvollen Angebots der brandenburgischen Sommerkonzerte gastiert die norditalienische Volksmusikgruppe I Liguriani im kleinen Ort Gramzow bei Prenzlau. Die fünf Musiker spielen ihre traditionellen Canzoni und Tänze komplett auswendig, die einzelnen Titel werden zudem durch charmante Erläuterungen zum kulturhistorischen Hintergrund der Musik miteinander verbunden. Die großenteils klassisch ausgebildeten Künstler sind allesamt Virtuosen ihrer Instrumente (...). Zudem fasziniert das Repertoire mit Stücken vom 18. Jahrhundert bis heute auch durch die eigens gefertigten Arrangements für nicht eben klischee-italienisch anmutende Besetzung: Gitarre, Bandoneon, Flöte und Dudelsack. Und weil die schnellen Tanznummern dominieren, ist die Stimmung in der Marienkirche prächtig. Der Eindruck des Improvisatorischen allerdings täuscht. In den zahlreichen Passagen mit Stimmverdoppelungen zeigt sich, dass noch im rasenden Tempo Verzierungen und Blue Notes exakt abgesprochen sind. (...)

(Benedikt von Bernstorff, Tagesspiegel vom 22. Juli)

 

Fetzig: Das Kammerorchester Berlin spielt Vivaldi und Piazzolla
(Katrin Scholz (Vl, ML), am 15. Juli in Potsdam)

(...) Dem Kammerorchester Berlin gelingt im Rahmen der Brandenburgischen Sommerkonzerte eine so kultivierte wie fetzige Interpretation. Wunderbar bereits die klangliche Staffelung im langsamen Satz von Vivaldis „Frühling“, in dem der Sologesang sich über dem Murmeln der begleitenden Geigen aufschwingt, während die Bratsche kräftig ihr Motiv hereinruft. Und obwohl die Sonne durch die Kirchenfenster scheint, fröstelt es den Zuhörer bei den eisigen Flageolett-Tönen, die die Solistin dem tranceartigen „Herbst“-Adagio beimischt. Die Geigerin Katrin Scholz, die das Konzert auch leitet, meistert die Herausforderung eines ausschließlich aus Violinkonzerten bestehenden Programms mit souveränem Überblick und untrüglicher Intonation;(...).

(Benedikt von Bernstorff, Tagesspiegel vom 15. Juli)

 

Protestantisch - Eine Landpartie mit dem Thomanerchor in Jüterbog
(Thomanerchor Leipzig, G. C. Biller (ML), 7. Juli in Jüterbog)


(...) Die Brandenburgischen Sommerkonzerte besuchen das Städtchen an der Nuthe nun mit einem Programm, das sich durch die Jahrhunderte schwingt und dabei doch der Liturgie des Gottesdienstes folgt. Der Auftritt des Thomanerchors unter Georg Christoph Biller (...) füllt die Nikolaikirche bis auf den letzten Platz. Die himmelsstürmende Leichtigkeit der Knabenstimmen setzt Biller sorgfältig dosiert, man könnte auch sagen: protestantisch ein. (...) Im Kern natürlich Bachs perfekt intonierte Motette „Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf“ mit der schönen Luther-Bitte „stärk des Fleisches Blödigkeit“. Eine Studienfuge, die Wagner als Schüler des Thomaskantors Weinlig verfertigte, weitet den Raum auf die Wiese, wo die Thomaner mit Volksliedern sonnig ins Herz der Dinge treffen: „Der hat vergeben das ewig Leben, der nicht die Musik liebt und sich beständig übt in diesem Spiel.“

(Ulrich Amling, Tagesspiegel vom 11. Juli)

 

Klangtornado: Kammerakademie Potsdam in Neuküstrinchen (6. Juli)

Da muss man erst zum Brandenburgischen Sommerkonzert nach Neuküstrinchen fahren, um zu verstehen, was sich Mozart mit seinem Hornkonzert Nr. 4 so alles gedacht hat: In der 1771 erbauten Kirche kommt jeder Ton mit einem leichten, charmant versetzten Echo an, was der Komposition einen ganz unvertrauten organischen Zusammenhalt verleiht. Das mag auch an Alessio Allegrini liegen: Der Solohornist nutzt jeden Atemzug, um die halsbrecherischen Quintsprünge mit der Ruhe und Ausdauer eines entschlossenen Kämpfers zu betonen. (...) Die Kammerakademie Potsdam spielt sich unter der Leitung von Antonello Manacorda in ein musikalisches Furioso hinein. Immerhin steht mit Schuberts Sinfonie Nr. 6 eine Komposition auf dem Programm, die höllisch köchelnd und zugleich in sich ruhend zu spielen ist. Der Widerspruch geht auf: Fast ironisch tönt der Scherzo-Satz, der sich im heißen Kirchenraum wie ein Klangtornado entfaltet. Die Musiker sind jetzt nicht mehr zu bremsen. Sie stürmen das Allegro moderato wie eine Festung, die blitzschnell erobert werden will. Abkühlung braucht man jetzt im bezaubernden Dorf, das ein Stück vollendeter Musikgeschichte erlebt hat.

(Tomasz Kurianowicz, Tagesspiegel vom 8. Juli)

 

Donauklassuik neben dem Rapsfeld - Potsdamer Musiker gastieren im Oderbruch (6. Juli, Kammerakademie Potsdam, A. Manacorda, A. Allegrini in Neuküstrinchen)

Sommerblauer Himmel, gesprenkelt mit watteweichen Schäfchenwölkchen, dazu ein lindes Lüftchen: Kaiserwetter über dem Oderbruch und für die Klassiker auf Landpartie, denen die Kirche in Neuküstrinchen zur Pilgerstätte geworden war. Die gemeindekirchliche Kuchenbrigade hatte alle Hände voll zu tun, auch am Grillwurststand herrscht Gedränge (...). Kurzum: der Ausflug mit den Brandenburgischen Sommerkonzerten verspricht ein schönes Rundumerlebnis zu werden. (...) Mit der durchaus ins ländliche passenden Sinfonie Nr. 83 "La Poule" von Joseph Haydn eröffnet das Spitzenorchester aus der Landeshauptstadt das klangliche Vergnügen. Dynamisch enorm differenziert wird wie auf dem Sprung musiziert. (...) Wie von den Potsdamer Musikern nicht anders zu erwarten, gehr es dabei extrem kontrastbetont zu. (...) Den {Wiener Charme] liefert der italienische Hornvirtuose in Mozarts 4. Hornkonzert ganz mühelos. Betörend weich ist sein Ansatz, warm, voll und rund sein Ton. Quirliges Treiben bestimmen die schnellen Ecksätze, während sich die Romanze als ein träumerischer Nachtgesang offenbart. (...)

(Peter Buske, Märkische Oderzeitung vom 8. Juli)

 

Virtuoses Klavierduo in Lübben (Tal & Groethuysen, 30. Juni)

Die Ankündigung vom "Virtuosen Wiegenfest" versprach nicht zu viel: Yaara Tal und Andreas Grothuysen kamen, sahen und rissen ihre Zuhörer mit.(...) Gemeinsam mit vielen anderen zogen sie schließlich in die gut gefüllte Kirche ein. Angesichts der berühmten Musiker und der Premiere eines Duos an zwei Flügeln in der ehrwürdigen Paul-Gerhardt-Kirche hätten es allerdings durchaus noch mehr Gäste sein können.
Das "Weltklasse-Gespann", so Bischof Wolfgang Huber in seinem "kurzen, aber von Herzen kommenden Grußwort", zog die Zuhörer dann vom ersten Ton an in seinen Bann. Die Leidenschaft und gleichzeitig Komplexität von Wagner und Debussy spiegelte sich in perlend-eindrücklichen Klängen ebenso wie in den Gesten der beiden Musiker wider. An ineinander gestellten Flügeln saßen sie sich gegenüber, hoben gelegentlich eine Hand im Rhythmus, suchten Blickkontakt und bewegten sich synchron mit der Musik. Kraftvolles Gefühl, ausgedrückt in 1000 Tönen, durchströmte die Lübbener Kirche. Paul Gerhardt hätte seine Freude gehabt.

(Ingvil Schirling, Lausitzer Rundschau vom 2. Juli)

 

Schwarz-weißer Farbenreichtum - Klavierduo Tal & Groethuysen spielt in Lübben (Lübben, 30. Juni)

(...Tal und Groethuysen übersetzen den Farbenreichtum des Wagner-Orchesters gekonnt in Klavierklänge. So vernimmt man beim grollenden Todesmotiv deutlich die Herkunft im Paukenwirbel. Höchste Kraftanstrengung verlangt die halbstündige Schlussszene der "Götterdämmerung" den Pianisten ab. Beide türmen Wagners Leitmotive zu einem grandiosen Spannungsbogen auf. Als schließlich die Götterbug Wallhall in Flammen aufgeht, vibriert auch das Kirchengestühl in den Klangmassen der beiden Konzertflügel. Als Kontrapunkt stellt das Duo die französische Wagner-Rezeption gegenüber. (...) Bei dem Franzosen (Debussy) kultivieren die beiden Künstler eine Anschlagskultur, die die von den schwermütigen Klängen Wagners deutlich abweicht: elegant, transparent, nuancenreich. (...)

(Antje Rößler, Märkische Oderzeitung vom 2. Juli)

 

Musik und Mathematik - Das Duo Tal & Groethuysen spielt Wagner (Lübben, 30. Juni)

(...) Ein israelisch-deutsches Klavierduo kam nun auf Einladung der Brandenburgischen Sommerkonzerte in den Spreewald, um an die Wagner-Bearbeitungen Pringsheims zu erinnern. Das ist mehr als Wahrnehmung einer Marktlücke im Wagnerjahr, weil darin auf bewegende Weise deutsche Geschichte spricht.(...) Virtuos, sensibel, dienend aber machen die Interpreten mit Pringsheim die Leitmotive bildhaft, wenn es um die vergangenen Abenteuer Siegfrieds und Brünnhildes geht.

(Sybill Mahlke, Tagesspiegel vom 2. Juli)

 

Mozart-Abend in Königs Wusterhausen (Brandenbg. Staatsorch. Frankfurt, J. Bruns, (ML), Albrecht Menzel (Vl), 8. Juni)

 

(...) Königs Wusterhausen, einst als Nazi-Hochburg verschrien, kann ganz schön idyllisch sein, wenn die Natur mitspielt – und das tut sie, zur Eröffnung der 23. Brandenburgischen Sommerkonzerte. Vor der Kreuzkirche staut sich’s, Hunderte wollen rein zum Abend mit dem Staatsorchester Frankfurt (Oder), auch ehemalige Amtsträger wie Wolfgang Huber oder Jörg Schönbohm reihen sich geduldig ein. (...) Charmant, kantabel, feingliedrig Albrecht Menzel im fünften und letzten Violinkonzert A-Dur. Unerhört, wie sich hier ein 21-Jähriger scheinbar restlos in die Klangwelten des 18. Jahrhunderts versenkt, ohne dabei auch nur einen Augenblick die Wirkung im Hier und Jetzt zu vergessen. (...)
In der 38., der „Prager“ Symphonie dann: schroffe Kontraste, die Musiker kommen mit ihrer forschen Spielweise der Akustik der Kirche noch entgegen, der Hörer taucht ein, wird überströmt von Musik. Auch das Seitenthema im Finalsatz „seufzt“ hier nicht wie sonst, alles ist beherzt, kräftig, vital. Grund zur Lebensfreude gibt es allemal: Draußen, im Garten, verschränken sich Kultur und Natur, Erinnerung an das eben Gehörte, Architektur und ekstatisch grünende Pflanzenwelt aufs Schönste. Und jeder Gast wirkt, als jubiliere er bei einem Glas Weißwein innerlich: Es ist Sommer, na endlich!

(Udo Badelt, Tagesspiegel vom 10. Juni)

 

Große Gefühle bei Mozarts Nichtigkeiten (Brandenbg. Staatsorch. Frankfurt, Jürgen Bruns (ML), Albrecht Menzel (Vl), Eröffnungskonzert 8. Juni)

Salopp gesagt: Setze Mozart aufs Programm und der Laden ist voll. An diese Bühnenweisheit hielten sich die Brandenburgischen Sommerkonzerte, als sie für die Eröffnung der Saison ausschließlich auf Werke des Meisters vertrauten. Der Applaus fürs Gebotene geriet enthusiastisch. Kein Wunder, denn durch seine Musik erspüre man Göttliches, wusste Kantorin Christiane Scheetz bei der Begrüßung des voll besetzten Auditoriums mitzuteilen. Als Mozarts Sachwalter verdienten sich die Mitglieder des Brandenburgischen Staatsorchesters Frankfurt unter Leitung von Jürgen Bruns alle Anerkennung. (...) Ziemlich zügig, frisch und munter werden Ausschnitte (aus Les petits riens) musiziert. Intonationssicherer Streicherklang und präzises Zusammenspiel mit einigen wenigen Bläsern sorgen für Solidität. (...) Selbstbewusst geht Albrecht Menzel zu Werke, betont das Energische und Virtuose des Werkes (Mozarts 5. Violinkonzert), darin unterstützt von den tempoforschen Intentionen des Dirigenten. Schlank ist Menzels Ton und brillant. Mit dem Orchester tritt er in eine von ihm souverän angeführte Wechselrede. (...)

(Peter Buske, Märkische Oderzeitung vom 10.Juni)

Pressestimmen 2011

Wenn der Mund offen stehen bleibt - Abschlusskonzert gerät zur Krönung der Brandenburgischen Sommerkonzerte
(Albrecht Mayer, Kammerakademie Potsdam, 4. September)

Auch in ihrer 21. Saison haben die Brandenburgischen Sommerkonzerte ihren Besucherrekord des vergangenen Jubiläumsjahres eingestellt. Die Grundidee, Natur, Musik, Architektur und Kulinarik zu verbinden, überzeugte über 20 000 Besucher und sorgte wie beim Abschlusskonzert mit der Kammerakademie Potsdam am Sonntag in der Erlöserkirche für ausverkaufte Häuser. Zur Krönung geriet es durch einen der ganz großen seiner Zunft: Albrecht Mayer war als Oboist und Dirigent gekommen. (...)Nichtsdestoweniger war es Albrecht Mayers exquisite Art, Musik zu machen, die am Ende das Publikum trampeln ließ, dass man Sorge hatte um die Statik der Erlöserkirche. Denn der Ausnahmeoboist bewies, dass er nicht nur exzellent Oboe spielen kann, sondern auch ein fabelhafter, unkonventioneller Dirigent ist. (...) Mayers Oboenton ist oft allgemein bewundernd beschrieben worden, aber es ist gerade der Farbenreichtum, die einer Oboe niemals zugetraute Wandlungsfähigkeit, die ihn so einzigartig macht. Abgesehen von seiner umwerfenden Virtuosität, Atem- und Blastechnik, beeindruckt insonderheit die Anpassungsfähigkeit an Stilistik, an expressive Stimmungen und kompositorische Eigenarten. Albrecht Mayer hat immer eine klare Vorstellung davon, was er sagen will, er befragt die Stücke, die er spielt, nach ihrer Substanz, und eben die weiß er dann auch mit solchem Perfektionismus und scheinbar spielerischer Leichtigkeit freizulegen, dass dem atemlos folgenden Publikum wahlweise Wasser in die Augen tritt, der Mund offen stehen bleibt oder das Herz rast. (...) Im Konzert aber, da ist Albrecht Mayer ganz bei sich selbst und pocht auf höchste Ansprüche.
Für deren Erfüllung hatte er in der Erlöserkirche die extrem gut gelaunte Kammerakademie an seiner Seite, die mit einer ungeahnten Präzision und Freude spielte, als wollte sie zum 10. Geburtstag noch einmal neu gegründet werden. Potsdam kann sich glücklich schätzen, über dieses exzellente Orchester zu verfügen, dessen „Kammerstatus“ nur allzu bescheiden wirkt. Es ist immer wieder erstaunlich, wie spritzig, wie originell, wie lebendig es klingt, wie fahl auch, wenn das gefragt ist, wie es ein Pianissimo zu zaubern weiß, wo andere Orchester einfach quer drüberschießen, wie lupenrein sauber es intoniert. Was ein Glück zum Beispiel für Albrecht Mayer, dass er mit solch einem fabelhaften ersten Klarinettisten im Duo spielen konnte!
Die Kammerakademie, schlank und doch süffig aufspielend, zeigte sich von der besten Seite und fraß dem großen Meister aus der Hand. Dessen zuweilen eckige Gesten waren knapp und ausdrucksstark zugleich: Als Orchestermusiker weiß Mayer genau, was gebraucht wird, welcher Wink wirklich hilft und welcher bloß Showeffekt eines Dirigenten ist. Belohnt wurden dafür alle – Musiker wie Bewunderer.
(Christian Schmidt, Potsdamer Neueste Nachrichten, 6. September 2011)

 

 

Ein Hauch von Bayreuth im Barnim
(Lars Vogt, DSO Berlin unter Philippe Jordan, Bernau, 27.8.)

Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin spielte die Tannhäuser-Ouvertüre unter Philippe Jordan. Der 36-jährige ist Musikdirektor der Pariser Oper, kann auf Arbeiten mit den großen Orchestern Europas und der Welt verweisen und ist auch als Pianist ein begehrter Kammermusikpartner und Liedbegleiter. Seinen Einsatz für die Tannhäuser-Ouvertüre muss man uneingeschränkt loben – so forderte er das Orchester vom ersten Takt an zu philharmonischer Prachtentfaltung, arbeitete das hymnische des Pilgerchores wirkungsvoll heraus, ohne die große Kantilene der Streicher zu vernachlässigen. Ein wunderbarer homogener Blechbläsersatz stand ihm dafür zur Verfügung, zudem ein warmer Streicherklang – Vorzüge, die man diesem Orchester uneingeschränkt bescheinigen kann. Am Ende der Ouvertüre ein kompaktes, opulentes Klangbild – und es war, als hätte ein Hauch von Bayreuth das Kirchenschiffdurchweht.(...) Lars Vogt verblüffte mit ebenso viel brillantem Fingerwerk wie Gespür für die romantische Gefühlswelt des Werkes. Begeisterter Beifall für Solisten und Orchester – und die Zugabe mit einem Brahms-Intermezzo. Mit Brahms ging dann auch ein bedeutsames Konzert zu Ende. Die erste Sinfonie, mit der der Meister lange gerungen hat, erklang hier mit großer Geste und kompakter Klangflut. Weitschweifige Bewegungen, ausgeführt direkt über dem Taufbecken, das inspiriert Dirigent und Orchester, wie man hören konnte, gleichermaßen.
Renate Perschau, Märkische Oderzeitung, 29. August 2011

 

Musikalische Pastellfarben mit Märchenton
(Debussy-Trio, Neu Zauche, 21.8.)

Jedes einzelne Brandenburgische Sommerkonzert ist ein Fest für viele Sinne. Es gibt schöne Landschaft und lokale Kultur, Literatur und Kunst, Geschaffenes und Gewachsenes zu erfassen. Bei dem Konzert am Sonntag in Neu Zauche im Spreewald gelang dieser assoziative sinnliche Zusammenklang besonders gut, denn er umfasste das Beiprogramm gemeinsam mit dem Konzert-Ort und dem Charakter der Musik. (...) In diesem Raum musizierte das Debussy-Trio (...). Flöte, Viola und Harfe – diese Instrumentenkombination lässt flirrend helle und zarte Klänge erwarten, musikalische Pastellfarben gewissermaßen, auch wenn der eine oder andere dunkel geheimnisvolle Märchenton dabei ist. Jedes einzelne Stück im Programm erinnerte auf je eigene Weise an die zauberischen Blauflügel-Prachtlibellen, die zuvor bei einer Kahnfahrt immerfort durch den geheimnisvollen Erlenhochwald schwirrten und erforderte genau dieses etwas unwirklich wirkende musikalische Idiom.
Irene Constantin, Lausitzer Rundschau, 23. August 2011

 

Rauschende Wasserklänge am Ort des Wassers
(Kammerorchester des Nationaltheaters Prag, Tomas Brauner, Yasuko Tanaka, Peter Nouzovsky, Stechau, 6.8.)

Schon lange vor Konzertbeginn lustwandeln die Besucher durch den Park oder erfreuen sich auf Picknickdecken an den uralten Bäumen am See und an Jonglierkunst. Denn es ist ein Abend, wie bestellt für das einzige, nunmehr achte Brandenburgische Sommerkonzert unter freiem Himmel. Die Luft ist aus Seide, der Schliebener Wein funkelt im Glas und das Wildbret aus den umliegenden Wäldern mundet den Besuchern aus nah und fern.(...)
Musikredakteur Frederik Hanssen, der die Besucher regelrecht durch das Programm spazieren führt, erzählt, wie Melusine, die einen Fischschwanz tragen muss, aus dem Wasser taucht und am Ende wieder darin verschwindet. Wenig später finden die Zuhörer diese Bilder in der instrumentalen Tonmalerei (Mendelssohn Bartholdys)wieder, nehmen das Wasserrauschen wahr, das Sehnen und Verlieren. Danach interpretiert Yasuko Tanaka Joseph Haydns Trompetenkonzert Es-Dur. Ein Feuerwerk der Virtuosität (...). Wie bei der Orchestereinleitung (von Tschaikowskys Rokokoko-Variationen) die melancholisch einsetzenden Holzbläser in sehnsuchtsvollen Tönen auf die Streicher antworten, ist schon ein Genuss. Die Variationen am Violoncello von Petr Nouzowskys , der bereits in vielen Konzertsälen dieser Welt sein solistisches Format unter Beweis stellte, sind herausragend. Sie verklingen in so zarten Tönen, dass es die Seele berührt.
Ida Kretschmar, Lausitzer Rundschau, 8. August 2011

 

Tiefe Blicke in die russische Seele
(J. Botchkowskaja / C. Nickel, Rheinsberg, 30.07.)

( ...) Und zwar vom stimmwandlungsreichen Christian Nickel von der Kanzel mit ihrem akustik-förderlichen Schalldeckel herab. Wir Zuhörer fühlen uns dabei, als wende sich der Pfarrer an seine andachtsvoll lauschende Gemeinde. Ohne bühnentheatralisches Pathos, dafür schlicht und dennoch plastisch, witzig bis ironisch, aber immer verantwortungsvoll dem Text gegenüber, liest der Mime vor. Ein exzellenter Sprachtechniker, textverständlich bis in den letzten Kirchenwinkel, der sich keinen einzigen Versprecher leistet. Auch dies, bei aller Lockerheit und Leichtigkeit seiner "geölten" Stimmbänder, ein Zeugnis enormer Konzentrationsfähigkeit. Zwischendurch greift die ukrainische Pianistin Julia Botschkowskaja in die Tasten, unterbricht mit klarem Anschlag und handgelenksleichtem Spiel den Redefluss, um mit subtiler Tastenpoesie den Komponisten auch zu "Wort" kommen zu lassen. (...) die Pianistin lässt die Empfindungen nicht ausufern, wählt einen eher sachlichen Erzählton, setzt auf ein differenziertes Pianissimo, vermeidet den häufigen Gebrauch des rechten Pedals. (...) Anhaltender Beifall.
Peter Buske, Nordkurier, 1. August 2011

 


Pianistin und Rezitator traten mit Tschaikowski-Liedern und Texten aus Russland in Rheinsberg auf
(J. Botchkowskaja / C. Nickel, Rheinsberg, 30.07.)

Höhepunkt des Tages war das Konzert in der Sankt-Laurentius-Kirche. (...) Dabei spielte die in der Ukraine geborene Pianistin Julia Botchkowskaja die von Peter Tschaikowski 1875 und 1876 komponierten Lieder mit einer Leidenschaft, wie sie selten zu erleben ist.
Jürgen Rammelt, Märkische Allgemeine Zeitung, 1. August 2011

 

Bestnote für Ortrand
(Ercole Nisini, Instrumenta Musica, Ortrand, 24.07.)

(...) Meisterlich spielte Ercole Nisini auf seiner Renaissance-Posaune und begeisterte das Publikum. Ihm und dem gesamten Ensemble gelang es, ein klingendes Zeugnis für die Aktualität und Schönheit der alten Musik abzulegen, urteilten übereinstimmend die Gäste.
Rudolf Kupfer, Lausitzer Rundschau, 26. Juli 2011

 

Gebäck und Gebälk
(Julian Steckel/Paul Rivinius, Paretz, 17.07.)

(...) Im Gegensatz zum Paretzer Schloss ist die neue Kulturscheune schräg gegenüber leicht als solche zu erkennen: Außen Backstein und Fachwerk, innen der freie Blick ins Gebälk, traditionelle Handwerkskunst, deren vielfach verwinkelte Streben für beste akustische Bedingungen sorgen.Gut geeignet also für die Brandenburgischen Sommerkonzerte, jenes Festival, das seit nunmehr 21 Jahren die Berliner zu Entdeckungsfahrten ins Umland animiert. Eine wohlklingende Nachwende-Erfolgsgeschichte, bei der man leicht vergisst, dass in jeder Saison, an jedem abgelegenen Flecken im Land immer wieder neu die Bedingungen für den Kunstgenuss erkämpft werden müssen. Frederik Hanssen, Tagesspiegel, 18. Juli 2011

 


Flammenmeer und Regenguss
(Julian Steckel/Paul Rivinius, Paretz, 17.07.)

(...) engagiert war ein fabelhaftes Duo aus preisumkrönten Kammermusikern. Sowohl Cellist Julian Steckel als auch sein Klavierpartner Paul Rivinius erwiesen sich als feuerfeste und bestens aufeinander eingespielte Tonversteher, bei denen die Kunst erst aus dem Zusammenspiel von Durchdringung, Können und Deutung erwächst. So geriet der zweistündige Nachmittag zu einem Festspiel von musikalischen Tugenden: Das Duo übte weder Saiten- noch Tastensport, kultivierte seine Virtuosität nicht um eines billigen Effektes willen.(...)
Die Eckwerke des Nachmittags – Cellosonaten von Debussy, Saint-Saëns und Brahms – sprachen da eine ganz andere, substanzreiche Sprache. Hingebungsvoll und inspiriert förderten Steckel und Rivinius ihre Botschaften zutage. Gewissenhaft bis an den Rand grimmiger Verkniffenheit erforschten sie um jeden Preis die feinnervigen und burleske-artigen Strukturen eines Debussy, rauten die barock anmutende Süße eines Saint-Saëns auf und spielten mit solcher Intensität, dass selbst dort eine urtiefe Bedeutung aufflackerte, wo im Notentext gar keine verankert war.
Stets auf gleicher Augenhöhe um wohldosierte Ausbrüche, gleichwohl ausgewogene Diktion ringend, verlor sich das Duo mit Liebe für kleinste Details nie in Nebensächlichkeiten. An zartesten Pianissimo-Stellen bewies es seine Meisterschaft fast noch eindrücklicher als in den irrwitzig halsbrecherischen Passagen von grotesker technischer Schwierigkeit. Beide Meister ihres Instruments fanden zu einer Stimmigkeit des Ausdrucks, die sich über den ganzen Nachmittag hin erstreckte. Wer darf das schon von sich sagen: in einem intimen Kammerkonzert einen so dichten Spannungsbogen ziehen zu können?
Kulminieren konnte solches Künstlertum nur in einem Glanzstück – Johannes Brahms liebte das Violoncello fast genauso sehr wie die Altstimme. Beide vereint ein edler, warmer, fast mütterlicher Ton. Im einen wie im anderen Fall gelingt es nur wenigen Musikern, diesen Ton zu erzeugen. Julian Steckel traf ihn: sehr durchsichtig, besonders an den leisen Stellen, in den Klangfarben äußerst ausdifferenziert, kraftvoll, aber niemals orchestral. Dieser Brahms stellte den unumstößlichen Höhepunkt dar und rief Rachmaninows unvermeidliche, kitschfrei dargebrachte Vokalise als Zugabe auf den Plan. Mit jäh hervorbrechendem Jubel entließ das Publikum die sichtlich erschöpften Musiker. (...)
Christian Schmidt, Potsdamer Neueste Nachrichten, 19. Juli 2011

 

Arienklang im Dorfidyll
(Yosemeh Adjei und das Telemann Consort, Gramzow, 10.07.)

In zwei jubilierenden (...) Psalmenvertonungen von Dietrich Buxtehude ("Singet dem Herrn ein neues Lied", "Jubilate Domino, omnis terra") überrascht Countertenor Yosemeh Adjei sogleich mit kraftvoller, lungengestählter Stimme, die man bei Vertretern dieses Stimmfachs nicht unbedingt erwarten würde. Sicher ist sein Stimmansatz, mühelos perlen die Koloraturen aus lockerer Kehle, frei strömend und freudig erregt ist des Jauchzens kein Ende. (...) Dazwischen zieht Countertenor Adjei in Arien aus "Rinaldo" und "Giulio Cesare in Egitto" alle Register und zündet im Lobgesang der Tugend aus der Kantate "Splenda l'alba in oriente" ein blitzendes Koloraturenfeuerwerk. Für den Jubel dankt er mit der tief empfundenen Klage der Almirena "Lascio ch'io pianga" aus "Rinaldo".
Peter Buske, Nordkurier, 12. Juli 2011

 

Locker und temperamentvoll
(Kammerakademie Potsdam unter Antonello Manacorda, Viviane Hagner, Potsdam 08.07.)

Höhepunkt war die Siebte Sinfonie, die „Unvollendete“. Es kursieren allerhand Spekulationen, was Schubert bewogen haben mag, die Komposition nach dem zweiten Satz abzubrechen. (...) Manacorda und die Kammerakademie beschwören meisterhaft die düstere, bedrohliche Atmosphäre herauf: Unheimlich raunen die Streicher in der Tiefe; die Melodien kreiseln ziellos durch die Tonarten. Mal tritt die Musik auf der Stelle; dann wieder ballt sie sich zu markerschütternden Schlägen zusammen. Das ist Musik, die kommende Katastrophen erahnt. Antje Rößler, Märkische Allgemeine Zeitung, 11. Juli 2011

 

Kontrastbetontes Musizieren
(Kammerakademie Potsdam unter Antonello Manacorda, Viviane Hagner, Potsdam 08.07.)

Verhalten und klanglieblich spielen die Musiker den Beginn (der 5. Sinfonie Schuberts) sehr graziös und fast idyllisch. Dann folgt abrupt die forsche Attacke an straffem Dirigentenzügel, die wiederum in gelöste Schlichtheit zurückfällt. Spannungsgeladen und akzentscharf, übergenau in der Phrasierung vollzieht sich die weitere Entwicklung. Kurzum: kontrastbetontes Musizieren zwischen Idylle und Leidenschaft. Ausladend ist die Körpersprache des Dirigenten, oftmals pantomimisch bis marionettenhaft. Präzise dagegen seine Zeichengebung, die von den Musikern einen extrem entschlackten Klang einfordert.
(...) die seelenerwärmende, klassisch schlichte, dynamisch ausgewogene, leichte und lockere Wiedergabe des zweiteiligen A-Dur-Rondos für Violine und Streicher, dessen Solopart Viviane Hagner zwischen virtuos und sehnsuchtsvollem Saitensingen spielt. Und zwar auf der Stradivari „Sasserno“ von 1717, deren leuchtender, sehr eleganter und blitzsauberer Ton eine Fülle von Zwischenfarben und klanglichen Nuancen möglich macht. Spannend ist der Übergang vom Adagio ins unbeschwerte, kapriziös dahertanzende Allegro giusto gestaltet. Für den Beifall bedankt sich die Geigerin mit der formstrengen, temperamentvoll gespielten Gigue aus Bachs d-Moll-Partita.
Peter Buske, Potsdamer Neueste Nachrichten, 11. Juli 2011

 

Ins Grüne - Sommerkonzerte zwischen Blankensee und Gramzow
(Stuttgarter Kammerchor, Blankensee, 02. 07.)

So sind die spontan nach der Wende gegründeten Sommerkonzerte gemeint: Musik und Begegnungen in der Kulturlandschaft Brandenburg, mit den Menschen, der Architektur, der Geschichte. "Der ganze Bach“ lautet vollmundig der Titel des Konzerts in der Kirche. Er betrifft die Motetten BWV 225 bis 229, die zum Herrlichsten gehören, was Bach komponierte. Der Kammerchor Stuttgart singt sie unter seinem Leiter Frieder Bernius mit gefeilter Artikulation und Binnenspannung – „Jesu, meine Freude“.
Sybill Mahlke, Tagesspiegel, 8. Juli 2011

 


Tosender Beifall - "Trevor Pinnock and Friends“ spielen Barockmusik / Spende für Kirchensanierung übergeben
(Trevor Pinnock and friends, Kloster Zinna, 03.07.)

"Auch nach drei Zugaben und anhaltendem, ja tosendem Beifall wollte an diesem Abend niemand so recht nach Hause gehen. Genauso hingerissen wie das Publikum waren jedoch auch die Musiker selbst, die von der besonderen Akustik der besonderen Akustik der Kirche schwärmten."(...) Kathrin Burghardt, Märkische Allgemeine Zeitung, 5. Juli 2011

 

Musikalisch Landschaften gemalt
(Leipziger Kammerensemble, Bad Freienwalde, 26.06.)

"...der Stadthistoriker Reinhard Schmook kann den klangvollen Nachmittag nur als „Ausnahmekonzert erster Provenienz“ bezeichnen, wobei ihn der warme und volle Klang der 350 Jahre alten Mariani-Bratsche, gespielt von Barbara Buntrock, besonders faszinierte. Während Sebastian Breuninger als Violinist sich in seinem leidenschaftlichen Spiel kaum auf dem Stuhl halten kann, sind die Zuschauer äußerst aufmerksam und gebannt (...) Die hochkarätige Besetzung mit Solisten aus Leipzig, Bremen und München ist für Bad Freienwalde ein Geschenk besonderer Art und das virtuose, zarte und lebendige Spiel in dieser ungewöhnlichen Formation eine Seltenheit."
Sientje Arzt, Märkische Oderzeitung, 28. Juni 2011

 


Junge Stimmen in alten Gemäuern
(Knabenchor Hannover in Luckau, 25. Juni)

Im Innern der Kulturkirche gibt es eine Begegnung mit dem vor 200 Jahren gestorbenen Dichter Heinrich von Kleist: Fünf Studenten der Berliner Schauspielschule „Ernst Busch“ erfüllen voller Inbrunst Kleists Novelle „Das Erdbeben in Chili“ aus dem Jahr 1807 mit Leben.(...) Ein reichliches halbes Hundert engelsgleicher Stimmen erfüllt sogleich das Kirchenschiff. Die hohen Knabenstimmen mischen sich mit den tieferen Männerstimmen und bilden einen Hörgenuss, der viele der mehr als 600 Gäste versonnen die Augen schließen lässt.(...) Und auch die Zuhörer in Luckau sind begeistert, lauschen der „Wasserfahrt“ von Felix Mendelssohn Bartholdy, die dem gleichnamigen Gedicht von Heinrich Heine entspringt. Das „Abendständchen“, nach einem Wiegenlied von Joseph von Eichendorff, stimmt langsam auf die Nacht ein. Und als sich bei „Der Mond ist aufgegangen“ der Chor im Kirchenschiff verteilt und die glockenklaren Stimmen von allen Seiten sacht an die Ohren dringen, müssen einige Zuhörer verstohlen zum Taschentuch greifen, bevor sie den Knabenchor mit Standing Ovations verabschieden.
Steffi Schubert, Lausitzer Rundschau, 27. Juni 2011

 

Sternstunde mit Steude-Quartett
(12. Juni, Kloster Lehnin)

Der Auftritt des Steude-Quartetts, dem ausschließlich Musiker der Wiener Philharmoniker angehören, war eine Sternstunde in Lehnin. Dieses Streichquartett spielt mit traumwandlerischer Sicherheit und viel Spielfreude. Ob leise, intime musikalische Momente oder aufbrausende Tutti-Passagen – Volkhard Steude und Holger Groh (Violine), Elmar Landerer (Viola) sowie Wolfgang Härtel am Violoncello sind wunderbar aufeinander eingestellt. Das Ergebnis ist formvollendete Klangschönheit.(...)
Munter und temperamentvoll geht es im Allegretto des vierten Satzes zu, bis Schostakowitsch im Andante die Musik wie eine flüchtige Erinnerung verklingen lässt. Begeisterter Beifall.
Absoluter Höhepunkt war das Klavierquintett Nr. 2 A-Dur, das Antonin Dvorák im Herbst 1887 in einer glücklichen Lebensphase komponiert hat. Gemeinsam mit Pianistin Magda Amara machen die vier Musiker des Steude-Quartetts diese Lebensfreude hörbar und lassen die reichhaltige Melodik der Komposition funkeln. Ann Brünink, Märkische Allgemeine Zeitung, 14. Juni 2011

 

Eröffnungskonzert am 11. Juni in Templin:

"Athinäos ist auf Detailgenauigkeit bedacht und auf jenen üppigen Orchestersound, den er so sehr liebt. Spritzig huscht das Scherzo (von Mendelssohns "Sommernachtstraum") vorüber, während das Intermezzo intensiv von den leidenschaftlichen Gefühlsoffenbarungen unglücklich Liebender erzählt, der Hochzeitsmarsch schön erhaben und festlich daherkommt, von Blechgeschmetter glanzvoll übertönt. (...)
Vladimir Stoupel, der mit den Intentionen von Athinäos bestens vertraut ist und mit dem Staatsorchester höchst erfolgreich konzertiert, vollzieht diesen "Einstand" glänzend. Gemeinsam entwickelt sich ein virtuoses Gespinst aus streckenweise jazzig swingenden Soundfäden. (...) Gestochen klar und kräftig ist Vladimir Stoupels Anschlag. Mühelos bewältigt er die abrupten Stimmungswechsel zwischen kraftdonnernden Läufen, lyrischen Reminiszenzen und tanzmusikalischen Tastentänzen.
Schließlich entfachen der Dirigent und die Musiker des Staatsorchesters bei der Wiedergabe von Beethovens 7. Sinfonie A-Dur op. 92 erneut jenes Brio-Feuer, das die Athinäos-Ära einst auszeichnete. Und wieder stimmt die Dynamik, stürzen spannungsvolle Abschnitte in die Ermattung, begeistern ausladende Klanggesten genauso wie retardierende Momente. Ein unaufhörlich pulsierender Kreislauf, der seine ausdrucksintensive Kulmination im "Allegro con brio" findet. Da ist musikalisch die Völkerschlacht gegen Napoleon erfolgreich geschlagen, steht die Neuordnung Europas bevor. Ein Werk dazu angetan, davon zu künden. Der Bravojubel nimmt kein Ende." Peter Buske, Nordkurier, 14. Juni 2011

Pressestimmen 2012

Dicht gewirktes Finale der Sommerkonzerte Staatsorchester musizierte in der Erlöserkirche (Brandenburg. Staatsorchester Frankfurt, Benedict Kloeckner (Vc), 9.9. Potsdam)
(...) Vom sanften Schaukeln der Wellen bis zum stürmischen Wogen, von leichter Brise bis zum brausenden Aufruhr leuchtet Mendelssohns musikalische Skizze [Hebriden-Ouvertüre] bei aller Knappheit farbig, aber nicht direkt berauschend auf. (...) Die Brandenburger setzen auf eine gradlinige Lesart [von Sibelius' 2. Sinfonie], meißeln viele Details bedächtig hervor, nicht immer blitzsauber, aber planvoll und solide. Indem das Fragmentarische und Abrupte in den Vordergrund rückt, ergeben sich eher verstörende als erhellende Klangbilder. Was Sibelius mit diesem schweren Cocktail aus dunklen Tönen, dräuenden Bläsern, knallenden Paukenwirbeln und schwirrenden Streicherkaskaden zum Ausdruck bringen wollte, bleibt jedem Hörer überlassen, selbst herauszufinden. Dass die Herausforderung durch das Brandenburgische Staatsorchester unter der souveränen Leitung von Howard Griffith gelungen ist, zeigt der langanhaltende Applaus, der erst durch den Hinweis des Dirigenten auf die kommende Saison ein Ende findet.
(Babette Kaiserkern, Potsdamer Neueste Nachrichten vom 11. September)

 

Ferenc Snétberger brannte ungarisches Feuerwerk ab
(Ferenc Snétberger Trio, 8.9., Calau)
(...) Rund 400 Gäste wurden in Calau begrüßt und ließen sich zur virtuosen Musik unterschiedlicher Stilrichtungen verzaubern. (...) Das Trio mit Ferenc Snétberger (Gitarre), Tony Lakatos (Saxophon) und Paolo Vinaccia (Percussion) zelebrierte in der Stadtkirche Jazz-Musik vom Feinsten. Sie spielten mit den Klängen ihrer Instrumente, virtuos und leidenschaftlich. "Unsere Musik ist natürlich von unserer ungarischen Herkunft geprägt. Aber gerade beim Jazz gibt es viele Einflüsse von Lateinamerika, Flamenco und Klassik. Wir experimentieren viel", sagte Ferenc Snétberger vor dem Konzert. Davon konnten sich die Calauer und Gäste aus Brandenburg dann auch überzeugen. Neben ausschweifenden Saxophonsoli peppt der in Norwegen lebende italienische Percussionmeister Paolo Vinaccia mit überraschenden und flexiblen Fantasien auf. Die brandenburgischen Sommerkonzerte wurden damit zum Feuerwerk der musikalischen Kreativität, eleganter Melodien und spieltechnischer Finessen.
(Stephan Uhlig, Lausitzer Rundschau vom 10. September)

 

Niederlausitzer Schicksalssinfonie (DSO mit Tabea Zimmermann, 25.8., Cottbus)
(...) Erwartungsvolles Gemurmel in der gut gefüllten Kirche, das Orchester nimmt Platz, Begrüßungsworte für das Berliner und Cottbuser Publikum, der Dirigent gibt den Einsatz – und dann? Ein melodisches Rauschen unerahnter Lautstärke füllt das gewaltige Kirchenschiff. Das Orchester ist präsent, fast übermächtig. (...) Nur in den lyrischen oder geheimnisvoll abgründigen Teilen der [Euryanthe-]Ouvertüre kam das Ohr langsam zu sich, vermochte zu differenzieren, welche wunderbare Feinarbeit an genauer Dynamik und lebensvoll atmender Phrasierung Hans Graf und das Deutsche Sinfonieorchester vor dem Publikum ausbreiteten. (...) Schon die Einleitungstakte [von Hindemiths Schwanendreher], die die Viola allein beginnt, ließen zwei Dinge wissen: Tabea Zimmermann verfügt über eine grandiose, raumfüllende Tongebung, und das Werk mit seiner kleinen Orchesterbesetzung ohne hohe Streichinstrumente passte sehr gut in den Kirchenraum. (...) Welch ein unglaubliches Instrument ist die oft bespöttelte Bratsche, wenn eine Meisterin wie Tabea Zimmermann sie spielt! Altmeisterliche Formen, eine Fuge und ein Variationensatz, beendeten das eingängige, virtuos dankbare Konzert. Die Solistin wurde groß bejubelt. (...) Nach der Pause das Themen bestimmende Werk des Nachmittags, Beethovens 5. Sinfonie c-Moll (...) Es wurde einfach nur hinreißend musiziert, etwas wienerisch katholisch theatralisch, nach der alten habsburgischen Devise: Spektakel müssen sein. (...) Mit fast diebischer Freude pulte der Dirigent kleinste Motivchen aus dem Strom der Musik; um das Publikum zu überraschen, versank die leise Überleitung zum donnernden Schlusssatz fast im Eigenrauschen des Saals bis ein strahlender Blechbläserklang den Schlussjubel einleitete. (Irene Constantin, Lausitzer Rundschau vom 27. August)

 

Spritziger Jazz in Höhenlage (BuJazzO, 19.8., Bismarckhöhe Werder)
Der Große Saal auf der Bismarckhöhe füllte sich am frühen Sonntagabend trotz der tropischen Temperaturen spielend. Eingeladen hatten die „Brandenburgischen Sommerkonzerte“, die gemeinsam mit dem Deutschlandfunk und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz für die Bismarckhöhe eine der berühmten „Grundton D“-Konzerte auflegten. Der Benefizgedanke zahlte sich bereits vor Beginn der Musikshow für Werder aus: Bürgermeister Werner Große bekam einen Scheck über 4500 Euro. Das Geld wird für die Erneuerung der Außenanlage verwendet. Für dieses besondere Konzert war das Bundesjazzorchester, in Kurzform „BuJazzO“ genannt, verpflichtet worden und seine Musik hatte den Swing, die Improvisationsfreude sowie mitreißende Momente in Fülle. (...) Das Publikum stellte sich als sachkundig heraus und quittierte jeden Riff mit leidenschaftlichem Applaus. Zwei Arrangements von Bud Brookmeyer, eine Ballade von Steve Gray, „Day dream“ nach Duke Ellington und „Just friends“ von Bill Homann rundeten den gut einstündigen ersten Teil ab. In der Pause prickelte der Sekt im Freien und die Gäste genossen den schönen Ausblick auf die Seenlandschaft.
(Matthias Müller, Märkische Allgemeine Zeitung, 21. August)

 

Kaffeeklatsch und Spitzenkonzert - BSK sind einmal mehr zu Gast im Brandenburger Dom (K. Mertens, J. Pliquett, A. Gast, 18.8., Brandenburg)
Brandenburg an der Havel - Hundert reisten mit dem Bus an. Vierhundert kamen im Auto oder mit der Bahn. (...) Die besondere Attraktion war das Konzert im Dom. Bassbariton Klaus Mertens, der Trompeter Joachim Pliquett und Arvid Gast an der Orgel bezauberten mit Barockmusik. Sobald eine Trompete dabei ist, erhält jedes Konzert festlichen Glanz. Und wenn dazu noch die Wagnerorgel erklingt, ist das Kunstgenuss pur, wie Gast und Pliquett, der künstlerischer Leiter der Sommerkonzerte, zum Auftakt mit dem Trumpet Voluntary für Trompete und Orgel von John Stanley bewiesen.Bassbariton Mertens konnte den Genuss noch toppen. (...) Sein Volumen ist enorm und reicht bis zur Tenorlage. Besonders schön gelang dem Trio die Aria „Revenge, Timotheus cries“ (Rache, ruft Thimotheus) von Händel, die auch noch mal als Zugabe erklang.
(Ann Brünink, Märkische Allgemeine Zeitung, 20. August)

 


Eleganz und Energie: Die Potsdamer Kammerakademie in Neuruppin (Kammerakademie Potdam, A. Manacorda, E. Watts, 5.8. Neuruppin)
(...) Umschlossen von den romanischen Backsteinmauern der Klosterkirche St. Trinitatis, zieht die Kammerakademie Potsdam die über 600 Besucher in der vollbesetzten Kirche sofort in den Bann: Strawinskys Ballettmusik strahlt die geradlinige Eleganz eines antiken Göttertempels aus und der Minimalismus einer reinen Streicherbesetzung hat nach wie vor einen erstaunlichen Reiz. Für etwas mehr Opulenz sorgt dann die britische Sopranistin Elizabeth Watts. Die 33-Jährige intoniert die Arien nicht nur meisterhaft, sondern leidet, entzückt und empört sich in jeder einzelnen Zeile auf sympathisch natürliche Weise.Der zweite Star ist der italienischstämmige Dirigent Antonello Manacorda: Ein perfekter Motivator, dessen Energie sich auf das Ensemble überträgt. Bei aller Akkuratesse agiert er häufig so leidenschaftlich, dass man glaubt, er wolle die Musik mit bloßen Händen formen. Auch Mozarts letzte Symphonie gerät so äußerst mitreißend und entlässt die Besucher schwärmend in den Abend. (Erik Wenk, Tagesspiegel, 7. August)

 

Ein Erlebnis für alle - Rund 700 Zuhörer erlebten das Gastspiel der Brandenburgischen Sommerkonzerte in der Neuruppiner Klosterkirche (Kammerakademie Potdam, A. Manacorda, E. Watts, 5.8. Neuruppin)
(...) Rund 700 Besucher feierten den Auftritt von Elizabeth Watts mit Jubelstürmen. Mit der Kammerakademie Potsdam und dem Dirigenten Antonello Manacorda an ihrer Seite, hatte sie hinreißend energisch und charaktervoll drei Opern-Arien von Mozart gesungen. Dabei schien sie sich mit ihrer bestechenden Technik von Minute zu Minute noch zu steigern. Bei ihrer dritten Arie gab es dann kein Halten mehr im Publikum: Für „Voi avete un cor fedele“ (...) gab es vor der Pause begeisterte Ovationen. (...) Zu jeder Veranstaltung der Sommerkonzerte gehört nämlich gleich ein ganzes Erlebnispaket dazu – mit Seerundfahrten, Führungen, manchmal sogar einer Schnapsverkostung, Kinderbetreuung und großer Kaffeetafel am Konzertort. Dutzende Gemeindemitglieder in Neuruppin hatten sich darum ehrenamtlich zum Kuchenbacken, Schmalzstullenschmieren und Stecken von Blumenschmuck gemeldet. (...) Das festliche Konzert, das mit Mozarts Jupitersinfonie gekrönt wurde, war sicherlich ganz und gar einmalig. (...)
(Juliane Felsch, Märkische Allgemeine Zeitung, 7. August)

 

"Rezension" am 6.8. um 8.10 Uhr (Kammerakademie Potsdam in Neuruppin, 5.8.)
(...) Was Strawinsky mit Mozart zu tun hat, diese Frage, auf die es durchaus Antworten gibt, stellte sich schon nach den ersten Takten des Appolon musgète nicht mehr. So exakt, mit viel Ernst, aber trotzdem mit einer wunderbaren Leichtigkeit und einem perfekten Klang arbeitete die Streicherfraktion der Kammerakademie Potsdam die zahlreichen Facetten aus Strawinskys Ballettmusik heraus. Mal flächig und verhalten, dann wieder ironisch-tänzerisch. So verging die erste halbe Stunde des Konzerts wie im Flug – eine durchaus passende Einstimmung für das dann folgende Mozartprogramm.(...) Die britische Sopranistin Elizabeth Watts sorgte schon mit der ersten der drei Mozart-Arien für Bravo-Rufe und tosenden Applaus.(...) Die Kammerakademie Potsdam lieferte einen durch und durch respektvollen Rückhalt und Antonello Manacorda trug mit seinem Dirigat Elizabeth Watts geradezu auf Händen. Mit der Jupiter-Sinfonie entließ die Kammerakademie ihr Publikum in Neuruppin. Und das war beseelt. Von der Geschlossenheit, der Frische und der Spielfreude, mit der das Orchester Mozart so grandios auf den Punkt gebracht hat, wie man ihn nur selten hört. (Ulrike Klobes, RBB Kulturradio, 6. August, 8.10 Uhr)

 

Kirche von Nordlichtern durchflutet (Claritas Vocalis in Wittenberge, 4. August)
„Das Konzert ist ein schöner Anlass, um in die Kirche zu kommen“, sagte Pfarrerin Brigitte Worch und hieß die rund 300 erschienenen Gäste im Namen der Kirchengemeinde willkommen. Zum zweiten Mal seien die Brandenburgischen Sommerkonzerte in Wittenberge zu Gast, das erste Mal vor vier Jahren. (...) Noch vor einigen Jahren glich die Kirche einer heruntergekommenen Persönlichkeit. Heute sei sie schön. Die Brandenburgischen Sommerkonzerte hätten mit dazu beigetragen, dass auch diese Kirche saniert werden konnte, meinte die Geistliche. Mit dem Sommerpsalm, einem der bekanntesten Stücke des schwedischen Komponisten Waldemar Åhlen, begann das Konzert mit Stücken Skandinavischer Komponisten. Kristallklar hallten die Stimmen der Sängerinnen und Sänger auch bei weiteren Stücken von Komponisten wie Cyrillus Kreek oder Ludvig Norman durch das Gotteshaus. (...)
(Jörg Wegner, Märkische Allgemeine Zeitung, 6. August)

 


Reh trifft Orchester - Symphony Prague in Stechau (Schlosspark Stechau, 28. 7.)
Der Schlossherr hat gutes Wetter versprochen – und Wort gehalten: Auf dem Rasenplatz vor dem Schloss in Stechau strahlt die Sonne, während 2200 Zuhörer den berstenden Klängen von Beethovens „Fidelio“-Ouvertüre lauschen. Es spielt die Symphony Prague, am Pult steht Stefan Britvik, der rechts und links von Rehen und Pferden beäugt wird. (...) Die schnellen Läufe, hinreißenden Tempowechsel von Carl Maria von Webers Fagottkonzert verbindet der Tscheche Petr Nemecek als Solist mit glasklarer Intonation. (...) Spätestens bei der 8. Sinfonie von Dvobák sind alle Musiker in ihrem Element. Das Allegro ma non troppo klingt derart erhaben, dass das abschließende Feuerwerk wie hineinkomponiert erscheint. (Tomasz Kurianowicz, Tagesspiegel vom 30. Juli)

 

Hochgenuss in ländlicher Idylle - Mehr als 2000 Besucher erlebten am Samstag Sommerkonzert im Schlosspark Stechau (Schlosspark open air Stechau, 28. Juli)
Das Brandenburger Sommerkonzert im Schlosspark Stechau ist ein Erfolgsgarant. Am Samstag fanden erneut mehr als 2000 Menschen in das kleine Dorf, um sich von Klassik auf höchstem Niveau verwöhnen zu lassen. (...) Skeptiker, die seinerzeit die Abgeschiedenheit des Ortes bemängelten, sind längst verstummt. Der Vorsatz, kulturelle Hochkultur im ländlichen Raum zu installieren, hat sich bewährt und findet zunehmend Anhänger.(...) Der schönste Lohn der Mühen sei, wenn die Besucher den Schlosspark mit einem Lächeln verlassen. Dank brillanter Organisation, vor allem jedoch dank des musikalischen Zaubers der Musiker der Symphony Prague gab es am späten Samstagabend durchweg zufriedene Gesichter. Die Tschechen, die das zweite Mal in Stechau gastierten, führten Werke von Ludwig van Beethoven, Carl Maria von Weber und Antonin Dvorak auf. Ein Hochgenuss war dabei das Fagottspiel von Petr Nemecek. Der Virtuose ließ die Zuhörer beim Spiel von Webers Fagottkonzert F-dur schlichtweg träumen. "Schöner geht es nicht mehr”, schwärmte der Moderator des Abends, rbb-Radiomann Peter Claus. Ein Fazit, das für den gesamten Abend gelten dürfte.
(Sven Gückel, Lausitzer Rundschau, 30. Juli)

 

Konzert, Kahnfahrt und Kuchen (Rastrelli Cello Quartet in Beeskow, 21. Juli)
Wenn die Brandenburgischen Sommerkonzerte, die sich jetzt in ihrem 22. Jahr befinden, nach Beeskow kommen, ist das immer ein Ereignis mit viel großstädtischem Publikum. Dieses ist nicht nur musikbegeistert, sondern möchte auch Brandenburg kennen lernen. Am Sonnabend war es wieder einmal soweit. Auf dem Hof der Marienkirche, in der das Konzert stattfand, waren einladend Kaffeetafeln aufgestellt. "Fast 500 Leute sind gekommen, viele darunter, die sich spontan entschlossen haben" (...).Mit dem Rastrelli Cello Quartet aus St. Petersburg war es ein ungewöhnliches Erlebnis: Vier Cellisten, also eigentlich eine Kammermusikformation, erfüllten den hohen, weiten Kirchenraum mit ihren gestrichenen, gezupften, geschlagenen Klängen, geformt zu Polka, Ragtime, Klezmer, Tango, und was man sich alles vorstellen kann. Es waren einfallsreiche, eigenwillige Bearbeitungen bekannter Kompositionen (...). (Elke Lang, Märkische Oderzeitung, 23. Juli)

.

Halber Haydn, ganze Sache - Brentano-String Quartet mit filigraner Meisterschaft in der Paretzer Scheune (Paretz, 15. Juli)
(...) In Paretz nun blieb es trocken, wenn auch kühl. Immerhin, die Idee der kulturellen Landpartie an einen lieblichen Ort ließ sich so doch mit Leben erfüllen. Bestens mit Leben erfüllen, dafür hatten die Veranstalter gesorgt, indem sie ein Streichquartett der Spitzenklasse in die Kulturscheune des Ortes geholt hatten: das Brentano-String-Quartett aus New York. (...) Die Fachpresse bescheinigt den New Yorker Musikern millimetergenaues Abstimmen, Ausgewogenheit der Register, analytische Genauigkeit, fabelhafte Nuancen des Ausdrucks, dynamische Raffinesse und technische Meisterschaft. All das konnten die Zuhörer in Paretz genießen. Das Programm war aus einem Guss: eine Ansammlung von Fragmenten und doch nichts Bruchstückhaftes. Die Zuhörer in der fast ausverkauften Scheune feierten die Musiker, die dankten mit einer Zugabe und hatten dafür ein Stück von Beethoven ausgesucht. (...) So ging am Sonntagabend ein besonderes Konzert im Havelland zu Ende. (Marlies Schnaibel, Märkische Allgemeine Zeitung, 17. Juli)

 

Unentdeckte Schätze (Heiteres Organistentreffen und Orgelreise Angermünde, 14. Juli)
Welchen touristischen Wert ein einziges Instrument haben kann, beweisen ganz neue Veranstaltungen an der Wagner-Orgel.Barock-Engel droschen auf die Pauke, kreisende Zimbelsterne läuteten ihre Glöckchen und die schnell gezogenen Register klappten krachend. Zwar ging der alten Wagner-Orgel in der Angermünder Marienkirche beim äußerst ungewöhnlichen Einfall der Brandenburgischen Sommerkonzerte nicht die Puste aus, doch musste sich das betagte Instrument den acht Händen und Füßen von vier geradezu begeisterten Organisten beugen. Michael F. Runowski, Andreas Göbel, Andrea Malzahn und Jörg Strodthoff wetteiferten beim "Heiteren Organistenteffen" um eine nahezu ausgelassene Stimmung in dem ansonsten doch ehrwürdigen Kirchensaal. Mit ausschließlich weltlicher Musik und eigenen Kompositionen zeigte die Aufführung der Sommerkonzerte, dass nicht nur Bachs Werke die Kirchenbänke füllen. Denn sogar mit Bussen kamen Besucher aus Berlin, um das Musikspektakel zu erleben. Fast 500 Gäste wollten sich vom Kontrast des barocken Instruments, den wechselvollen Kompositionen und Interpretationen und der modernen Spielwut überzeugen.Die mit zwei Orgelreisen in die Uckermark verbundene Aufführung der Sommerkonzerte könnte den Ausschlag geben für eine weitaus breitere Nutzung historischer Instrumente in Kirchen des Landkreises. Denn schon seit Jahren machen sich Pfarrsprengel und Fördervereine Gedanken um den Erhalt der teilweise seltenen und einzigartigen Originalstücke. Vor allem Berliner und Kulturbürger sind immer aufs Neue entzückt von den scheinbar unentdeckten Schätzen der Uckermark. So wie diesmal in Sternhagen und Greiffenberg gehören profunde Führungen an den Instrumenten samt kulinarischer Einladung noch zu den touristischen Ausnahmeangeboten in der Region. (...) (Oliver Schwers, Märkische Oderzeitung vom 16. Juli)

 

"Fort mit den Künsten" - Friedrich der Große zwischen Muse und Kriegsgott (Lesung von Alexander Bandilla in Kloster Zinna, 7. Juli)
Das wäre ganz nach seinem Geschmack gewesen: Dass das Volk freiwillig zu ihm strömt, um ihn zu verehren. König Friedrich II., von seinem Günstling Voltaire „der Große“ genannt, lächelt auf seinem Sockel süffisant und quittierte wohlwollend die Besucherschar. „An meinen Geist – Gedichte und Episteln Friedrichs des Großen“, hatte Schauspieler und Opern-Regisseur Alexander Bandilla die Lesestunde in der „Alten Försterei“ genannt, die sich im Rahmen der Brandenburgischen Sommerkonzerte dem literarischen Schaffen des Preußenkönigs widmete. (...) Zahlreiche Stellen im literarischen Schaffen Friedrich des Großen belegen die lebenslange Zerrissenheit zwischen Neigung und auferlegtem Pflichtbewusstsein, wie Alexander Bandilla mit ausgewählten Textpassagen beweist.
(Ulrich Klemenz, Märkische Allgemeine vom 9. Juli)

 

Gottes Kirschstreusel - Ein Samstag auf dem Lande: Ausflug nach Zinna zu den Brandenburgischen Sommerkonzerten (RIAS Kammerchor in Kloster Zinna, 7. Juli)
(...) Die Damen von der Zinnaer Kirchengemeinde übrigens, die in kleinen Unterständen im romantischen Klosterhof Käsekuchen, Kirschstreusel und Schmorbraten verkaufen, die Damen also stehen da, als mache ihnen der Regen nichts aus. (...) Und dann natürlich der „Klosterbruder-Kräuterlikör“ in der Kräuterdestille gleich nebenan. Kein Wunder, dass nun draußen die Sonne durchbricht, danke, lieber, Gott, genau so haben wir uns das vorgestellt, endlich kann diese neunte der 29 SoKo-Landpartien in dieser Saison an Fahrt gewinnen. (...) Wie überhaupt sich der Chor auf der Spitze seines Könnens zeigt... Super-Intonation, Super-Farbe, absolute Kontrolle. (...) (Christiane Tewinkel, Tagesspiegel vom 9. Juli)

 

Seltene Semioper fesselte das Publikum - Aus Berlin zum Musikgenuss in den Fläming (La Villanella Basel in Bad Belzig, 30. Juni)
Mehr als 300 Gäste erlebten am Sonnabend im Rahmen der Brandenburgischen Sommerkonzerte den hochkarätigen Auftritt des Quintetts „La Villanella Basel“ in der St.-Marien-Kirche. (...) Heike Pichler-Trosits (Sopran), Claudia Nauheim und Anja Januj (Blockflöte), Irene Klein (Viola da Gamba) und Mechthild Winter (Cembalo) entzückten ihr Publikum mit einer Spielweise, die zart und filigran, stilistisch perfekt und zugleich sprühend war und den Witz und die Originalität und den Gefühlsreichtum der Kompositionen fein auszuloten verstand. Das Publikum, das trotz seiner zahlenmäßigen Stärke so still war, dass man eine Nadel hätte fallen hören, war bereits in der Pause voll des Lobes. Zuvor hatten die Gäste des mit großem Aufwand und sichtlicher Professionalität gemanagten Konzerts, samt Kaffeetafel der gastgebenden, Kirchengemeinde den Wiesenburger Park und die Bad Belziger Altstadt samt Museum und Burg Eisenhardt besichtigt.
(Kerstin Henseke, Märkische Allgemeine Zeitung vom 4. Juli)

 


Überall schöne Stellen - DSO-Solisten spielen in Altfriedland (T. Hecker, P. Mendes, A. Kirichenko in Altfriedland, 1. Juli)
Es lächelt der Klostersee neben dem Feldsteinbau der Klosterkirche in Altfriedland, einem der lieblichsten Orte, den die Brandenburgischen Sommerkonzerte in diesem Jahr für eine ihrer Landpartien gewählt haben. (...) Hier erklingt nun Musik, die auf's Land passt. Da das deutsche Symphonie-Orchester Berlin sich in vielen der Brandenburgischen Sommerkonzerte und in der künstlerischen Leitung seines Solotrompeters Joachim Pliquett wesentlich repräsentiert, bietet sich eine "DSO-Solistenkür" geradezu an. (...) Auswendig und liedhaft spielt Paolo Mendes eine Sonate von Josef Gabriel Rheinberger, die den Vollklang seines Horns wie eine zweite Natur zum Ereignis macht. Ein unraffiniertes, kantables Musizieren, geradlinig, dynamisch sensibel. (...) In Werken von Schumann und Poulenc zeigt Thomas Hecker eine animierte Fabulierlust auf der Oboe. Beiden Spielern der Melodieinstrumente kommt konzertfüllend das gewinnende Engagement der Pianistin Anna Kirichenko zugute - ihr kammermusikalischer Beitrag ist mehr als Einfühlung.(...) ...die drei Musiker beweisen im zusammenspiel, dass "Genrekunst" auch durchaus inspirierte Musik sein kann (Sybill Mahlke, Tagesspiegel vom 3. Juli)

 

Töne funkeln und explodieren (Igor Levit in Finsterwalde, 24. Juni)
Er sitzt am Bechstein-Flügel, als wolle er ihn hypnotisieren. Mit Virtuosität, Leidenschaft und ungeheurer Energie glänzt Igor Levit in Finsterwalde bei den Brandenburgischen Sommerkonzerten. (...) Das Feuilleton übertrifft sich in Begeisterung für den 25jährigen, der in aller Munde bei Musikexperten ist und Sachen spielt, an die sich andere kaum wagen. Das erleben auch die knapp 400 Zuhörer beim ausverkauften Konzert (...). Zwei von Beethovens späten Klaviersonaten (...) zelebriert Levit mit fast beängstigender Perfektion, mit staunenswerter Virtuosität, gleichermaßen kraftvoll und mit spielerischer Leichtigkeit. (...) Igor Levit brachte Töne zum Funkeln und explodieren. Dafür gab es stehende Ovationen. (Jürgen Weser, Lausitzer Rundschau vom 26. Juni)

 

Beifallsstürme vor 330 Zuhören für das Duo Gerassimez in Paaren (Duo Gerassimez Paaren im Glien, 23. Juni)
"Einzigartig“ oder „Intellektuell, raffiniert, witzig“ – Worte, mit denen die 330 Konzertbesucher in der ausverkauften Paarener St. Nikolaikirche am Sonnabend die Musik von Alexej und Nicolai Gerassimez bewerteten und lautstark nach Zugaben verlangten. Hinter den begeisterten Zuhörern lag ein knapp zweistündiges Klavier- und Percussionfeuerwerk, das die Genialität und das Talent der preisgekrönten Petersburger Brüder offenbarte.(...) In rasendem Tempo kamen und gingen die von den Brüdern Gerassimez erzeugten Klangbilder während des gesamten Konzertes. (...) Zwischendurch schienen die Musiker immer wieder in Gefahr zu geraten, mit ihren Instrumenten zu verschmelzen. Doch kurz vorher fand das Stück sein Ende und der Beifallssturm des Publikums begann. (Annett Lahn, Märkische Allgemeine Zeitung, 25. Juni)

 


"Concert Royal hob in Putlitz musikalische Schätze..."
(Concert Royal Köln, am 10. Juni in Putlitz)
Christamaria Ruch, Märkische Allgemeine Zeitung vom 12. Juni

 


Kalte Mauern - Auftakt Brandenburgische Sommerkonzerte (Philh. Orch. Staatstheater Cottbus, Evan Christ u.a., Mahlers 3. Sinfonie in Luckau am 9.6.)
250 Mitwirkende auf 600 Zuhörer: Allein wie die Musiker in den Altarraum gezirkelt und die Chöre auf die Emporen über den Patrizierlogen der Nikolaikirche eingepasst werden, ist beeindruckend. Evan Christ und sein Philharmonisches Orchester des Staatstheaters Cottbus stehen dieser logistischen Leistung in nichts nach. Die Schläge des Kopfsatzes lassen das Taufbecken erbeben, und immer wieder wagt der nimmermüde Dirigent Zärtlichkeiten inmitten dieser gewaltigen Weltwerdung aus Klang.
(Ulrich Amling, Tagesspiegel vom 11. Juni)

 

Monumentales Seelenepos - Sommerkonzerte in Luckau gestartet (Philh. Orch. Staatstheater Cottbus, Evan Christ u.a., Mahlers 3. Sinfonie in Luckau am 9.6.)
"...und auch künstlerisch herrschte durchweg eitel Sonnenschein. In der voll besetzten Nikolaikirche erklang mit Gustav Mahlers 3. Sinfonie eines der monumentalsten und (..) zeitlängsten Werke der Musikgeschichte. (...) Unter der konzentrierten Zeichengebung von Generalmusikdirektor Evan Christ entsteht diese "Natursinfonie" eine eindringliche, rhetorisch jedoch nie aufdringlich wirkende, kontrastbetonte, dynamisch breit gefächerte Lesart, bei der es chaotisch im mehrfachen Fortissimo zugeht, aber auch leise bis ins dreifache pianissimo hinein. (...) Dem keck und fehlerfrei vorgetragenen fünften Satz folgt der ruhevoll musizierte Abgesang, der sich nach erneuten chaotischen Ballungen zu harmonischer Wohlgefälligkeit und hymnischer Größe entwickelt. Die Ergriffenheit der Zuhörer löst sich in anhaltendem Jubel.
(Peter Buske, Märkische Oderzeitung vom 11. Juni)

Pressestimmen 2010

Schloss und Dorfkirche Ribbeck, 11.9., Nachklang mit Wildschwein unterm Birnbaum, Saxperience, Niniwe

"Städter auf dem Lande. Das ist eine ganz besondere Begegnung. Die Städter schauen sich die Dörfler an, die ihnen ein Wildschwein grillen und selbstgebackenen Kuchen servieren. Und die Dörfler schauen sich die Städter an, wie die durch den Ort flanieren und rufen: »Nein, ist das süß«“ oder »Ach, ist das hübsch.« Am Sonnabend konnte man in Ribbeck wunderschön beobachten, wie sich die beiden Welten begegneten. Ribbeck war mal wieder kulturelles Disneyland. Kunst, Kuchen und Kommerz verbanden sich zu einem schmackhaft und bekömmlichen Ganzen. Diesmal waren die Brandenburgischen Sommerkonzerte zu Gast. Die renommierte Konzertreihe beendete ihre 20. Saison mit einem anspruchsvoll-heiteren Nachmittag.
[...] Unter dem Namen [Saxperience] vereinen sie ein Sopranino- und ein Basssaxofon, dazwischen zwei Sopran-, drei Alt-, drei Tenor- und zwei Baritonsaxofone. In Ribbeck spielte das Duodezett unter Leitung des Neuseeländers Simon Brew Werke von Händel, Dvorak und Albinoni, überzeugte am ehesten mit Borodins Polowetzer Tänzen. [...]
In der Kirche traten vier junge Damen vor das Publikum. Sie hatten nur ihre Stimmen dabei und wussten die auf beste Art einzusetzen. Als A-cappella-Ensemble Niniwe (...) bescherten sie der Ribbecker Kirche, die in den letzten 20 Jahren schon hunderte Konzerte erlebt hat, eine musikalische Sternstunde. [...] Ob mit zarter Ballade oder freitonaler Lautmalerei, ob mit glockenreinen Solos oder synchronem vierstimmigen Gesang – diese Stunde war kurzweilig, überraschend und ergreifend schön. Besser kann ein Musiksommer nicht ausklingen."
Märkische Allgemeine Zeitung, Marlies Schnaibel, 13.09.2010



Kreuzkirche Königs Wusterhausen, 5.9., Abschlusskonzert, Anna Sommerfeld, Philharmonisches Orchester des Staatstheaters Cottbus, Evan Christ

"Ein Höhepunkt in der Musiklandschaft von Königs Wusterhausen war das Abschlusskonzert der 20. Brandenburgischen Sommerkonzerte am Samstag in der Kreuzkirche. Das Philharmonische Orchester Cottbus unter Leitung von Evan Christ zeigte sich in Bestform und lotete die Werke bis zum Schlussakkord ausdrucksstark aus.
Georg Katzers »Für Louise« lieferte einen temperamentvollen Auftakt für das zweistündige Konzert. Gemeint war nicht die preußische Königin mit dem Stück, sondern die älteste Brikettfabrik Europas in der Lausitz. (...) Es dauert nur sechs Minuten, übersetzt aber eindrucksvoll die Sprache des Industriealltages in aufgesplitterte Akkorde mit großer energetischer Dichte. (...)
[Anna Sommerfeld] interpretierte die Strauss-Lieder zu Texten von Hesse und Eichendorff mit ergreifender Eindringlichkeit. (...)
[Berlioz'] »Symphonie fantastique« [war] nach der Pause zu hören [...]. Besonders in ihrem bekanntesten, dem fünften Satz, war die Faszination der rund 350 Besucher zu spüren. Nach dem letzten Ton brandete der Beifall auf, durchsetzt von Bravo-Rufen. (...) Thomas Schmidt-Ott, Vorsitzender des Vereins Brandenburgische Sommerkonzerte, bedankte sich bei der Mittelbrandenburgischen Sparkasse und deren Stiftung, die »drei zauberhafte Monate Sommerkonzerte« beschert hatten."
Märkische Allgemeine Zeitung, Heidrun Voigt, 07.09.2010



Kreuzkirche Königs Wusterhausen, 5.9., Abschlusskonzert, Anna Sommerfeld, Philharmonisches Orchester des Staatstheaters Cottbus, Evan Christ

"Tosende Klangfluten ergossen sich über die Hörer, die darin fast zu ertrinken schienen. (...) Nach dem effekthascherisch musizierten Hexensabbat-Finale brandete der Jubel."
Märkische Oderzeitung, Peter Buske, 07.09.2010



Stadtkirche Golßen, 4.9., Spreewaldtango, Yira-Yira und Trio Neuklang

"Yira Yira, besetzt mit Akkordeon, Violine, Percussion und Kontrabass, begannen. Sie spielten (...) Klassiker der konzertsaaltauglichen Tango-Literatur. Und entsprechend wurde auch musiziert, in hoch konzentrierter Konzertmanier; leise, introvertiert und vor allem sehr kontrolliert. Eine sparsame Tongebung mit feinen, spitzigen Geigentönen, zartem Akkordeonklang, dezentem Bass und Schlagwerk ließ vor allem die rhythmische Struktur der Stücke zum bestimmenden musikalischen Element werden. Doch auch hierin herrschte die elaborierte Konzertatmosphäre. Es schien, dass man wirklich alles tun wollte, die anrüchigen Ursprünge des Tangos zu verbergen. [...]
Nach der Pause dann das muntere Pendant zum Tango Introversion. Das Trio Neuklang kreiert schon durch seine Besetzung einen ganz anderen Sound. Das obligatorische Akkordeon wird bei ihnen durch die klangreichen und warm getönten Instrumente Klarinette und Violoncello ergänzt. (...) Lebhafter, sinnlicher, sagte der direkte Vergleich. Doch auch Außenseiter gerieten dem Trio in ihre muntere Programmfolge. (...) Diese Klassiker-Bearbeitungen verrieten ebensoviel perfektes Handwerk wie Lust am musikalischen Spaß. Dieselbe absolut souveräne Musizierhaltung prägte auch die Interpretation der Stücke. Wenn man die Instrumente derart überlegen beherrscht wie der Klarinettist Nikolai Abramson, der Cellist Arthur Hornig und der Akkordeonspieler Jan Jachmann, kratzen nicht einmal gelegentliche Albernheiten am Renommee. Im Gegenteil, mit ihren geistreichen und musikalisch wunderbar überraschenden Späßen demonstrierten sie, dass sie wohl alles können, wenn »ernste« Musik angesagt ist. (...) Louis Armstrong und Ludwig van Beethoven sozusagen gemeinsam an einem Notenpult."
Lausitzer Rundschau, Irene Constantin, 06.09.2010



Klosterkirche Guben, 28.8., Percussion Paradise, ElbtonalPercussion
"Die Schlagzeuger führten in Kulturen, wo die Unzahl von Geräuschen und Tönen, die Holz, Metall, ausgehöhlte Gefäße oder gespannte Felle hervorbringen können, noch viel wichtiger ist, als hierzulande. Trotzdem begann das Ganze sehr ruhig und introvertiert mit einem ganz europäischen Lied. »Song for Lea« hieß das bluesmäßige Duett für Vibraphon und Marimbaphon. Der Melodie wurde langsam eine Begleitung zugemischt, bei der sich die Musiker schön in ihren Groove versenken konnten. Der zweite Titel trommelte ganz mächtig zum Wecken. In »Trio per uno« von Nebojsa Zivkovic scharen sich drei Musiker um eine große Trommel. Aus immer diffiziler verschobenen Rhythmen entsteht ein enormer Sog, immer schneller, sensationell virtuos. Direkt vor dem Altar der Gubener Klosterkirche positioniert, wirkte das Stück wie ein rasendes Opferritual: eine archaische Zeremonie.
Auf ganz andere Weise und rituell klang das nächste Stück. Mit vielerlei dezenten Rasseln und naturnahem Klangwerk, auch ein Regenrohr wie es sogar in Gewitterszenen der Barockmusik Verwendung findet, wurden die Geräusche des afrikanischen Buschs hörbar. Wären da nicht zwei hochkulturelle Marimbaphone mit am Werk gewesen, man hätte den »African Blues« von »Elbtonal«- Mitglied Wolfgang Roggenkamp für einen veritablen Regenzauber halten können. [...]
Der Höhepunkt des Konzerts war dennoch ein Klassiker für Schlagzeugensembles: Drei Musiker spielten auf neun TomToms Russel Pecks dreifachen Hubschrauberstart »Lift off!«. Der Beifall konnte mithalten."
Lausitzer Rundschau, Irene Constantin, 31.08.2010



Dorfkirchen in Briesen, Kolkwitz und Dissen, 15.8., Dorfkirchenkarussell, Trio Dan, Farou-Ensemble Berlin, Celloquartett des Konservatoriums Cottbus

"Aaron Gabriel Dan hat sich ein romantisches, melodisch weit ausschwingendes Naturbild für sein Instrument komponiert. Durch seinen sehr warmen und ungewöhnlich dunklen Ton erhielt das Stück eine faszinierende Beseeltheit. In der Triosonate überzeugte der swingende Drive der schnellen Sätze. [...]
So auf Courage eingestellt, erwarteten die Zuhörer das Konzert des sehr jungen Celloquartetts des Cottbuser Konservatoriums. 14, 16, 18 und 20 Jahre alt sind die Mitglieder des Quartetts, zwei Schülerinnen, ein Schüler und eine Musikstudentin. (...) Für jede Epoche fanden die Musiker den passenden Klang, üppig schwelgend zum Beispiel bei Alexander Krejns »Fragment lyrique«, das in die Nähe der Klezmer-Welt wies, barocker Klangauffassung angenähert bei Joseph de Boismortier und diffus gebrochen für »Jimbo's Lullaby« von Claude Debussy. Die wahre Bezauberung dieser Musikstunde erwuchs jedoch aus der einzigartigen Mischung zweier scheinbarer Gegensätze des Musizierens. Das Quartett spielte unroutiniert frisch, und trotzdem war man bestens aufeinander eingestellt. Solistisch hervortretende und Begleitstimmen wechselte man untereinander ab, die Einsätze kamen gestochen scharf und doch nicht so glatt, dass man keine Spannung mehr verspürte.
Die mit gotischen Fresken sensationell verzierte Briesener Kirche bot den Rahmen für das Konzert des Farou-Ensembles. Die fünf Bläser des Deutschen Symphonie Orchesters Berlin waren wie erwartet die routiniertesten und perfektesten Musiker des Nachmittags. Sie spielten, streckenweise atemberaubend virtuos, Bläsermusik von Jean Francaix. Dessen wichtigste Maxime, nur ja nicht zu langweilen, wurde überzeugend beherzigt. Sie galt für den ganzen abwechslungsreichen Nachmittag."
Lausitzer Rundschau, Irene Constantin, 17.08.2010



Schlosspark Stechau, 7.8., Romantisches Prag, Miroslav Plechatý, Symphony Prague, Štefan Britvík

"[Webers Klarinetten-] Konzert spielte der Prager Klarinettist Miroslav Plechatý, noch immer vom Wasser geplagt. Einige Male versagte sein Instrument, immer wieder musste er putzen und trocknen. Der innige zweite Satz jedoch ging zu Herzen, entfaltete sich in aller Betörungskunst im abendlichen Park. Dem Solisten, dem Orchester, dem Dirigenten Štefan Britvík und Carl Maria von Webers hinreißendem 3. Satz gelang es schließlich, den Himmel zu beschwören. Das Hauptstück des Abends, Antonín Dvořaks Sinfonie »Aus der Neuen Welt« durchklang eine liebliche Nacht.(...) Man kann einen ganzen Roman von Heimweh und gleichzeitiger Neugier auf die Fremde in dieser Sinfonie lesen. Štefan Britvík, unterstützt von der wunderbar durchsichtigen Klangmischung der Tontechniker, entfaltete das kunstvolle Gewebe analytisch genau und trotzdem mit unverwechselbar böhmisch geerdetem Klangsinn."
Lausitzer Rundschau, Irene Constantin, 09.08.2010



Marienkirche Angermünde, 1.8., Stern am Geigenhimmel, Midori, Özgür Aydin

"Draußen glänzt die besonnte Fachwerkidylle. Drinnen toben existenzielle Seelenstürme. Rund um die Marienkirche in Angermünde plaudern die Ausflügler bei Streuselkuchen und Kaffee über das reizende Städtchen und das zauberhafte Wetter. Im kühlen, Ehrfurcht gebietenden gotischen Kirchenschiff erwartet sie eine Art Kulturschock. Midori verwandelt den grauweißen Raum mit den hohen Säulen und Spitzbögen in eine Psychokammer mit schonungslos intensiver, Nerven zerfetzender Musik. Der Kontrast zur Außenwelt könnte nicht größer sein.
[...] Midori jagt durch die Schattenwelten des Komponisten [Beethoven], hetzt die Töne über Stock und Stein. (...) Da ist nichts Harmloses in ihren atemlosen Bewegungen, nicht einmal im bittersüßen Mittelsatz mit seinem dreistimmigen Fugato.
[...] Vergessen sind die Heuballen und Ententeiche da draußen. (...) Midoris Spiel hat nichts Blumiges an sich. Sie spielt mit vollen Segeln um ihr Leben. Sie zwingt zum Zuhören, zur Auseinandersetzung. Das ist kein Konzert für verträumte Flaneure. Die Japanerin hasst virtuoses Geschwafel. Sie kommt immer sofort auf den Punkt, legt den Finger in die Wunde. Ihre Striche treffen ins Nervenzentrum der Werke. Sie weist auf die Abgründe, legt die Komponisten auf die Couch. Sie ist auch Psychologin. [...]
Solche irrlichternden, flatternden Saiten [wie bei Szymanowski], solche Beben, die ins Nichts laufen, hat man noch nie gehört.
Dieses filigrane, mädchenhafte Wesen entfesselt musikalische Naturgewalten ... Dann wieder setzt sie Töne wie Nadelstiche. (...) Nur der tönende Augenblick zählt, der klingende Seidenfaden und das Geheimnis dahinter. Sie gewinnt im Kampf gegen alle Dämonen und entlässt die erschütterten Zuhörer wieder an die laue Abendluft zwischen Maisfeldern und stillen Seen."
Berliner Morgenpost, Martina Helmig, 03.08.2010



Marienkirche Angermünde, 1.8., Stern am Geigenhimmel, Midori, Özgür Aydin

"Beethovens dunkel dahinjagende Violinsonate Nr. 4 gingen sie recht lyrisch an. Midori bezauberte hier mit libellenflügelzarten, weit ausgespannten Melodiebögen. Der Pianist wurde von der Akustik des Kirchenschiffs benachteiligt; gleichwohl war das ausgefeilte Zusammenspiel der beiden deutlich erkennbar.
Im 1924 entstandenen 'Poème mystique' des schweizerisch-amerikanischen Komponisten Ernest Bloch schwelgten Midori und Aydin in ätherisch flirrenden, dann wieder ekstatisch aufwallenden Klangströmen. Hier konnte der Pianist sich virtuos austoben; gleichzeitig beeindruckte er durch ein ungemein transparentes Spiel. Obwohl der Klangfarbenrausch des Stücks zu Effekthascherei einlädt, traten beide Musiker stets angenehm unprätentiös auf.
[...] Die dritte Violinsonate von Brahms verwandelte sich durch den dramatischen Zugriff der beiden Musiker in ein wild zerklüftetes, wetterleuchtendes Gebirge. Midori bot hier das rare Beispiel eines vollkommen im Körper verwurzelten Geigenspiels. Die Konvulsionen und Zuckungen, die diese zierliche Person zuweilen schüttelten, hätten einem Rockgitarristen alle Ehre gemacht."
Märkische Allgemeine Zeitung, Antje Rößler, 03.08.2010



Marienkirche Angermünde, 1.8., Stern am Geigenhimmel, Midori, Özgür Aydin

"Kaum sind die ersten Töne auf ihrer kostbaren Geige ... erklungen, geraten die Zuhörer ... in den Bann einer der ganz Großen ihrer Zunft.
[...] Midoris Geigenton ist glanzvoll und technisch makellos, schreckt aber auch nicht vor schroffer Geste zurück, wenn es dem Ausdruck dient. Im impressionistisch schillernden 'Poèm mystique', zweite Sonate von Ernest Bloch, sind's die Seelenoffenbarungen voll schmerzlich-schöner Intensität, die die Hörer zum fast atemlosen Zuhören zwingen. [...]
Ebenfalls fließend, von großer innerer Spannung erfüllt, mit vollem, aber klarem Ton musiziert, sorgt die Deutung der d-Moll-Sonate op. 108 von Johannes Brahms fürs krönende Finale. Faszinierend, wie Geigerin und Pianist die Tiefgründigkeit mit Gelöstheit, melancholische Gedanken mit dramatischer Leidenschaft verschmelzen. Ein Abend der großen Gefühle."
Märkische Oderzeitung, Peter Buske, 03.08.2010



Laurentiuskirche Rheinsberg, 31.7., Ein Märchen aus uralten Zeiten, Peter Schöne, Moritz Eggert

"Keine großen Zyklen waren es, die Peter Schöne vortrug, sondern Lieder nach Gedichten von Zeitgenossen der Komponisten: Heinrich Heine, Joseph von Eichendorff, Hans Christian Andersen und Adalbert von Chamisso. Innig versunken, die Augen geschlossen, besang der Bariton die Küsse im Mondenschein, immer drängender und dramatischer entwickelten sich Handlung und Musik. Blutig endeten viele Lieder – ein Toter liegt in den Blumen und eine Braut blutig und vom Löwen zerfetzt im Staub. Peter Schöne lebte die grausamen Geschehnisse gemeinsam mit seinem Begleiter aus. Packend und energiegeladen kämpfte sich die ausdrucksvolle Stimme zum dramatischen Höhepunkt durch, während der Pianist Moritz Eggert rasant die Klaviatur des Flügels bearbeitete und dabei vom Sitz abhob."
Märkische Allgemeine Zeitung, Cornelia Felsch, 02.08.2010



Klosterkirche Doberlug, 25.7., »Grundton D« – Benefizkonzert des Deutschlandfunks für die Denkmaplpflege, King's Singers

"Wer noch nie im Kloster Doberlug war, hat etwas versäumt. Die Gäste der Brandenburger Sommerkonzerte konnten das sehenswerte Bau-Ensemble am Sonntag erleben und dazu Musik hören, deren interpretatorische Perfektion sensationell war. Die englischen King's Singers begannen mit zehn Kompositionen von Thomas Tallis und seinem Schüler William Byrd. Beide ... Komponisten ... bestimmten mit ihrer Kunst die britische Musik des Jahrhunderts. Die Werke erklangen bruchlos hintereinander. So entstand ein meditativer Sog; die Fantasie konnte mittelalterliche Mönche imaginieren, hörte die Wechselgesänge frühmorgendlicher und nächtlicher Andachten.
[...] Inzwischen hat sich das Ensemble durch verjüngende Umbesetzungen immer wieder neu erfunden. Die Konstante ist die sensationelle Stimmkultur und ein schubladen- und grenzenfreies Repertoire, das von der Gregorianik bis zur Moderne, vom tiefernsten Lamento bis zur sängerisch exquisiten musikalischen Alberei reicht; englischer Humor eben.
[...] Englische Countertenöre singen klar geradeaus und vollkommen ohne Vibrato und klingen eben doch nicht wie Knaben- oder Frauensoprane, sondern deutlich kehliger. Auch in die extrem hell herausgebrachten Vokale, die beispielsweise den »Frühling« gern zum »Frieling« machten, musste man sich erst einmal hineinhören. Viel gelungener die King's-Singers-Auftragskomposition des Australiers Malcolm Williamsson »The musicians of Bremen« mit Hahn, Esel, Hund, Katze und vier bösen Räubern sowie die Zugabe mit einem gut abgemischten Klassik-Ragout auf den Text »Der Kuckuck und der Esel«."
Lausitzer Rundschau, Irene Constantin, 27.07.2010



Nikolaikirche Luckau, 24.7., Atlantikbrücke mit Klarinette, Paul Meyer, Kammerakademie Potsdam

"Das berühmte Klarinetten-Konzert A-Dur und die so genannte »Große g-Moll-Sinfonie« waren als ganz besondere Jubiläums-Musiken zu hören – aber wie!
Meyer war es, der beim zahlreichen Publikum als Solo-Klarinettist besonders gefiel. Er spielte und leitete das Orchester zugleich – bei Cembalisten des Barocks soll das nicht ungewöhnlich gewesen sein. Von Klarinettisten ist davon nichts überliefert. Die Streicher der Kammerakademie Potsdam haben mit ihrem homogenen und facettenreich-ausdrucksstarken Klang so etwas wie ein Markenzeichen für dieses Ensemble mit gutem Ruf weit über die Grenzen Brandenburgs hinaus. Wenn dann noch ein Musiker wie Paul Meyer ... beim Ensemble zum Musizieren ist, dann sind besondere Hörgenüsse zu erwarten. Elgars Streicher-Serenade gaben die Musiker als Konzert- Auftakt in allen drei Sätzen in lyrisch-weichem Spiel. Besonders schön das Wechselspiel mit dem musikalischen Thema im Allegretto, dem dritten Satz. Ein optischer Genuss war der gefasste und unhektische Dirigier-Stil Meyers. (...)
Aber der Mozart – welches Werk war besser musiziert? (...) Paul Meyer und die Kammerakademie spielten ... das Klarinetten-Konzert so, als wäre es die Premiere im Jahr 1791 (dem Todesjahr Mozarts) und als sollte es besonders gefallen. Beschwingt ging es ins Allegro, in dem Mayer als dirigierender Solist auf der Klarinette federleicht und scheinbar spielerisch die Kadenzen gab, als wäre dies mühelos machbar. Das beliebte Adagio kam in dieser Interpretation als eine musikalische Liebeserklärung in das Publikum. Das Rondo wurde mit Klarinette und Orchester zu einem schelmisch-tänzerischen Schäkern. Die g-Moll-Sinfonie als gleichwohl beliebtes Werk, entstanden 1788, forderte das Ensemble durch ihre Vielseitigkeit besonders. Erklang das Allegro mit dem bekannten musikalischen Thema beschwingt und in schöner Dynamik, aber auch mit gekonnten »harmonischen Ausbrüchen«, so gaben die Potsdamer Musiker das Andante als Mischung des Ruhig-Verträumten und der dynamischen Ausbrüche, um rasch wieder ins ruhigere »Fahrwasser« zu gelangen. Nach dem spannungsgeladenen und kräftig gebotenen Menuett gelang das Allegro assai mit Tonkaskaden in den Violinen, mit den vielen geforderten sprunghaften Einsätzen und lieblichen »Musik-Einsprengseln« furios und meisterlich. Langer und herzlicher Beifall des großen Publikums war der Dank. In einem Grußwort gratulierte der Schirmherr der Brandenburgischen Sommerkonzerte, Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), dem Festival zum »Zwanzigsten« und würdigte es als ein kulturelles Markenzeichen des Landes."
Lausitzer Rundschau, Detlef Simsch, 26.07.2010



Oberkirche St. Nikolai Cottbus, 18.7., Berühmte Knaben a cappella, Regensburger Domspatzen, Roland Büchner

"Die ungekünstelte Stimm-Schönheit der Regensburger Knaben und jungen Männer feierte sich selbst im Glanz der durchaus theatralisch inszenierten katholischen Gottesdienste. Die sehr instrumental zurückgenommene Stimmführung, mit der sächsische Knabenchöre ihre Bach-Motetten singen, ist den Domspatzen fremd, sie singen volltönender und dynamischer. Giovannis Gabrielis »Jubilate Deo« entführte in den zu mehrchörigen Werken einladenden Markusdom zu Vendig, Orlando die Lasso in die überbordende Pracht süddeutscher Kirchen, Tomas Luis de Victoria nach Spanien. Man dachte an den Formenreichtum der Kathedralen, an Stuck, Gold und Bilderschmuck, während die reinen und volltönenden Stimmen im lichten Raum der Cottbuser Kirche miteinander verschmolzen. Vor allem der lange schwebende Nachhall ließ erkennen, wie intonationsrein die Knaben aus Bayern singen. Mit Melchior Vulpius hatte sich auch ein protestantischer, reich figurierter Chorsatz ins Programm geschlichen. Er erfreute durch seinen erfrischend lockeren Schwung."
Lausitzer Rundschau, Irene Constantin, 20.07.2010



Dorfkirche Cumlosen, 17.7., Frédéric Chopin zum 200. Geburtstag, Bernd Glemser

"Der Pianist hat aus Mendelssohn Bartholdy, Chopin und Liszt ein wohlabgestimmtes und dabei sehr massenhörtaugliches Programm gebaut. Wer indessen den leisen Verdacht müder Sommerurlaubs-Routine hegt, wird gleich mit Mendelssohns „Liedern ohne Worte“ eines Besseren belehrt. Die Miniaturen erklingen als scharf profilierte Charakterstücke: verstörend fallen die Diskant-Triller in das ohnehin schon zerbrechliche Idyll des „Venezianischen Gondelliedes“ ein, und der e-Moll- Trauermarsch klingt bestürzend wuchtig, wie eine Vorahnung des Beginns von Mahlers 5. Sinfonie.
Das ist keinen Takt lang nur entspannt-lyrisch, geschweige denn kulinarisch erholsam, in seiner latenten Dramatisierung dann freilich auch ein wenig undifferenziert. Mit den leisen Tönen hat es Glemser kaum, das Schwebende oder leicht Federnde scheint er nicht zu mögen, und das hat zum Beispiel die Konsequenz, dass die beiden Chopin-Nocturnes op. 27 weniger auf ihre Kontrastsetzung zwischen Moll und Dur, Beängstigung und Beseligung als auf eine Art verbindender Mitte hin ausgespielt werden.
In der g-Moll-Ballade des Polen hingegen und noch mehr in Liszts gewaltiger (und fast schon gewalttätiger), exzentrischer h-Moll-Ballade nach der Pause findet diese Art der Interpretation dankbare Gegenstände. Zwischen hart dröhnenden, mit brutaler Wucht herausgehämmerten Akkordsäulen und beängstigenden, wie schwarze Löcher im Klangfluss stehenden Pausen entwickelt der Pianist eine Architektur des Diskontinuierlichen und Brüchigen, die im Moment ihres Entstehens schon wieder auseinanderfällt: beeindruckende Bilder einer zu konzentriertem Ausdruck gezwungenen inneren Zerrissenheit."
Märkische Allgemeine Zeitung, Gerald Felber, 20.07.2010



Dorfkirche Cumlosen, 17.7., Frédéric Chopin zum 200. Geburtstag, Bernd Glemser

"Chopins 'Nocturnes' profitieren von seinem klaren Anschlag, auch wenn die Klangmischungen etwas von Farbmusterstreifen bekommen. Am schwersten tut sich Glemser mit Liszts h-Moll- Klaviersonate. Wenn man hier keinen Weg nach innen findet, jenseits des Klangwütens, kann sich jene magische Aura kaum entfalten, auf die es Liszt ankam. Trotzdem: Glemser ist ein guter Pianist."
Der Tagesspiegel, Ulrich Amling, 19.07.2010



Dorfkirche Cumlosen, 17.7., Frédéric Chopin zum 200. Geburtstag, Bernd Glemser

"Wer in den ersten Reihen saß, hatte das Glück, die Fingerarbeit von Bernd Glemser sehen zu können. Seine Finger flogen förmlich über die Tasten des Bechstein-Flügels. Manchmal schien er die Tasten kaum zu berühren. (...) Mit seinem Spiel begeisterte er die Zuhörer in Cumlosen, die mehrfach in der Versuchung waren, kleinste Pausen (...) zu nutzen, um bereits zu applaudieren. Letztendlich trauten sich das die Konzertbesucher aber nicht, da sie Glemser nicht unterbrechen wollten. Umso stärker fiel dann der Applaus jeweils am Ende der drei Konzertabschnitte aus. Die Zuschauer standen von ihren Bänken auf, einzelne riefen sogar 'Bravo!'"
Märkische Allgemeine Zeitung "Der Prignitzer", Axel Knopf, 19.07.2010



Stadtkirche Calau, 11.7., Robert Schumann zum 200. Geburtstag, Olga Gollej und das Leipziger Streichquartett

"Das Leipziger Streichquartett folgte dem intimen Kompositionsgestus auch in der Interpretation. Alles war auf einen homogenen Klang abgestimmt. Kleine Höhepunkte in jeder Stimme, mal ein kurz entwickelter Spitzenton, der elegante Bogen einer Phrase, ein markantes Begleitmotiv, alles blieb eingebettet in den Gesamtklang, mit etwas Understatement musiziert. (...)
Dass auch das laut Vortragsbezeichnung 'Allegro brillante' glitzernd und auftrumpfend beginnende Klavierquintett eher samtig schimmerte als brillierte, ist dem butterweichen Klavierspiel Olga Gollejs zu danken. Dem Trauermarsch des 2. Satzes bekam das unsentimentale Spiel der Pianistin und des Streichquartetts wiederum gut. Er geriet weniger tränenselig als sanft melancholisch, auch der dritte und der Schlusssatz überraschten mit vielen interpretatorischen Ideen. Insgesamt gelangen alle Charakterstück-Sätze überzeugender als die gedankenschweren Kopfsätze – was nicht nur an den Interpreten, sondern auch am Komponisten liegt. (...)
Viel Beifall für den Kammermusik-Nachmittag der Brandenburgischen Sommerkonzerte."
Lausitzer Rundschau, Irene Constantin, 13.07.2010



Klosterkirche Altfriedland, 4.7., Hochbegabte Debütanten, Schüler des Musikgymnasiums "Carl Philipp Emanuel Bach" Berlin

"Mit einem Bläsertrio von Mozart begann die von Spiellaune geprägte Leistungsschau, mit dem 'Schelmischen Ständchen' von Trygve Madsen endete sie. Mit langem, gleichmäßig fließendem Atem warf man sich im Dreierspiel herrlich unbekümmert die 'Bälle' zu. Dazwischen stellten sich die Akteure solistisch vor. Begleitet wurden sie von Andreas Schulz, der sich am Bechstein-Flügel als solider, elegant anschlagender Mitspieler entpuppte. Als intensiverer Mitgestalter profilierte er sich im 1. Satz des Beethoven-Trios für Klarinette, Fagott und Klavier.
Auch für die anderen galt: Sie führten nicht nur gut beherrschte Technik, sondern auch Ausdruck vor. Wie Klarinettistin Magdalena Faust in einer zwischen Neoromantik und Swing reizvoll pendelnden Sonatine von Joseph Horovitz. Oder Fagottist Paul-Georg Straka, dem in schier atemberaubenden Sätzen einer Telemann-Sonate fast die Puste auszugehen schien. In der Ballade von Frank Martin und dem Concertino von Cécile Chaminade überzeugt die Flötistin Hanna Keller als souveräne Gestalterin mit klarem, geradlinigem Ton. Sie alle genossen das (Beifalls-) Bad in der Menge."
Märkische Oderzeitung, Peter Buske, 06.07.2010



Uckermärkische Bühnen Schwedt, 19.6., A Tribute To Glenn Miller, Andrej Hermlin und sein Swing Dance Orchestra

"Selten hat man Swing live so authentisch gehört... Starke Bläser, präzise Satzarbeit und ausgezeichnete solistische Beiträge bestimmten das Schwedter Konzert."
Märkische Oderzeitung, Eca-Martina Weyer, 23.06.2010



Erlöserkirche Potsdam, 13.6., Eröffnungskonzert, Alban Gerhardt, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Ingo Metzmacher

"Was für den Dirigenten zu einer grandiosen Abschiedsaufführung wird, erweist sich als verheißungsvoller Beginn der 20. Brandenburgischen Sommerkonzerte."
Der Tagesspiegel und Potsdamer Neueste Nachrichten, Babette Kaiserkern, 15.06.2010



Erlöserkirche Potsdam, 13.6., Eröffnungskonzert, Alban Gerhardt, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Ingo Metzmacher

"Den Beginn machte Claude Debussy, der seine 'Préludes à l'après-midi d'un faune' (...) im Jahr 1894 fertig stellte. (...) Sehr einsichtig strukturiert gespielt und von Metzmacher feinnervig dirigiert.
[...] Nach der Pause kam der Ohrwurm der Programmmusik in Gestalt der 6. Sinfonie ... von Beethoven. (...) Diese heitere Beschwingtheit hielt sich in Metzmachers Interpretation auch über Unbill wie Gewitter und Strum hinweg, und die frohen und dankbaren Gefühle nach dem formidablen Intermezzo entsprachen ganz der besonderen Qualität dieses Eröffnungskonzertes."
Märkische Allgemeine Zeitung, Matthias Müller, 15.06.2010



Zum Jubiläum der Brandenburgischen Sommerkonzerte

"Alle drei [brandenburgischen] Festivals sind im Zuge der Wiedervereinigung entstanden und begehen deshalb jetzt ihr 20-jähriges Jubiläum. Ein Fazit: Es sind durchweg Erfolgsgeschichten – Höhepunkte, Krisen und stagnierende Budgets eingeschlossen. Wobei in den Grußwörtern der Politiker gern der falsche Akzent betont wird. So lobt Ministerpräsident Matthias Platzeck bei den Brandenburgischen Sommerkonzerten zuerst die seit 20 Jahren beständig steigenden Besucherzahlen. Wachstum klingt immer nach einer Erfolgsgeschichte. Tatsächlich aber begaben sich Ende der Neunzigerjahre die meisten 'Klassiker auf Landpartie', die Sommerkonzerte waren ausgeufert bis ins Weihnachtsfest hinein. Um die Jahrtausendwende stürzte das Festival in eine Sinnkrise und musste sich in Bescheidenheit neu erfinden. Die Fähigkeit, neue Ziele zu formulieren, ist die eigentliche Erfolgsgeschichte. 'Die ersten Landpartien hatten immer auch etwas Kultur- Imperialistisches an sich", sagt der heutige Leiter Thomas Schmidt-Ott: 'Die West-Berliner zogen aus, um das verloren geglaubte Land wieder zu entdecken.' Der Begriff Landpartie wird heute nur noch am Rande geführt, die Macher fühlen sich eher als Kulturdienstleister im Land Brandenburg. [...]

Die Sommerkonzerte richten sich jetzt strukturell nach ihrem Hauptsponsor Sparkasse aus – die Konzerte sind kulturpolitisch korrekt übers Lanmd verteilt. Das heimische (Sparkassen-) Publikum teilt sich jetzt die Plätze mit den Klassikern auf Landpartie. Das ist genau genommen die beste Vereiningungsgeschichte."
Die Welt, Volker Blech, 19.06.2010



Zum Jubiläum der Brandenburgischen Sommerkonzerte

"Das Experiment Sommerkonzerte ist geglückt."
Lausitzer Rundschau, Renate Marschall, 12.06.2010



Zum Jubiläum der Brandenburgischen Sommerkonzerte

"In den ersten Jahren waren es echte Abenteuer-Trips. Expeditionen ins Unbekannte, über löchrige Buckelpisten in eine Region, die jahrzehntelang von der Insel Berlin (West) abgeschnitten gewesen war. Neben der Landkarte und Fontanes 'Wanderungen durch die Mark Brandenburg' hatte man besser auch immer einen Picknick-Korb dabei – denn das gastronomische Angebot war noch weit entfernt vom Anschluss ans Weltniveau.
Und doch waren diese ersten Ausflüge der Mauerstädter ins Umland berauschende Erlebnisse, getragen von ungebremster Entdeckerfreude und Wiedervereinigungseuphorie. In diesem ersten Nachwende-Sommer schlug die Geburtsstunde der Brandenburgischen Sommerkonzerte. Die Idee von Werner Martin, im Hauptberuf eigentlich Anwalt, war von Anbeginn die Begegnung zwischen Ost und West, zwischen Stadt und Land, Kunst und Natur. Zunächst waren die musikalischen Landpartien eine sehr berlinerische Angelegenheit: Man fuhr mit dem Sonderzug oder dem Reisebus zum Zielort, lief in geführten Grüppchen staunend, oft auch erschrocken, durch marode Altstädte, vorbei an bröckelnden Fassaden, über triste Plätze, bis hin zur Kirche oder zum Herrenhaus des Ortes, wo Stärkung winkte in Form der Kaffeetafeln, die von lokalen Hausfrauen mit Gebrühtem und Gebackenem beschickt wurden. Nach dem Konzert war man oft froh, wieder in die plötzlich so wohlhabend erscheinende Metropole zurückzukehren. Ein leichter Hauch von Imperialismus schwang da durchaus mit, das Gefühl der Kulturlandverschickung: Wir bringen den Dörflern Hauptstadtniveau – und uns gleich selber noch mit.
Doch so, wie sich im Lauf der Zeit die Sommerkonzerte zu einem Fixpunkt in der Planung kulturbegeisterter Hauptstädter mauserten, ließen sich von Jahr zu Jahr auch immer deutlicher die Segnungen des Aufbau Ost nachvollziehen. Heute sind die Straßen perfekt, die Infrastruktur funktioniert, und Geschäftsführer Arno Reckers kann stolz darauf verweisen, dass bei vielen Konzerten nur noch die Hälfte der Besucher aus der Hauptstadt anreist. Die übrigen Tickets an die Leute werden vor Ort verkauft.

Immer sonnabends und sonntags bieten die Sommerkonzerte von Ende Juni bis Anfang September ihre Tagesseminare in Entschleunigung an, 20 000 Tickets werden jedes Jahr verkauft, über 500 Konzerte mit rund 9000 Künstlern waren seit 1990 zu erleben, an 200 verschiedenen Spielstätten. In diesem Jahr sind zehn neue Orte dabei: Strausberg, Neustadt an der Dosse, Calau, Großkmehlen, Briesen (Spreewald), Dissen, Kolkwitz, Pritzwalk, Guben und Ribbeck (Havelland). Viele von diesen Fleckchen brandenburgischer Erde würde wohl kaum ein Berliner für sich entdecken, wenn es den Katalysator der Sommerkonzerte nicht gäbe. Das Festival ist immer wieder ein guter Anlass, sich auf den Weg zu machen, um jenseits von Neonaziterror und Stasiverstrickungen ein Brandenburg zu suchen, wie es sich Friedrich der Große erträumte: aufgeklärt und kunstsinnig, heiter und polyglott.

In diesem Jahr beginnt das Festival am 13. Juni in der Erlöserkirche Potsdam mit einem Auftritt des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin. Dieses Konzert gibt die Richtung des Jubiläums- Programms vor: Dem künstlerischen Leiter der Sommerkonzerte, Joachim Pliquett, ist es nämlich gelungen, 2010 zu einem echten Orchesterfest zu machen. Standen in bisher vor allem kammermusikalische Formationen im Mittelpunkt, so wird diesmal der sinfonischen Opulenz gehuldigt. Alle vier Klangkörper der Berliner Rundfunk Orchester und Chöre GmbH sowie die großen brandenburgischen Orchester werden bis zum 11. September dabei sein.

Zu einem Höhepunkt dürften auf jeden Fall am 22. August der Auftritt des Berliner Rundfunkchors sowie des Rundfunk- Sinfonieorchester Berlin in der Pritzwalker Nikolaikirche werden, bei dem Marek Janowski Schuberts As-Dur-Messe dirigiert. Was für ein erstaunliches Niveau sich die Brandenburger Symphoniker mit ihrem Chefdirigenten Michael Helmrath erarbeitet haben, ist am 29. August 2010 in der Marienkirche von Beeskow zu erleben. Das Konzert der Kammerakademie Potsdam mit dem Klarinettisten Paul Meyer am 24. Juli in der Luckauer Nikolaikirche hat einen prominenten Moderator: nämlich den früheren brandenburgische Innenminister Jörg Schönbohm. Populäre Großereignisse schließlich sollen die Open-Air-Konzerte am 10. Juli auf dem Landgestüt in Neustadt/Dosse sowie am 7. August im Schlosspark Stechau werden."
Der Tagesspiegel, Frederik Hanssen, 28.03.2010

 

Pressestimmen 2009

Erlöserkirche Potsdam, 6.9., Abschlusskonzert, Victor Aviat, Polnische Kammerphilharmonie Sopot, Wojciech Rajski

"(...) Victor Aviat, der für Clara Dent einsprang, [war] mehr als nur Ersatz. Der 28-Jährige machte Richard Strauss’ Konzert für Oboe und kleines Orchester in D-Dur zu einem herrlich frechen und eloquent heiteren Streitgespräch zwischen dem Orchester und seiner Oboe.
Victor Aviat nahm den scheinbar nicht enden wollenden Parforceritt durch dieses Hochvirtuosengebirge mit Leichtigkeit und wunderbar modulationsfähigen Ton. Die polnische Kammerphilharmonie Sopot unter Wojciech Rajski gab ihm einen genügsamen Gegenpart. Schnörkellos und detailgenau, gelegentlich mit sattem Schmelz und strengem Pathos. Ein zurückhaltender Antreiber, als wolle er die Oboe um maßvolle Konversation bitten. Doch dazu ließ Aviat sich nur selten zwingen. Und so gehörten die Höhepunkte in diesem Konzert seinen immer wieder wilden Ausflügen, mal ironisch vor sich hin plappernd, dann wieder keck das ganze Orchester herausfordernd.
Doch von solchen Spielchen ließen sich die polnischen Musiker wenig beeindrucken. Wie in der einführenden Ouvertüre 'Ruy Blas' von Felix Mendelssohn-Bartholdy und der abschließenden Sinfonie Nr. 5 in c-Moll von Ludwig van Beethoven gab sich das Orchester äußerlich streng, fast schon reserviert. Die Emotion gehörte allein der Musik. Und hier sorgte das Orchester für wahren Genuss. Straff und klar, kraftvoll und akzentuiert, mal herrlich leisetretend, dann wild aufbrausend Mendelssohns Ouvertüre, bei der es keine Zeit zu vergeuden galt.
Und Beethovens bekannte Fünfte? Auch die in der Spielart dieser Musiker ein Genuss. Herrlichste Kraftmeierei, die Wojciech Rajski gut am Zaume hielt und gelegentlich toben ließ. Da baute sich Großes, Mächtiges und Erhabenes auf. Und so ließ man sich überrollen von dieser musikalischen Wucht, ließ sich Beethoven um die Ohren hauen, bis fast die Freudentränen kamen. Das Publikum in der gut gefüllten Erlöserkirche dankte mit viel Applaus."
Potsdamer Neueste Nachrichten, Dirk Becker, 08.09.09

 

Erlöserkirche Potsdam, 6.9., Abschlusskonzert, Victor Aviat, Polnische Kammerphilharmonie Sopot, Wojciech Rajski

"Dass die Erlöserkirche ausverkauft war, war bei den vielen parallelen Veranstaltungen kaum fassbar. Insgesamt konnten die 'Brandenburgische Sommerkonzerte' auf 20 000 Gäste in dieser Saison zu Recht Stolz sein, und der Veranstalter resümierte auch gleich eingangs die gelungene Saison. Unter den Gästen befanden sich auch der evangelische Landesbischof Wolfgang Huber und Kulturministerin Johanna Wanka.
Bei der musikalischen Gestaltung des Abends lag die Verantwortung bei der 'Polnischen Kammerphilharmonie Sopot' unter Leitung von Wojciech Rajski, und sie spielten bis auf die etwas strapazierte 5. Sinfonie von Ludwig van Beethoven tatsächlich echte Raritäten aus dem Konzertalltag. Die Konzertouvertüre 'Ruy Blas' nach einem Drama von Victor Hugo des jungen Felix Mendelssohn Bartholdy wurde musikalisch einwandfrei mit vollem Orchesterklang dargestellt.
Im zweiten Programmpunkt blieb aus der Vielzahl der Musiker nur eine kammerkonzertante Besetzung im Altarraum der Kirche sitzen, denn Richard Strauss hatte für sein spätes Oboenkonzert nur ein 'Kleines Orchester' vorgeschrieben. Der 1982 in Montpellier geborene, international gefeierte Oboist Victor Aviat war hier für die ursprünglich eingeplante, aber kurz vor der Entbindung stehende Clara Dent eingesprungen. Ein Werk voller Sinnlichkeit komponierte 1945 der 81-jährige Richard Strauss. Entfernt von klanglichen Expressionen und schroffen Akkorden entdeckt der Hörer hier ein heiteres Alterswerk, das im zweiten Satz Züge mozartscher Melodieerfindung birgt. Einfühlsam vom Solisten und Orchester gestaltet, mit schönen Wechseln zwischen Solo und Tutti war das eine in der Tat nur selten gehörte Köstlichkeit.
Der Beethoven nach der Pause zeigte wenig neue Erkenntnisse. Diese so genannte 'Schicksalssinfonie' war schon inspirierter, unter Beachtung einer kritischeren Lesart der Partitur und durchweg schwunghafter in Potsdam zu hören. Alles in allem aber ein gelungenes Finale der Sommerkonzerte.
Märkische Allgemeine Zeitung, Matthias Müller, 08.09.09

 


Nikolaikirche Luckau, 30.8., Alte Welt trifft Neue Welt, Pianoduo Genova & Dimitrov

"In einer hallenden Kirchenakustik ist Klavierspiel immer problematisch, bei einem Klavierduo verschärft sich das Problem noch, so dass die feinsinnigeren Ravel-Klänge doch weitgehend im Morgennebel verblieben, während die Ekstatik des Tanzes donnernd verstärkt wurde.
Die auf das Ravel-Stück folgende Liszt-Paraphrase über Mozarts 'Don Giovanni' profitierte von der Bekanntheit des thematischen Materials und machte dank der brillant zusammenspielenden Pianisten, dank ihrer virtuosen Sicherheit und vieler schön herausmusizierter Pointen bis zu einem gewissen Grade Spaß, aber die Luftfeuchtigkeit am Sonnabendnachmittag setzte der Stimmung der beiden Flügel doch immer deutlicher hörbar zu.
Nachdem der Klavierstimmer in der Pause in Windeseile sein Werk getan hatte, überraschten Leonard Bernsteins 'Sinfonische Tänze' aus der 'West Side Story' in mehrfacher Hinsicht. Die Klaviere klangen deutlich brillanter und die Tanzsuite erwies sich als ein intelligent durchkomponiertes, in sich geschlossenes Werk der musikalischen Moderne mit hohem intellektuellen Anspruch. Nichts da mit einem kleinen flotten Medley, das Stück befriedigte durchaus die Ansprüche eines in der langen Konzert-Tradition der Alten Welt geübten Kammermusikpublikums. Genova & Dimitrov legten es auch durchaus darauf an, Bernsteins verzwickte, gar nicht so volkstümliche Seite zu zeigen. Kaum je kamen bei harten Staccati und der fern der bekannten Melodien verlaufenden Entwicklungen Assoziationen an das zwar tragische, aber doch schmissige Musical auf. Kleine vorüberwehende Erinnerungen an 'Somewhere' und ein leise verklingender Schluss blieben noch am ehesten bei der New Yorker Romeo-und-Julia-Geschichte.
Ganz ähnlich, wenn auch nicht so widerständig das Schlussstück, eine 'Porgy & Bess Fantasy'. Man durfte Vergleiche zu Bernstein anstellen und: Schon die vier Cellisten des Rastrelli-Quartetts erfreuten mit Gershwins Dauerbrenner in diesem Sommer im südlichen Brandenburg. Genova & Dimitrov waren ein wenig genauer und abgefeimter im Umgang mit diesem Material, das von Percy Grainger zum Konzertstück umgearbeitet und für zwei Klaviere gesetzt wurde. Es verfehlte nicht seine Wirkung; die Künstler bedankten sich für herzlichen Beifall mit zwei Zugaben."
Lausitzer Rundschau, Irene Constantin, 02.09.09

 


Nikolaikirche Bad Freienwalde, 15.8., Mendelssohn und die englische Romantik,
Bálint Karosi, Ensemberlino Vocale, Ralf Sochaczewsky, Matthias Stoffels

"Sie waren angetreten, um Felix Mendelssohn Bartholdy und seinen englischen Zeitgenossen nachzuspüren und ihren Zuhörern fast unbekannte Meisterwerke der Romantik nahezubringen. Das ist dem Berliner Kammerchor Ensemberlino Vocale und dem ungarisch-amerikanischen Organisten Bálint Karosi (...) auch gelungen. In der vollbesetzten Bad Freienwalder Nikolaikirche entführte das Ensemble unter der musikalischen Leitung von Ralf Sochaczewsky und Matthias Stoffels sein Publikum auf eine romantische Zeitreise vom 16. Jahrhundert bis in die Moderne. (...) Die Sänger und Sängerinnen des Ensemberlino Vocale [schafften es], alle Augen, Ohren und Herzen zu verzaubern und in ein schwingendes Traumland zu begleiten.
Eine Zäsur, doch nicht minder wertvoll, war das vom ungarischen Starorganisten Bálint Karosi gespielte Orgel-Solo von Felix Mendelssohn Bartholdy (...). Während des Musiknachmittages der Brandenburgischen Sommerkonzerte in der St. Nikolai Kirche wechselten sich der Chor mit seinen A-Cappella-Stücken (...) mit den Soli des Organisten Karosi ab, der (...) mit der Orgelsonate Nr. 2 und dem Präludium von Bach brillierte. Eine Zusammenführung des Chores und des Organisten fand als Höhepunkt im letzten Stück von Samuel Sebastian Wesley 'Ascribe unto the Lord', ein prachtvolles romantisches Werk, das eine gefühlvolle Religiosität offenbarte. Das Publikum war begeistert von den englischen Werken, die hierzulande selten zu hören sind."
Märkische Oderzeitung, Oliver Fliesgen, 17.08.09

 

Nikolaikirche Oranienburg, 9.8., Tango im Blütenmeer, Cuarteto Rotterdam

"Ob die Mauern der Oranienburger Nicolaikirche je einen solchen Ansturm von musikalischer Kraft und Zärtlichkeit, Leidenschaft und Melancholie umfassten? Hoch loderten die Flammen eines Klang-Feuerwerks, das sich aus Virtuosität, raffinierten Arrangements, aus Expressivität genauso wie aus romantisch-einfühlsamer Interpretation speiste. Die etwa 600 Besucher, die zeitweise den Atem anzuhalten schienen, und die sich am Schluss des Konzertes mit Bravo-Rufen Luft machten, erlebten den Tango in mitreißender, künstlerisch anspruchsvoller und ausdrucksstarker Form. Und sie erlebten ihn im Wechsel von Tanz- und konzertantem Stil. (...)
Cuarteto Rotterdam nennt sich das weltweit aufspielende Quartett, das 2004 von Studenten der Rotterdam Academy for World Music gegründet wurde. Von großer Hingabe zeugte die Interpretation von Judy Ruks, der einzigen Niederländerin im Ensemble. Sie lebte ihre Liebe zum Tango am Klavier aus, mit atemberaubenden Läufen und mühsam gebremstem Temperament. 'Wundervoll', 'großartig' und 'grandios' schwärmten die Besucher nach dem Konzertnachmittag."
Märkische Allgemeine Zeitung Oberhavel, 11.08.09, Rotraud Wieland

 

Klosterkirche Zinna, 8.8., Vier Farben Klang, Quartetto di Cremona

"Der Applaus war unnachgiebig und fordernd. Als die vier jungen Streicher des italienischen Quartetto di Cremona auf die Bühne zurückkamen, um noch eine Fuge von Bach zu spielen, wurde er noch tosender und lauter, bis er mit dem Heben der Bögen abrupt verstummte.
Fast zwei Stunden lang hatten sie Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy und Joseph Haydn gespielt. Mit kreischenden Tönen und dumpfem Klopfen beschworen sie die Düsternis in Dimitri Schostakowitschs Streichquartett Nr. 13 und hoben diese mit (...) Leichtigkeit (...) wieder auf.
'So dunkel habe ich Schostakowitsch noch nie gehört. Dieses Konzert war großartig', sagte die Jüterbogerin Carola Lange. Großartig fand auch Richard Kratzert die Darbietung der international gefeierten Männer. Gemeinsam mit seiner Frau war der Rentner aus Berlin gekommen, um das Konzert zu besuchen. 'Musik ist unsere Leidenschaft, ohne sie wäre das Leben gar nicht denkbar und die Auswahl der Stücke hier ist die kleine Reise auf jeden Fall wert', sagte er.
Die Veranstaltung soll mehr sein als ein Forum für Musik. Die Musik soll die Menschen in die Orte holen, aufmerksam machen und eine Verbindung schaffen, so Ingrid Rosenzweig vom Freundeskreis der Brandenburgischen Sommerkonzerte in Kloster Zinna.
Wo hat man schon die Möglichkeit in so einer Atmosphäre vor einem solchen Konzert an einer Kaffeetafel zu sitzen?' fragte sie. Viele Gäste hatten es sich auf der Wiese vor der Kirche bequem gemacht, andere saßen auf den Bänken, tranken Wein oder Kaffee und aßen Suppe aus der Gulaschkanone, die der Freundeskreis bereitgestellt hatte."
Märkische Allgemeine Zeitung Teltow-Fläming, 10.08.09, Marion Schulz

 

Marienkirche Bernau, 2.8., (Weltklasse)², Jan Vogler, Martin Stadtfeld

"Jan Vogler spielt Bachs Melodien mit der nötigen Disziplin und gleichzeitig mit geradezu religiöser Inbrunst. Dieser Eindruck wird noch verstärkt durch das massive Kreuz, unter dem sich der Flügel Martin Stadtfelds und der Stuhl des Cellisten befinden. Die virtuosen Linien von Bachs Kompositionen werden vom Pianisten und Cellisten mit Leichtigkeit verwoben zu einem vergeistigten musikalischen Dialog. Das Andante in der D-Dur-Sonate ist eine musikalische Andacht, ein Zwiegespräch zwischen den Musikern und einem höheren Wesen.
(...) Die Sonate in D-Dur op. 102 Nr. 2 [von Beethoven] beginnt mit dem Allegro voller Dramatik und Ergriffenheit, was Jan Vogler mit großem Nachdruck umsetzt. Im Adagio lässt Martin Stadtfeld düstere Akkorde aus dem Klavier tropfen, eine absteigende Melodie des Cellos bekräftigt die endzeitliche Stimmung dieses Satzes. Im wahnwitzigen Allegro fugato schließt sich die musikalische Rolle rückwärts von Beethoven zu Bach, dem Meister der Fuge.
Äußerst lyrisch und fast jazzmäßig klingt das Allegro non troppe von Dmitri Schostakowitschs Sonbate in d-Moll op. 40. Einsame Pianissimio-Akkorde, wie von einem Bill Evans und dazu sparsame weite Melodiebögen im Cello. Das Werk hat im weiteren Verlauf sowohl minimalistisch perkussive als auch volksmusikalische Elemente, die von Stadtfeld und Vogler mit viel Engagement genommen werden. Erst nach zwei weiteren Zugaben entlässt das enthusiastische Publikum das Duo in den lauen Sommerabend von Bernau."
Märkische Oderzeitung, Oliver Hafke Ahmad, 04.08.09

 

Schlosspark Stechau, 1.8., Sinfonisches Feuerwerk, Jiří Vodička, Kammerorchester des Tschechischen Nationaltheaters Prag, Petr Vronský

"Jedes der Musikstücke des Abends schien wie eigens für die Kulisse mit Schloss, alten Eichen und romantisch wolkenverhangenem Mond komponiert. Inklusive des nächtlichen Feuerwerks zu Händels gleichnamiger Musik waren die Programmpunkte 'lauer Abend', 'exklusive Location' und 'zauberhaftes Ambiente' allerbestens bedient.
Doch auch musikalisch-künstlerische Ansprüche durfte man stellen und sie wurden erfüllt. Es musizierte das international renommierte Kammerorchester des Nationaltheaters Prag unter Petr Vronský, und als Solisten für das Mendelssohn-Konzert hatten die Böhmen eines ihrer allergrößten Talente mitgebracht, den erst 21-jährigen Geiger Jiří Vodička.
Obwohl die Musik für über 2000 Zuhörer im Freien natürlich nur über elektronische Verstärkung zu realisieren ist, war doch erkennbar, was für ein wunderbarer Musiker da heranwächst. Jiří Vodičkas Geigenton ist absolut perfekt. Kein Kratzer, kein übermäßiger Bogendruck trübt den seidigen und dennoch klaren Klang; der junge Vodička ist sozusagen der geigerische Gegenentwurf zu dem eine Generationen älteren Töne-Wühler Gidon Kremer. Bei Jiří Vodička ist alles maßvoll, rund und doch nicht langweilig. Er spielt Höhepunkte mit einer spannungssteigernden Bedachtsamkeit an, kostet die Schönheiten bis in kleinste Details aus, brilliert nicht nur mit den glänzenden Hauptthemen, sondern auch mit den gern im Musikfluss überhörten Nebensachen – dem Beginn der Durchführung, dem träumerischen Übergang zur Kadenz im ersten Satz, dem singend gesponnenen Ton der Violine im langsamen Satz, den perlenden kleinen Noten im Schlusssatz beispielsweise. Die gesamte Interpretation des Violinkonzerts ließ deutlich werden, dass Mendelssohn kein wahrer Romantiker, sondern ein fantasievoller Klassizist ist, eher ein Nachfahre Mozarts als Beethovens. Natürlich wurde dem jungen Geiger eine Zugabe entlockt: Paganinis 24. Caprice.
In der gleichen unaufgeregten Art wie das Violinkonzert hatte Petr Vronský mit seinem Orchester die Interpretation der Mendelssohn-Sinfonie A-Dur angelegt. Auch sie klang keineswegs ambitioniert-verkunstet, sondern eher wie eine Serenade auf einem nächtlichen Platz in Neapel. Oder doch lieber wie eine Serenade irgendwo in Prag? Es ist einfach unnachahmlich, wie Musiker aus dieser Weltgegend mit einer allerwinzigsten Verzögerung die Höhepunkte melodischer Phrasen anspielen, wie ihnen noch jeder Viervierteltakt ins Tänzerische gerät. Oboe und Klarinette bekamen schon nach dem ersten Stück genau dafür berechtigten Sonderbeifall.
Am Schluss Händel, breit und mächtig und mit Feuerwerk. Alles wie es sein soll in Stechau."
Lausitzer Rundschau, Irene Constantin, 04.08.09

 

Evangelische Peter-und-Paul-Kirche Senftenberg, 26.7., Samt und Saite, Rastrelli Cello Quartett

"Ein traumsicheres Zusammenspiel war zu erleben, eine gemeinsam geatmete Leichtigkeit des Musizierend uns eine vor allem auf den exzellenten ersten Cellisten Kiryll Krawtsow zugeschnittene Virtuosität. Dass alle (...) gespielten Stücke jedem einzelnen Musiker sozusagen persönlich in die Finger und auf die Saiten komponiert schienen, liegt am Arrangeur ihres gesamten Repertoires, Sergej Drabkin, dem Senior und vierten Cellisten(...)
Aus der Abteilung 'Samt' stammten die ersten Werke des buntgemischten Programms, das Befürchtetes ('Hummelflug', 'Yesterday') nicht enthielt, dafür aber überraschend Erfrischendes brachte. Das Konzert begann mit einer barocken Toccata, bei der man erfahren konnte, wie unfassbar leise und dabei doch singend ein Cello gespielt werden kann. Ein bisschen Romantik folgte mit einem schön ausgesungenen langsamen Quartettsatz von Peter Tschaikowski – schließlich mussten die Celli wenigstens einmal zeigen, warum sie in der Oper stets das Liebesduett begleiten – und dem hinreißend duftig und zauberisch vorgetragenen Scherzo aus Felix Mendelssohn Bartholdys 'Sommernachtstraum'-Musik. [...]
Die nächste cellistische Unerhörtheit kam aus Georgien, Sulchan Zinzadses 'Georgische Volkssuite'. Bei den ungeraden und schier regellosen Taktarten und Rhythmen aus dieser Weltgegend wehte Exotik in die Senftenberger Gotik. Die vier Celli gaben sich als kaukasische Dudelsäcke, Schalmeien oder Balalaikas. Borduntöne dröhnten in Sekundreibungen, als klänge eine mittelalterliche Radleier. Ein Tanz raste, gegen den Rock'n'Roll etwas für Senioren ist. Dazwischen, unerhört sentimental, ironisch zuckersüß dahingefiedelt, das Liedchen 'Suliko', bekanntlich das Lieblingslied des georgischen Generalissimus. [...]
Danach kam noch eine Suite, Stücke aus 'Porgy and Bess' von George Gershwin. Eine Hitparade von der allerbekanntesten Sorte – dachte man so. Es war indessen ein durchkomponiertes Werk zu hören, das die bekannten Melodien zwar enthielt, das aber durch nahezu sinfonische Überleitungen, hochvirtuose Kadenzen und ein Wechselspiel von Solo und Tutti fast zu einem Cellokonzert wurde. Bravourös."
Bei 'Night TRain' und 'Take Five' taten die Celli, was sie konnten, um wie eine Jazzband zu klingen, und die Cellisten handhabten die hochseriösen Instrumente, als würde man auf ihnen nie etwas anderes spielen als Jazz. Ein Abend der Überraschungen, der Klangschwelgerei und der stupenden Virtuosität."
Lausitzer Rundschau, Irene Constantin, 28.07.09

 

Laurentiuskirche Rheinsberg , 25.7., Kammermusik am Hofe Friedrichs des Großen, Epoca Barocca

"Es war hinreißend, wie im gemeinsamen Musizieren Alessandro Piqué seiner Oboe, Katrin Lazar ihrem Fagott sowie Hartwig Groh seiner Viola da Gamba und Harald Hoeren dem Cembalo Klänge Jahrhunderte alter Kompositionen entlockten. (...)
Ein besonderes Erlebnis vermittelte der Cembalist Harald Hoeren mit einem Thema aus Bachs Musikalischem Opfer, dessen Ursprung auf den Preußenkönig zurückgeht."
Ruppiner Anzeiger, Ruth Eberhardt, 28.07.09

 

Haus der Offiziere Wünsdorf, 19.7., Russischer Tag, Vladimir Stoupel, Judith Ingolfsson, Friedemann Ludwig

"Und so ist der alte Kultursaal für einen Nachmittag nicht nur offen, sondern auch bis fast zum letzten Platz gefüllt: die Brandenburgischen Sommerkonzerte haben ein russisch-isländische-deutsches Ensemble (...) für ein Programm verpflichtet, wie es hier im Rahmen der kulturellen Truppenbetreuung auch schon zu Zeiten der 'verbotenen Stadt' erklungen sein mag: Tschaikowskis großes a-Moll-Klaviertrio als Repräsentanzstück des russischen Weltkulturerbes und das e-Moll-Trio Schostakowitschs (...) als verstörend-beunruhigender Bote näherer Gegenwart.
Letzteres könnte man heute, im Wissen um Schostakowitschs innere Zerrissenheit und seine heikle, lange existenziell gefährdete Stellung im und zum Regime Stalins, vielleicht sogar noch deutlicher artikulieren und heraushören – wenn denn die drei Interpreten auf einen Nenner gekommen wären; doch die Balance zwischen herber Sachlichkeit und pathetisch klagender Gefühligkeit bleibt unausgegoren. Auch beim älteren Stück wirken manche Binnenpausen, Tempo- und Dynamikzurücknahmen arg überdehnt und theatralisch; zu viel dick gepinselte russische Seele, zu wenig Knochengerüst.
Dennoch kommt der Romantiker insgesamt geschlossener und homogener – eine traurig flutende, wehmütige Elegie und damit (...) famos auf die verstaubt-abgewrackte Heruntergekommenheit des Ortes gestimmt, die man an diesem Tag auch auch in einigen sonst nicht zugänglichen Bereichen erleben konnte: sei es im letzten noch erhaltenen der ehemals zwölf auf dem Areal verteilten Hallenschwimmbäder, dessen trocken gelegtes Becken wie ein Symbol fürs Ganze wirkt, sei es in den langen, verödeten Fluren des ehemaligen Hauses der Offiziere, wo noch letzte Freskenreste von der einstigen Mission der Befreiungs- und Besatzungsarmee künden."
Dresdner Neueste Nachrichten, Gerald Felber, 24.07.09

 

Haus der Offiziere Wünsdorf, 19.7., Russischer Tag, Vladimir Stoupel, Judith Ingolfsson, Friedemann Ludwig

"Besucher kamen viele. Sie bestaunten das weitläufige Terrain, den morbiden Charme bröckelnder Fassaden. 'Man muss kein Fachmann sein, um zu bemerken, hier bräuchte es dringend einen potenten Investor', sagte jemand. 'Jedes Jahr Leerstand ist ein Jahr zu viel.'
Im einst prächtigen Festsaal wirkt die Bestuhlung abgeschabt, der Teppichboden ist vom Gebrauch vieler Füße gezeichnet. Ausgezeichnet ist nach wie vor die Akustik. (...)
Arno Reckers von der Geschäftsführung der Brandenburgischen Sommerkonzerte freute sich, so hochkarätige Künstler (...) begrüßen zu können. Im Saal nebenan, mit deutlich schlechterer Akustik, sprach Gregor Gysi über den Fall der Mauer aus seiner Sicht. Dicht gedrängt lauschten die Zuhörer. Die selbstironische und intelligente Rhetorik des Politikers zog sie in den Bann."
Märkische Allgemeine Zeitung Zossen, Gudrun Ott, 21.07.09

 

Uckermärkische Bühnen Schwedt, 12.7., Festliche Bläsermusik, SemperBrass Dresden

"Statt erwarteter schmetternd-strahlender Schärfe hörte sich der Hit [Te Deum von Charpentier] höchst kultiviert an.
Weich getönt, rund und strahlkräftig, voluminös, dennoch überraschend transparent sowie sorgsam auf Feinheiten bedacht vollzog sich der nachfolgende Streifzug (...)
Bläserische Wonnen bestimmten nach der Pause Griegs grotesken 'Zug der Zwerge' und Debussys liebliches Porträt eines 'Mädchens mit flachsfarbenem Haar'. In der 'Wagneriana' durfte man sich am Erkennen von Leitmotiven aus der Wagner'schen Opernküche versuchen. Erkennbare Zutaten: Siegfrieds Rheinfahrt, Rienzis Gebet."
Märkische Oderzeitung, Peter Buske, 14.07.09

 

Marienkirche Herzberg, 11.7., Jauchzet dem Herrn alle Welt, Staats- und Domchor Berlin, Dennis Chmelensky, Kai-Uwe Jirka, Joachim Pliquett, Arvid Gast

"Der Trompeter Joachim Pliquett und der Organist Arvid Gast sind ein eingespieltes Team. (...) Trompete und Orgel fügten sich klanglich gut gemischt ineinander, ganz gleich ob Arvid Gast die lieblicheren Register zog oder mit vollem Klang das Kirchenschiff füllte. [...]
Der für einen dreistimmigen Frauenchor komponierte Satz 'Hebe deine Augen auf' aus dem Oratorium 'Elias' traf sogleich mitten ins Herz. Nicht umsonst 'Engelterzett' genannt, gewann diese Musik durch die Knabenstimmen des Chors eine unmittelbar anrührende klangliche Aura. Ebenso wirksam die 'Deutsche Liturgie', ein dreisätziges A-cappella-Stück. Auch hier wirktgen die Wechsel vom Tuttiklang zu solistischen Passagen besonders eindringlich.
Kai-Uwe Jirka hat seinen Chor nicht auf einen so instrumental präzisen und daher manchmal fast körperlosen Klang ausgerichtet, wie man ihn von den meisten der norddeutschen Spitzen-Knabenchören gewöhnt ist. Der Klang der Berliner mischt sich hörbar aus den einzelnen Stimmen der Männer und Knaben. Dadurch gewinnt er eine individualisierte Körperlichkeit und Farbigkeit, die besonders das Live-Erlebnis dieses Chors sehr reizvoll macht. Die vielen Wechselgesänge hoher und tiefer Stimmen (...) boten dem Chor beste Gelegenheit, gerade diese Facette zu präsentieren.
Prototyp der Sing- und Musizierhaltung dieses Chores ist der Knaben-Sopransolist Dennis Chmelensky. Seine gutausgebildete, reiche Stimme hat einen ganz unerfassbaren Klang, weder gleicht sie einer jungen Frauen, noch einer Männer- noch einer typischen Knabenstimme. Dieser künstlerisch-musikalisch schon sehr gereifte junge Musiker besitzt ein Instrument, dessen Vergänglichkeit dem Hörer in jedem Augenblick und bei jedem Ton fast schmerzlich bewusst wird. (...) Im Herzberger Konzert bestach er ganz besonders mit der ausgedehnten Solopartie aus der Hymne 'Hör mein Bitten', deren dramatische Anforderungen er mühelos bewältigte. Dennis Chmelensky und den speziell durch ihn mitgeprägten Chorklang so zu hören, wird einem nicht mehr lange vergönnt sein, schließlich ist der junge Sänger schon 14 Jahre alt."
Lausitzer Rundschau, Irene Constantin, 13.07.09

 

Dom des Oderbruchs Neuküstrinchen, 5.7., Grundton D – Benefizkonzert des Deutschlandfunks für die Denkmalpflege, Reinhold Friedrich, Mendelssohn KO Leipzig

"Um Punkt 17 Uhr sind nahezu alle Plätze der romanischen Kirche besetzt. Unter der Leitung von Gunnar Harms verzaubern das Mendelssohn Kammerorchester Leipzig und der Startrompeter Reinhold Friedrich ihr Publikum. Reinhold Friedrich spielt drei Trompeten-Soli mit virtuoser Genialität. Freundlich lächelnd nimmt er immer wieder Blickkontakt mit dem Publikum auf. Auf seiner Klappentrompete brilliert er insbesondere beim Trompetenkonzert in D-Dur von Georg Philipp Telemann. Das Zusammenspiel des jungen Ensembles des zu recht hochgelobten Mendelssohn Kammerorchesters Leipzig und Reinhold Friedrich ist eine musikalische Verbindung von höchster Qualität. Die Zuhörer bedanken sich zu den Klängen von Händel, Bach, Mendelssohn Bartholdy und Harrer mit langem und frenetischem Applaus, der auch nach zwei Zugaben des zweistündigen Konzerts nicht enden will."
Märkische Oderzeitung, Oliver Fliesgen, 08.07.09

 

Dom des Oderbruchs Neuküstrinchen, 5.7., Grundton D – Benefizkonzert des Deutschlandfunks für die Denkmalpflege, Reinhold Friedrich, Mendelssohn KO Leipzig

"Populär ist auch der aus dem Badischen stammende Trompeter Reinhold Friedrich. Der beeindruckte in Telemanns Trompetenkonzert mit einem geschmeidigen, bis in höchste Lagen butterweichen Ton und mit unangestrengter Virtuosität. ...
Begleitet wurden die Solisten vom Leipziger Mendelssohn Kammerorchester (...). Profilieren konnte es sich vor allem mit der schwierigen Streichersinfonie Nr. 13 vom Namensgeber Mendelssohn."
Märkische Allgemeine Zeitung, Antje Rößler, 11.07.09

 

Domstiftsgut Mötzow, 4.7., Count Basie Night, Pascal von Wroblesky, Bigband der Deutschen Oper Berlin

"Mitten im Big Apple, wie die New Yorker ihre Stadt nennen, konnte es kaum heißer sein als auf dem Domstiftsgut Mötzow am Sonnabend. Und aus New York kam auch die Musik, die 650 Zuhörer begeisterte: Swing und Jazz aus den 1930er/1940er Jahren, unter der Leitung von Rolf von Nordenskjöld dargeboten von der Bigband der Deutschen Oper Berlin. Die Brandenburgischen Sommerkonzerte 2009 haben es möglich gemacht. Bei gefühlten 40 Grad ging die Post ab im einstigen Lämmerstall zu Füßen des märchenhaft anmutenden Mötzower Gutshauses.
Mit 'Basie - Straight Ahead' von Sammy Nestico brachte die Bigband das Publikum sofort in Stimmung. Mit Spielfreude, fetzigen Soli und beeindruckendem Sound intonierten die Musiker viele Jazz-Standards (...) Und wenn ein Schlagzeuger mit einem Percussionisten in Wettstreit tritt, dann sprüht der Jazz Funken. 'Caught Speeding' hieß das Stück von Sammy Nestico, bei dem Percussionist Andreas Birnbaum und Schlagzeuger Rüdiger Ruppert (...) die Luft brennen ließen. Herrlich!"
Märkische Allgemeine Zeitung Brandenburg (Havel), Ann Brünink, 06.07.09

 

Nikolaikirche Putlitz, 27.6., Zauberhafte Melancholie, Ensemble Polyphonia, Erich Loest

"'Ein Roman über die Zeit ist nützlich', folgerte der gerade mit dem Deutschen Nationalpreis ausgezeichnete Schriftsteller. Er ist überzeugt, dass der große Geschichtsüberblick noch nicht vorhanden ist, 'denn wir stehen selbst in der Zeitgeschichte'.
Anschließend erlebten die Besucher ein Konzert von zauberhafter Melancholie, wie es der Titel bereits versprach."
Märkische Allgemeine Zeitung Prignitz, Christamaria Ruch, 29.06.09

 

Stadttheater Luckenwalde, 21.6., Filmharmonisches Konzert, Merlion-Quartett, Neon Jazz Quartett

"Zum Abschluss wurde den Besuchern noch ein 'filmharmonisches Konzert' geboten. Ernstz Lubitschs Stummfilm 'Die Bergkatze', eine turbulente Militärparodie, entstand drei Jahre nach dem Ersten Weltkrieg. Die musikalische Begleitung der frühen bewegten Bilder übernahmen zwei darauf spezialisierte Quartette. Das 'Merlion-Quartett' und das 'Neon Jazz Quartett' verliehen dem Stummfilm durch Klassik und Moderne, Jazzstandards, Eigenkompositionen und Improvisationen eine ganz eigene musikalische Sprache."
Märkische Allgemeine Zeitung Luckenwalde, Eileen Wenzel, 23.06.09

 

Staatstheater Cottbus, 20.6., Eröffnungskonzert, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Deborah Voigt, Ingo Metzmacher

"Doch zuvor gilt es ministerialen und vereinsvorsitzlichen Grußworten zu lauschen, die in der Erkenntnis kulminieren, dass Theodor Fontanes Wanderdorado in den kommenden Wochen 'ein überaus lohnenswertes Ziel der Klassiker auf Landpartie' sei, sozusagen eine Hoch-Zeit für die Sinne. Seelenverwöhnung ist also angesagt, wozu in Cottbus auch Führungen durch die historische Altstadt, der Besuch des Apothekenmuseums mit Hausschnapsverkostung oder der Plausch an der mittlerweile ja legendären Kaffeetafel gehören.
Nachdem der Musiker quietschendes Stühlerücken endlich beendet ist, kann sich die schillernde Klangpracht von Debussys sinfonischen Skizzen 'La mer' in ihren filigranen Strukturen entfalten. Dabei weben die Streicher einen durchsichtigen, farbenüppigen Seidenteppich. Ob von der Morgendämmerung auf dem Meer, dem Spiel der Wellen und ihrem Gespräch mit stürmischen bis zephyrsäuselnden Winden – stets wird in geradezu aufreizender Spiellust elegant und sinnlich musiziert. Als verklärter und sich beinahe unendlich verströmender Gesang breitet sich Mahlers Adagio-Satz (10. Sinfonie) aus, der in einem schmerzlichen Aufschrei der geschundenen Komponistenseele (...) mündet. Sehr beeindruckend.
An instrumentaler Zartheit und analytischer Sinnlichkeit kaum zu überbieten sind Vorspiel und Liebestod aus Wagners 'Tristan und Isolde', wobei sich die amerikanische Sopranheroine Deborah Voigt anfangs mit belkantistischem Schmelz, dann zunehmend dramatisch in glanzvolle Höhen jubiliert. Mühelos übertönt sie Fortissimoausbrüche des Orchesters, wobei sich ihre Stimme in gleichsam metallischer Panzerung vorzeigt."
Lausitzer Rundschau, Peter Buske, 23.06.09

 

Staatstheater Cottbus, 20.6., Eröffnungskonzert, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Deborah Voigt, Ingo Metzmacher

"Mit einer für Stammgäste überraschenden Neuerung gingen die Brandenburgischen Sommerkonzerte am Samstagabend in ihre 19. Saison. Erstmals feierten sie das Eröffnungskonzert nicht in eriner Kirche, sondern im einzigen Staatstheater des Landes – in Cottbus. Der künstlerische Leiter des Festivals, Joachim Pliquett, sah in dieser Ortswahl auch Chancen, die Vernetzung in der kulturellen Szene des Landes noch weiter voranzutreiben. [...]
Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin wirkte in dem hübschen kleinen Jugendstil-Theater mit Puppenhaus-Charme gleich doppelt klangmächtig. Sopranistin Deborah Voigt machte sich einen Augenblick lang Sorgen, dass der Raum gesprengt werden könnte, aber am Ende gab es Begeisterung, auch wenn in Eichendorffs Lied 'Im Abendrot' ausgerechnet bei der Frage 'Ist das etwa der Tod?' ein Handy plötzlich Schlagermusik machte.
Der Vorstandsvorsitzende der Konzerte, Thomas Schmidt-Ott, versprach für die kommenden Wochen 'ein Wonnebad im Osten und eine Hochzeit für die Sinne'. Wer Entschleunigung suche, sei in den malerischen Dorfkirchen genau richtig."
Der Tagesspiegel, Elisabeth Binder, 22.06.09

 

Pressestimmen 2008

Zur Bilanz der Brandenburgischen Sommerkonzerte 2008

"Gegründet, um den Westberlinern nach dem Fall der Mauer die Vielfalt der brandenburgischen Landschaften zu zeigen, beginnt sich das Anliegen des Festivals inzwischen zu verschieben. Mehr und mehr wird es ein Musikfest für die Brandenburger in ihren Regionen. Die Zuschauerzahlen zeigen dies deutlich: Je zur Hälfte werden die Karten in Berlin und im Lande verkauft. Das Konzert an der F 60 in Lichterfeld mit Max Raabe und dem Palastorchester, von den Veranstaltern als populärer Höhepunkt der Saison herausgestellt, hatte sogar zu zwei Dritteln ein Publikum aus der Umgebung.
(...) Den Hauptanteil der Finanzierung tragen die Brandenburgischen Sparkassen gemeinsam mit der Ostdeutschen Sparkassenstiftung als Sponsor. Dass es dabei nicht ausschließlich um die lebenswichtigen Finanzen geht, erklärte unlängst der Vorsitzende des Vereins Brandenburgische Sommerkonzerte, Dr. Thomas Schmidt-Ott. Der Ehrgeiz der Veranstalter und des Hauptsponsors sei es, das ganze Land im Spiegel der Konzert-Orte abzubilden, Treffpunkte zwischen den Menschen zu schaffen und mit den Beiprogrammen und Kaffeetafeln Gespräche zu ermöglichen. 'Unsere Kundschaft', so der Geschäftsführende Präsident des ostdeutschen Sparkassenverbandes, Carl Friedrich Holtmann, 'möchte ich gern in den Konzerten sehen'. Aktivitäten zu dezentralisieren, ist der Weg dahin. Der Direktor der Sparkasse Finsterwalde übrigens hat dem Berliner Musikmanager Schmidt-Ott die F 60 zum ersten Mal gezeigt und damit einen, wie sich am Max-Raabe-Konzert zeigen sollte, folgenreichen Eindruck erzielt.
[...]
Dr. Thomas Schmidt-Ott hat Pläne. Das künstlerische Niveau soll insgesamt erhöht werden, die Auswahl der Spielstätten erweitert. Zu Kirchen und Schlössern sollen sich interessante Orte aus jüngerer Vergangenheit gesellen, Hangars, Bunker, Industriedenkmale. Der Anteil unterhaltender Genres soll größer werden und, so sein Lieblingstraum, eine Residenz für die Brandenburgischen Sommerkonzerte wäre sehr schön, von der aus man ins Land hinein wirken könnte. Vorbilder sind Salzau in Schleswig-Holstein oder Ulrichshusen in Mecklenburg-Vorpommern. Apropos Zukunftsträume, die Basis legte die vergangenen Saison mit dem Rekordergebnis von etwa 20 000 verkauften Tickets."
Lausitzer Rundschau, 10.09.08, Irene Constantin

 

Potsdam, 6.9., Abschlusskonzert, Jean-Guihen Queyras, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Marek Janowski

"So schön das hellbunte Kircheninnere von Peter und Paul auch anzuschauen ist – von den golden leuchtenden Rokoko-Deckengemälden bis zu den farbigen Wandornamenten – als Konzertsaal ist das Gebäude kaum geeignet. Der lange Nachhall übertünchte die Transparenz des Haydnschen Konzerts und verlieh dem Klang eine Unterwasser-Dumpfheit. Die Musiker konnten einander schlecht hören, so dass das Zusammenspiel an Präzision verlor. Und der Solist Jean-Guihen Queyras schwamm in diesem musikalischen Wasserbad mitunter zu rasch voran. Dabei hätte man diesen hellen, nasalen Celloklang, die behenden Wechsel zwischen spielerisch virtuosen Passagen und leidenschaftlichen Kantilenen, gern deutlicher vernommen.
Beethovens rhythmisch-temperamentvolle Siebte, in deren Signalklängen die französische Revolution nachhallt, konnte sich in diesem Kirchenschiff besser behaupten. Marek Janowski formte einen packenden Spannungsbogen über alle vier Sätze. Der Dirigent leitet das RSO seit sechs Jahren. Da klappt die Zusammenarbeit auch bei widriger Akustik, obwohl Janowski eine eigenwillige, auf den ersten Blick verwirrende Dirigiergestik an den Tag legt: Er schüttelt die Einsätze aus lockerem Handgelenk, so dass man meint, die Finger würden sich gleich wie ein flatterndes Vögelchen zum Flug erheben.
Die letzten beiden Beethoven-Sätze nahm Janowski jedoch zu rasant. Zugegeben, dieses stürmische Scherzo und das überschäumende Finale erfordern im Idealfall die ungebremste Energie der Interpreten. Angesichts eines im Klangbrei versinkenden Orchesters wäre aber ein ruhigeres Tempo ratsam gewesen.
In der Pause ergibt sich ein Gespräch mit Claus Friedrich Holtmann vom Ostdeutschen Sparkassenverband. 'Geld kann nicht singen', sagt der geschäftsführende Präsident, der gleichwohl weiß, dass es die Sommerkonzerte ohne die Sparkassenstiftung als Hauptsponsor wohl kaum in ihre 18. Saison geschafft hätten. Das Festival erhält nämlich keine öffentlichen Fördermittel. Holtmann freut sich über die 'erfolgreichste Saison seit dem Bestehen der Sommerkonzerte'. Erstmals seien in diesem Jahr über 20.000 Tickets verkauft worden. 'Das entspricht einer durchschnittlichen Auslastung von 83 Prozent.' Auch kam man dem erklärten Festival-Ziel näher, Berlin und Brandenburg kulturell aneinander zu binden. 'Inzwischen besuchen genauso viele Brandenburger wie Berliner die Konzerte', erläutert Holtmann. 'Vor fünf Jahren kamen noch 90 Prozent aus der Hauptstadt.'“
Märkische Allgemeine Zeitung, 08.09.08, Antje Rößler

 

Potsdam, 6.9., Abschlusskonzert, Jean-Guihen Queyras, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Marek Janowski

"Dieser Abschied vom Sommer (...) gelang künstlerisch grandios. [...] Queyras' seidenglänzender Ton, die Leichtigkeit seiner Technik, das vollkommene klassische Maß in Tempo und Dynamik in diesem Haydn-Konzert wärmte schon im munteren 1. Satz das Herz.
Die Beethoven-Sinfonie ließ in Marek Janowskis Interpretation sofort aufhorchen. Schon die langsame Einleitung mit ihren trocken abgepolsterten Paukenschlägen war in der Eleganz ihrer Phrasierung, im klassischen Maß in Tempo und Dynamik eine Erholung für Seele und Gemüt. Die Zuhörer erlebten ein Musizieren, das den hohen Anspruch hatte, die Fragen an die Musik selbst stellen zu müssen, die Interpreten gaben 'nur' das Werk vor.
Rasant begonnen und dann im Tempo langsam gesteigert sauste schließlich das überschäumende Finale daher, ein Meisterstück in der Registrierung des Orchesters.
Auf dem Podium und im Publikum am Ende heiter verklärte Mienen. Marek Janowski wurde mit Trampeln und Beifall applaudiert, Kirche hin oder her."
Märkische Oderzeitung, 08.09.08, Irene Constantin

 

Potsdam, 6.9., Abschlusskonzert, Jean-Guihen Queyras, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Marek Janowski

"Dass inzwischen rund die Hälfte aller Zuhörer nicht aus Berlin angereist kommt, können sich die Initiatoren als Erfolg anrechnen. Die regionale Verwurzelung ist gelungen, und die 'Klassiker' freut es auch.
Weniger freute es vielleicht die Hörer vergangenen Samstag in der Probsteikirche St. Peter und Paul, die einer grandiosen künstlerischen Leistung akustisch arg zusetzte. Da wurde mit Verve und wunderbarem Verständnis für die Partitur musiziert, doch ach, der Hall fing es ein und formte einen eher einheitlichen Klangteppich. Der wiederum intensivierte sich in forcierten Fortissimo-Stellen zum grenzständigen Erlebnis, was nicht hinderte, dass das Publikum - vollkommen zu Recht - das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter seinem Chefdirigenten Marek Janowski überschäumend feierte. (...)
(...) schon der Beginn des ersten Satzes (...) verband sich mit wunderbarer Genauigkeit in jeder Veränderung, mit der exakten Formulierung tiefer musikalischer Brüche, dem Auskosten abrupten Stillstehens, ohne den schier rand- und bandlosen Enthusiasmus des Hauptthemas zu beschneiden.
Ebenso genoss man den zweiten Satz: Nicht zu dumpf, tonlos in dessen essenziellem Trauerrhythmus, was sich in einer relativ zügigen Auffassung des gesamten Satzes fortsetzte, dennoch ehrlich ergreifend im klagenden Gesang des Themas. Das folgende Scherzo ließ ungebremste Spielfreude auskosten, wie das Finale sich in überschäumender Energie ausbreitete. Janowskis sympathisch knappe, ungekünstelte Zeichengebung macht klassische Klrheit affin - Angemessenheit bar jeden überflüssigen Sentiments, dennoch voll innerer Spannung und Empfindsamkeit.
Zuvor hatte Jean-Guihen Queyras Haydns Cellokonzert Nr. 2 D-Dur ungemein beeindruckend interpretiert und nicht zuletzt von diesem Partner im Geiste profitiert. Der knapp Dreißigjährige ist einer der bemerkenswertesten Cellisten unserer Tage. Sein Ton ist rund und singend, ohne Schärfe in den hohen Lagen, seine Technik brillant, sein musikalischer Sensus zu Recht gerühmt. [...] Wunderbar und eines Saisonfinales würdig."
Potsdamer Neueste Nachrichten, 08.09.08, Christina Siegfried

 

Burg, 24.8., Liebesrauschen, Calmus Ensemble Leipzig

"In der frühklassizistischen Kirche erklingt eine wohldosierte Mischung aus hoher A-cappella-Kultur und Unterhaltung à la Kreisler. Vier ehemalige Thomaner und eine Sopranistin bilden das Calmus Ensemble, das erlesene Vokaltechnik pflegt. Die Ausdruckschromatik Gesualdos kann nicht kühner wirken als durch die Intonationsreinheit der Leipziger Sänger. Sie brillieren darin, Chormusik von Debussy und Brahms solistisch zu sensibilisieren. Dabei durchleuchten sie Distlers 'Feuerreiter' so fein, dass die hechelnde Dramatik eher diskret bleibt. Problematisch wird es bei den Arrangements von Schubertliedern wie dem 'Erlkönig', weil deren Inhalte hinter verteilten Rollen und der vokalen Imitation des Klavierparts verblassen. Liedinterpretation der 'Forelle' und witzig kullernde Sechzehntel in der Bassstimme sind zweierlei."
Der Tagesspiegel, 27.08.08, Sybill Mahlke

 

Burg, 24.8., Liebesrauschen, Calmus Ensemble Leipzig

"Im Gegensatz zu klangprächtigen Madrigalinterpretationen vieler anderer Gesangsensembles bevorzugen die jungen Sänger aus Leipzig eine sehr schlanke, fast vibratolose Stimmgebung, ausdrücklich gepflegtes Erbe aus der Chorzeit. Auch dynamisch hielt man sich zurück, Akzente wurden äußerst sparsam gesetzt. Man muss diese Art klanglicher Askese mögen; sie ist dennoch perfekt, diverse Wettbewerbspreise, die das Calmus-Ensemble einheimsen konnte, sprechen für seine musikalischen Qualitäten in Sachen Ausgewogenheit, Intonationsreinheit, Stilsicherheit, Virtuosität.
Der auf Gesualdo folgende Komponist Dan Dediu ist etwa 400 Jahre jünger als der italienische Meister. Seine Vokalkomposition 'Perla' entstand für das Calmus-Ensemble und mit diesem modernen Huldigungslied an Dichtkunst und Musik konnten die Sänger ihre Virtuosität, Textverständlichkeit und jugendliche Frische amüsant und eindrucksvoll darbieten. Als ihrer besonderen Klangqualität sehr entgegenkommend erwiesen sich auch drei Chorlieder von Edward Elgar und drei Chansons von Claude Debussy. (...)
Das in seinem Einfallsreichtum immer wieder überraschende vokale Nachgestalten einer Klavierstimme setzte zum Beginn des zweiten Teils eher heitere Akzente; ob Schubert/Goethes 'Erlkönig' allerdings so gemeint ist, steht dahin. Passender nahmen sich die pianistischen Lautmalereien bei der 'Forelle' aus, die der Tenor-Solist allerdings als arg schlichtes Strophenlied darbot.
Je zwei Chorsätze von Johannes Brahms und Hugo Distler waren dann die tatsächlichen künstlerischen Glanzpunkte des Programms. Besonders Distlers 'Feuerreiter' auf einen Text von Eduard Möricke zeigte die ganze Brillanz und Genauigkeit, die perfekt kalkulierte Ausdrucksstärke, Interpretations- und Artikulationssicherheit und auch die künstlerische Ernsthaftigkeit, mit der das Ensemble aufwarten kann.
Dem klassischen Teil folgte dann der unterhaltsame Ausklang, dem weder Jazzklassiker noch Beatles-Arrangements zugrunde lagen, sondern zwei nicht gar so rabenschwarze Chansons von Georg Kreisler, 'Barbara' und 'Ich hab ka Lust'. Besonders erfreulich waren neben der unerreichten Qualität der sarkastisch-lapidaren Texte, die sich auch den Kalauer mit Lust einverleiben, die Arrangements von Sebastian Krause und Ludwig Böhme, beide Ensemblemitglieder.
Sie versuchten gar nicht erst, den unnachahmlichen Georg Kreisler im Gesangsgestus nachzuempfinden, sondern gingen eigene Wege. Über ihrer Interpretation der Lieder lag ein Hauch der 20er-Jahre, die Comedian Harmonists und auch Max Raabe haben wohl Pate gestanden.
Mit viel vokal-klangmalerischem Geschick klapperte als Zugabe die „Mühle am rauschenden Bach“ und, ganz schlicht und geradlinig gesungen, sorgte 'Der Mond ist aufgegangen' zum Abschied noch für eine Gänsehaut."
Lausitzer Rundschau, 27.08.08, Irene Constantin

 


Burg, 24.8., Liebesrauschen, Calmus Ensemble Leipzig

"Mit Gesängen aus fünf Jahrhunderten und in vier Sprachen demonstrierte das Calmus Ensemble seine Vielseitigkeit. Um 1600 entstanden die Madrigale des Don Carlo Gesualdo. Jener Fürst, der aus Eifersucht einen Doppelmord an seiner Frau und ihrem Geliebten beging, erwies sich als Komponist ebenso kühn und leidenschaftlich. Schneidscharf interpretierten die Sänger die Reibungen, die heftigen Dissonanzen und abrupte Harmoniewechsel. Fast körperlich übertrug sich der Schmerz dieser Liebeslieder. Nur verschmolz der helle, in der Höhe leicht scharfe Sopran Anja Lipferts schlecht mit den Herrenstimmen. Dadurch geriet das für Renaissance-Musik unverzichtbare Gleichgewicht zwischen den Stimmen ins Wanken.
Schuberts 'Forelle' im A-cappella-Arrangement, darauf durfte man gespannt sein. Schließlich müssen die Sänger hier auch die Klavierbegleitung mit ihrem aufwärts plätschernden Wellenmotiv nachahmen. Das gelang ihnen hinreißend virtuos durch Fantasiesilben, etwa du-du-du-di-du. Ähnlich beim 'Erlkönig', wo Joe Roesler das Grummeln aus den Bassregionen des Klaviers übernahm. Allerdings bekam das Goethe-Lied durch diesen Scat-Gesang auch unfreiwillig komische Züge.
Eines des bekanntesten Chorlieder schlechthin ist Hugo Distlers 'Feuerreiter'. Fesselnd und mit sorgfältiger dynamischer Gestaltung sang das Calmus Ensemble diese schaurige Mörike-Vertonung um eine brennende Mühle. Flammengleich drang das bedrohliche, gehetzte 'Hinterm Berg, hinterm Berg' von allen Seiten. (...)
Noch bissiger und voller makabrer Ironie sind die Lieder Georg Kreislers. Der Wiener Kabarettist würde doch tatsächlich eine nur in der Fantasie existente Frau jeder Gefährtin aus Fleisch und Blut vorziehen. Süffisant besang Tenor Tobias Pöche die fiktive Barbara (...). Als Paradestück für Sebastian Krause erwies sich 'Ich hab ka Lust'. Mit Wienerischem Schmelz und Schauspielfreude zeigte der Countertenor, wie man mit diesem Satz so einige Unannehmlichkeiten im Leben umgehen kann. Die Lust an der Musik werden die Sänger des Calmus Ensembles hoffentlich nicht so bald verlieren."
Märkische Allgemeine Zeitung, 26.08.08, Antje Rößler

 


Wittstock, 23.8., Bach solo III, Christian Tetzlaff

"'Ich dachte, es würden zwei oder drei Violinen gleichzeitig spielen. Es war ein traumhaft schönes Konzert', war am Sonnabend von vielen Gästen zu hören, die im Rahmen der Brandenburgischen Sommerkonzerte in die Wittstocker St.-Marien-Kirche gekommen waren.
Wie so viele Töne auf einmal von nur einer Violine erklingen können, wird wohl das Geheimnis von Stargeiger Christian Tetzlaff bleiben. Denn nicht umsonst ist er weltweit ein gefragter Musiker, der mit namhaften Orchestern wie dem London Philharmonic Orchestra, dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin, den Berliner Philharmonikern, dem Orchestre de Paris und sogar in den USA auf Tourneen geht. (...)
In der Wittstocker St.-Marien-Kirche spielte er Sonaten und Partiten für Violine solo von Johann Sebastian Bach. Dass in den Werken ein Melodieinstrument gänzlich solistisch ohne Generalbassbegleitung erklang, hatte zu Bachs Zeit nahezu keine Vorbilder und gilt als etwas Besonderes und Einzigartiges.
B ach war der erste, der die Praxis der Mehrstimmigkeit auf einem Soloinstrument radikal betrieb und dabei sinnlich erfahrbare Musik komponierte, die bis heute unübertroffen ist. Christian Tetzlaff machte diese Musik für jeden erlebbar."
Märkische Allgemeine Zeitung OPR, 25.08.08, mw

 

Luckenwalde, 17.8., Opera di Venezia, Teatro Arcimboldo Basel

"Die sieben jungen Sänger, die meisten von ihnen an Basels Schola cantorum ausgebildet, erwiesen sich als hochkompetent und mit komischem Talent begabt. Hervorzuheben sind vielleicht Iris Eggler und der Countertenor Flavio Ferri Benedetti. Die Instrumentalisten boten Momente aufregender und präziser Klangrede, aber auch Partien, die sich im Durchschnittlichen verloren.
Das Problem war Hirschs Regiekonzept: Der Versuch, aus Goldonis Typen der Commedia dell’arte realistisch gespielte Charaktere zu formen, ging nicht auf. Dafür hätte es einer stilisierteren Spielweise bedurft. Die Idee indes, mit Kostümen und Prospekten ein frühes 'Irrenhaus' anzudeuten, erwies sich als tragfähig. Der Beifall im restaurierten Luckenwalder Art-deco-Theater bewies es."
Märkische Allgemeine Zeitung, 21.08.08, Irene Constantin

 

Wittenberge, 16.8., Edler Glanz, 14 Berliner Flötisten

"Einfach unglaublich, was auf der Bühne in der evangelischen Stadtkirche Wittenberge geschieht. Dort stehen 14 Musiker, sie alle spielen Flöte und entfalten einen Klangzauber, der die Ohren der Gäste verzückt. Dass dies kein alltägliches Flötenensemble ist, sieht selbst der größte Musikmuffel. Zu seltsam mutet die Subkontrabassflöte in C mit ihrer Gesamtlänge von 5,12 Meter an. Der Musikfreund versinkt in einem Meer aus Klangfarben, die die Profimusiker ihren Instrumenten entlocken, deren Spektrum sieben Oktaven abdeckt.
Einzigartig - was die Brandenburgischen Sommerkonzerte 2008 in die Elbestadt holen. (...) Siegfried Matthus, künstlerischer Leiter der Kammeroper Schloss Rheinsberg, komponierte 'Des Meeres und der Flöten Wellen' eigens für dieses Ensemble - die einzige Originalkomposition in diesem Konzert. Als wollte Matthus die 28 Lungenflügel herausfordern, schöpft er das ganze Klangspektrum der Flötisten aus. Dumpf wie aus der Tiefe des stillen Meeres dringen Töne der Bassflöten an die Oberfläche, erklimmen höchste Wellenkämme, an deren Spitze die winzige Piccoloflöte zur Höchstform aufläuft, zeigt, welche Kraft in ihr steckt. So plötzlich wie der Sturm losbrach, verliert die Brandung ihre Kraft, beenden die Musiker den Spannungsbogen an seinem Ursprung.
"Ich bin überwältigt, wann hört man schon mal 14 Flötisten", gesteht Dr. Ulrich Köstlin. Der stellvertretende Vorsitzende des Vereins Brandenburgische Sommerkonzerte hat schon viele Musikhöhepunkte besucht, aber dieser sei wirklich ein ganz besonderer gewesen.
[...]
In ihrer 18. Saison kamen die Sommerkonzerte erstmals nach Wittenberge. 'Das Engagement des hiesigen Freundeskreises und der Kirchengemeinde gaben den Ausschlag', so [Geschäftsführer Arno] Reckers und verspricht: 'Wir kommen wieder.' Nicht nur, weil die Zahl der Gäste sehr hoch war, allein an der Abendkasse wurden nochmals etwa 100 Karten verkauft, sondern 'weil die Kirchengemeinde so unglaublich engagiert ist'. Das sei nicht überall der Fall, zeige aber, wie willkommen man hier sei."
Schweriner Volkszeitung, 18.08.08, Hanno Taufenbach

 

Wittenberge, 16.8., Edler Glanz, 14 Berliner Flötisten

"Am Samstag war in der Stadtkirche ein schon optisch spektakuläres Ensemble zu erleben: die 14 Berliner Flötisten, gegründet 1996 durch den Soloflötisten der Berliner Philharmoniker, Andreas Blau. Neben den bekannten Modellen Piccolo, große Flöte, Altflöte und Bassflöte kamen auch selten gesehene Exemplare wie die kleine Flöte in F, die Kontrabassflöte und die über fünf Meter lange Subkontrabassflöte zum Einsatz. Ebenso beeindruckend wie die Instrumente sind auch die Biographien der Musiker, von denen die meisten als Soloflötisten an den großen Berliner Orchestern tätig sind.
In diesem Sommerkonzert präsentierte das Ensemble ein abwechslungsreiches und spannendes Programm. Von der Ouvertüre zu Mozarts „Hochzeit des Figaro“ über Mendelssohns Scherzo aus dem „Sommernachtstraum“ bis hin zu Bizets „Arlésienne-Suite“ und Henry Mancinis „Pink Panther Suite“ erklangen in gekonnten Arrangements bekannte Werke aus klassischer Literatur und Unterhaltungsmusik, die in der ungewöhnlichen Tonfärbung einen neuen Reiz entfalteten.
[...]
In seinen Begrüßungsworten vor dem Konzert hatte Pfarrer Reinhard Worch informiert, dass das Gotteshaus seit dem Jahr 2000 für 1,3 Millionen Euro saniert und zum Teil auch schon renoviert werden konnte. Den nun schon zu erlebenden neuen Glanz des Hauses hatte ebenso Bürgermeister Oliver Hermann hervorgehoben. Seit Jahren schon sei es der Traum der Wittenberger gewesen, die Brandenburgischen Sommerkonzerte in ihre Stadt zu holen. Vorstandmitglied Ulrich Köstlin versprach denn auch: 'Wir werden sicherlich wiederkommen!'“
Märkische Allgemeine Zeitung, 18.08.08, Ulrich Fischer

 

Rathenow, 3.8., Vom Weißen Meer ins Havelland, Iwan Podjomow, Kammerakademie Potsdam, Michael Sanderling

"Dirigent Michael Sanderling wagt musikalische Pointen, treibt das Orchester zu raschen Tempowechseln und stellt sich als Meister der leisen Töne vor. Der dezente Einsatz der Bläser und die virtuosen Einwürfe der Soloinstrumente Geige, Fagott, Flöte und Oboe veredeln vor allem die Serenade Nr. 5.
Der 21-jährige Oboist Iwan Podjomow ist eine Entdeckung: In Ermanno Wolf-Ferraris filmmusikreifem Concertino A-Dur für Oboe, zwei Hörner und Streicher beeindruckt er durch eine Atemtechnik, die es ihm ermöglicht, enorme Bögen zu halten und in intimen Dialog mit dem Orchester zu treten. Seine Fingerfertigkeit kann der junge Russe in Alessandro Marcellos Oboenkonzert d-Moll – besser bekannt in der Bearbeitung für Cembalo von Johann Sebastian Bach – präsentieren, wo seine Koloraturen die Streicher überstrahlten."
Der Tagesspiegel, 05.08.08, Karin Erichsen

 


Stechau, 2.8., Operngala open air, Prager Kammerchor, Solisten, Tschechische Symphoniker Prag, Petr Chromcák

"Aber man hatte natürlich noch eine ganz zauberhafte Zugabe in petto, wie der Moderator Peter Claus, sonst im Rundfunk Berlin-Brandenburg zu hören, ankündigte. Die war dann nicht nur zum Mitsingen, sondern nach dem ersten 'Hm-ta-ta' brach der Jubel des Publikums los, und in manchen Reihen hakte man einander unter. 'Va’, pensiero, sull’ali dorate' erklang und viele flogen mit. Dann noch einmal der Tenor mit 'Libiamo ne’lieti calici', Sopran und sogar der Bariton stimmten ein, man genehmigte sich coram publico ein Schlückchen aus der Champagnerflasche, die Stimmung stieg noch ein paar Grade an, bis der Dirigent den Einsatz ganz nach hinten, in die Tiefe des Parks von Stechau gab. Donnernd und glitzernd stiegen die Feuerwerksraketen über den Wipfeln der Bäume empor. Ahhh!
(...)
Der Hauptakteur war der Chor mit seinem angenehm runden und homogenen Klang. Er überzeugte mit Smetana und Dvorak ebenso wie mit Borodin und Mussorgski. Auch diverse Verdi-Opernchöre waren sehr akzeptabel. (...) Der Eingangschor aus der 'Verkauften Braut', sozusagen das Leibgericht der böhmischen Sänger, hatte schon einen ganz anderen Schwung und animierte den agilen Dirigenten zu einer wahren Balletteinlage vor seinem Orchester.
Die echten Glanzpunkte (...) waren die Arien der Sopranistin Monika Brychtova. Sie hat ein Timbre voller Süße und Lieblichkeit, wie man es heute, da vor allem klare und kühl-silbrige Stimmen zu hören sind, selten erlebt. Als Chio-Cio-San aus Giacomo Puccinis 'Madame Butterfly', als Gilda im Duett mit Rigoletto und mit Violettas herzzerreißender Abschiedsarie 'Addio del passato' war sie absolut überzeugend, im erwähnten Trinklied fehlte es leider ein wenig an Verve und Biss. Ebenfalls beeindruckend der jugendlich kraftvolle Bariton Jakub Tolas als Escamillo, Rigoletto und als Antonin Dvoraks Wassermann. Der war sozusagen der Überraschungsgast des Abends, denn den Hochzeitschor aus 'Rusalka' mit den warnenden Rufen des Wassermanns an seine Tochter hört man auf deutschen Bühnen leider selten."
Lausitzer Rundschau, 05.08.08, Irene Constantin

 


Stechau, 2.8., Operngala open air, Prager Kammerchor, Solisten, Tschechische Symphoniker Prag, Petr Chromcák

"Vor wenigen Wochen hatten bereits Max Raabe in Lichterfeld und namhafte Künstler in der Lebusaer Kirche Zeichen gesetzt. Vor der stilvollen Gutshaus-Kulisse inmitten des weitläufigen Stechauer Schlossparkes, organisiert und gut umsorgt von einem hoch engagierten Team der Brandenburgischen Sommerkonzerte (BSK) und seiner Helfer gelang es am Samstag erneut, im Elbe-Elster-Land das ureigentliche Anliegen der BSK zu verwirklichen: Klassiker aufs Land zu locken.
[...]
Je nachdem, welche Gefühle und Stimmungen die Stücke von Smetana, Wagner, Dvorák, Verdi, Puccini, Borodin, Tschaikowski und Mussorgski jeweils offenbarten – das Publikum folgte mit Hochgenuss und nicht zuletzt darauf neugierig gemacht von den erfrischend kurzweiligen, witzigen und zuweilen sinnlichen Werk-Einführungen des Moderators. So sensibilisiert ließ man sich auch in Dvoráks Arie der Rusalka vom überaus zarten Sopran der Monika Brychtová nur zu gern in die Welt der Elfen und Nixen entführen. Es war die Faszination der Musik und des Ortes, oder besser, die Symbiose beider Komponenten, die das Rauschen des Wasserfalles am nahen Parkteich auf eine solche Weise mit ins Werk klingen ließ, dass die reale Welt für Momente außen vor war und dem Reich der Feen-Wesen Raum und Zeit überließ.
[...]
Die Brillanz des Chores und der Solisten, die auf den Bruchteil einer Sekunde reagierenden Symphoniker und der Mann, der mitunter mit seinem Taktstock in der Hand schier zu tanzen schien, Dirigent Petr Chromcák, hatten am Ende der beiden Konzertstunden den begeisterten Applaus nur zu herzlichst verdient. Dieser steigerte sich bis zu Standing Ovations, was die Musiker mit dem Freiheitschor aus 'Nabucco' noch einmal mit voller Hingabe dankten, bevor sich alle vom grandiosen Feuerwerk bezaubern ließen.
Wenn Dr. Uwe Köstlin, stellvertretender BSK-Vorstand und Mitglied im Vorstand der Bayer-AG, in seinem Grußwort zu Konzertbeginn auch den Sponsoren, allen voran der Sparkasse Elbe-Elster, gedankt hatte und sagte: 'Sie haben begriffen, dass zu einem guten Geschäft auch eine lebendige Kulturlandschaft gehört', so überzeugte auch dieses vierte Brandenburgische Sommerkonzert in Stechau gerade in dieser Hinsicht voll und ganz. Für die BSK gäbe es 'keinen Pfennig Staatsknete' (O-Ton Köstlin), stattdessen unternehmerisches Engagement, das der Region und den dort lebenden Menschen zugute käme. Dieses, gepaart mit Privatinitiativen wie der von Dr. Bardia Khadjavi-Gontard, brauche es auch weiterhin, um Klassiker auf Landpartie zu schicken, so Dr. Köstlin.
Wenn von den etwa 1800 Tickets allein etwa 1000 direkt in der Region Elbe-Elster und Umgebung verkauft wurden, und etwa 500 in Berlin, so zeugt das von einem sehr wachen Kulturinteresse hierzulande."
Lausitzer Rundschau Region Elbe-Elster, 04.08.08, Gabi Zahn

 

Rheinsberg, 26.7., Bach solo II, Johannes Roloff

"Den ersten Teil des Johann Sebastian Bach’schen 'Wohltemperierten Klaviers' hat sich Johannes Roloff für diesen Abend vorgenommen. Gut zwei Stunden dauert der komplexe und kunstvoll komponierte Rundgang durch die Tonarten, der in keinem Takt trocken oder gar nach pädagogischem Lehrwerk klingt. Allein, den Zyklus dieser 24 Präludien und Fugen auswendig zu spielen, ist eine unheimliche Leistung Johannes Roloffs – und auch ein Grund, warum dieser Zyklus so selten als Konzert gespielt wird.
Das C-Dur-Präludium präsentiert Roloff noch als Baukasten. Note für Note findet sich die Tonart, Finger für Finger setzt er die Figuren zusammen. Beinahe staunend sitzt er am Flügel, wie ein Junge, der die Wolkenkratzer nicht begreift, die er aus seinen Bauklötzern gebastelt hat.
Charles Gounod schuf aus dem C-Dur-Präludium später seine berühmte Meditation 'Ave Maria' – und machte den Auftakt des Zyklus’ erst richtig berühmt. Seinen Zugang findet das Publikum dennoch auch zum unbekannteren Rest: meditierend, selig lächelnd oder eben doch still mit den Fingern mitspielend.
Roloff tritt nicht auf wie ein Pianist, der überzeugt ist, die einzig mögliche Interpretation gefunden zu haben. In den Fugen ist er sogar zuweilen sehr unsicher, die Angst vor den komplexen, fragilen Stimmensystemen ist spürbar. Das macht Roloffs Auftritt einerseits sympathisch. Doch am Ende ist es schade, dass er nicht all die Klangfarben auskostet, die ihm zur Verfügung stehen. Statt durch den Anschlag ein Piano zu schaffen, benutzt er dafür immer nur das dämpfende Pedal, nicht die eigenen Finger.
Ein athletisches Tempo legt er dafür vor, wenn sich die Stücke zuspitzen. Auch dann sind die einzelnen Töne des Themas flach und nicht rund, aber es scheint, als wolle Roloff das so. Er will der Wind sein, der die ganze Klangwelt des Klaviers aufwühlt wie das Meer – und es ist gut, dass er dafür bequeme Sportschuhe angezogen hat."
Märkische Allgemeine Zeitung, 28.07.08, Juliane Felsch

 

Luckau, 19.7., Weltberühmte Knaben, Dresdner Kreuzchor, Roderich Kreile

"... Und selbst für die Kruzianer war dieser Nachmittag ein besonderer. Sie sangen das Abschlusskonzert ihrer diesjährigen Deutschlandtournee. Für einige der Sänger aus dem Abiturjahrgang der Kreuzschule war es gleichzeitig ihr letztes Singen im Verband dieses wunderbaren Chores.
Vielleicht lag es am Bewusstsein dieser Tatsache, dass das gesamte Konzert so besonders unter die Haut ging, dass der Gesang dieser neun- bis 19-jährigen Burschen so ungewöhnlich beseelt erklang. Dem homogenen Klang des Chores, der perfekten Mischung der Stimmgruppen, der Balance zwischen sphärisch körperlosem und herzhaft irdischem Ton des Chores ein Loblied zu singen, ist nichts Neues. Nicht umsonst zählt der Dresdner Kreuzchor zu den internationalen Berühmtheiten in seinem Fach. [...]
Das für Schütz typische Verschmelzen und sich gegenseitige Verstärken der kunstvoll geführten Einzelstimmen zu einem tönend sich aufwölbenden Raum gelang ganz besonders beeindruckend. Wie hineinkomponiert in die gotische Hallenkirche mit ihrem großen, aber nicht übermäßigen Nachhall erschienen auch die Motetten seiner stilistisch ähnlichen Zeitgenossen Johann Hermann Schein und Michael Praetorius. [...]
Im zweiten Teil mit romantischer Musik und Werken des 20. Jahrhunderts erlebte das Konzert noch einmal eine Steigerung. (...) andere Töne ließ der Kreuzchor bei zwei romantischen Werken hören. Die ernste und tiefgründig lebens-pessimistische Motette von Johannes Brahms 'Warum ist das Licht gegeben?' stand in seltsamem Kontrast zu den jungen Sängern, während Christian Theodor Weinligs 'Laudate Dominum' ganz und gar gefühlvollem, romantischem Singen Raum gibt. Keinen unter den etwa 1000 Zuhörern, dem dieser Gesang nicht ans Herz gegriffen hätte, wie den Sängern selbst. Dünnhäutig waren sie an diesem Tag, die sonst so podiumssicheren und konzertroutinierten Knaben und jungen Männer. Mindestens ein Dutzend von ihnen bekam feuchte Augen, ließ den Tränen freien Lauf. Kein Wunder, wenn die Zugabe bei einem solchen Abschied auch noch heißt: 'Bleib bei uns, denn es wird Abend werden und der Tag hat sich geneiget.' Auch im Publikum nestelte man verstohlen nach den Taschentüchern, bevor der Beifall aufbrandete."
Lausitzer Rundschau, 21.07.08, Irene Constantin

 

Ruhland, 13.7., Weltklasse zu viert, Leipziger Streichquartett

"Alle vier vereinen in ihrem Spiel die Disziplin des Orchestermusikers mit den persönlichen und instrumentalen Qualitäten eines Stimmführers und der Sensibilität des Kammermusikers. Der Quartettklang ist, wenn man so will, gleichzeitig Ausdruck sächsischer Mentalität und sächsischer Musiktradition: Ausgewogen und auf Ausgleich bedacht, mit deutlichem Gewicht auf warm und intensiv klingenden mittleren und tiefen Registern, die einzelnen Stimmen sind fast immer in einen Zusammenklang eingebettet. Extreme in jeglicher Hinsicht vermeidet das Quartett in seinem Spiel. Es gibt keine außerordentlichen Tempi, keine überpointierten Akzente oder manieristischen Pausen, keine solistischen Eskapaden, nicht eine einzige im spielerischen Temperamentssausbruch womöglich angekratzte Saite. Immer ist der Klang rund und perfekt geformt, eher zu leicht als zu intensiv.
Dennoch hört man auch ungewöhnliche Klänge, so im langsamen 2. Satz des abschließenden Quartetts op. 132. Dieser Satz ist der Höhepunkt des Werkes und war gleichzeitig der Höhepunkt des gesamten Konzerts."
Lausitzer Rundschau, 16.07.08, Irene Constantin

 

Ruhland, 13.7., Weltklasse zu viert, Leipziger Streichquartett

"Knapp 500 Besucher fanden sich in der Kirche ein, um den hochgepriesenen Leipzigern zu lauschen. 'Ich habe euch erwählt' prangte eindeutig zweideutig in großen Lettern über den Musikerköpfen an der Altarkanzlei. Freudig erregt stürzte sich das Quartett in Beethovens Frühwerk op.18 Nr.6. Die weiche Akustik kam dem Klangideal der Leipziger sehr entgegen. Homogen und transparent zugleich entspann sich ihr Dialog. Den Musikern wuchsen Flügel. Die Explosivität des f-Moll-Streichquartetts op. 95 war deutlich abgemildert. Bürgerschreck Beethoven blieb diesmal zu Hause. Innige Gebete, idyllische und theatralische Momente standen im späten a-Moll-Streichquartett op. 132 im Vordergrund. Am betörendsten: der altertümelnde 'Dankgesang eines Genesenden'."
Berliner Morgenpost, 15.07.08, Felix Stephan

 

Lichterfeld, F60, 12.7., Heute nacht oder nie, Max Raabe und das Palastorchester

"Es war das musikalische Großereignis in diesem Jahr, zu Füßen des Stahlgiganten F60, in der kleinen Gemeinde Lichterfeld. Knapp 4000 Menschen wollten am Samstagabend Max Raabe und sein Palastorchester sehen und hören. Es sollte ein Konzerterlebnis der Extraklasse werden. (...)
Die Kulisse war einzigartig, alles war so, als käme es aus einem Drehbuch. Über allem ragte der Stahlgigant F60, dessen Lichtinstallation mit zunehmender Dunkelheit für Verzückung sorgte. Blutrot ging im Westen die Sonne unter. Am Horizont blinkten die Lichter der Windräder aus Klettwitz. Als dann noch der Mond aufging, war die Sache perfekt.
Perfekt war auch die Show von Max Raabe und seinem Palastorchester. Punkt 20 Uhr betraten er und seine zwölf Begleitmusiker unter lautem Beifall die Bühne. 'Heut Nacht oder nie', so der Titel seiner neuen Tournee. Dieses Lied war gleich der Auftakt zu einem fast zweistündigen Konzert. Lässig und doch den Körper angespannt, keine Miene verziehend und doch in sich hinein lächelnd, so lehnte Raabe am auf Hochglanz polierten Bechstein-Flügel. Max Raabe singt nicht nur die Variete- und Tanzsongs der 20er und 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, Max Raabe verkörpert bis in die Haarspitzen diese Zeit. (...)
Dabei stellte sich heraus, dass Max Raabe nicht nur ein begnadeter Sänger ist, sondern ein kompletter Entertainer alter Schule und die Leute mit einem ganz besonders subtilen Humor und Wortwitz verzauberte. Natürlich war Raabe der Star des Abends, der groß gefeiert wurde, doch Max Raabe wäre ohne sein Palastorchester nicht komplett. Die 12 Musiker entpuppten sich als wahre Multitalente, die mehrere Instrumente perfekt beherrschen und wenn es nötig war, Max Raabe sogar gesanglich unterstützten. Während die Herren in maßgeschneiderten Fracks ihrer Arbeit nachgingen, verzauberte die Violinistin Cecilia Crisafulli nicht nur durch ihr Spiel, sondern auch durch ihr funkelndes, eng anliegendes Abendkleid die Massen. Max Raabe und sein Palastorchester verzichten während der Show komplett auf Spezialeffekte; ein wenig Licht und ein gut ausgesteuerter Ton reichen, um die Menschenmengen zu begeistern."
Lausitzer Rundschau Region Lausitz/Spreewald, 14.07.08, Torsten Pötzsch

 

Lichterfeld, F60, 12.7., Heute nacht oder nie, Max Raabe und das Palastorchester

"Mitten im Nichts versammelten sich am Samstagabend etwa 3000 Freunde des Gesanges. Das konnte allerdings nicht verwundern, denn Max Raabe und sein Palastorchester sollten hier im Nichts, bei Lichterfeld, in der Nähe von Finsterwalde, ein Konzert geben. Die riesige Förderbrücke des Besucherbergwerks F 60 als imposante Kulisse vor Augen, wartete man gespannt auf ihren Auftritt. Das Konzert fand im Rahmen der Brandenburgischen Sommerkonzerte statt, deren Veranstalter damit ihre größte logistische Leistung vollbracht haben. [...]
Das süffisant lächelnde, hintergründig grinsende oder schnulzig schmachtende Mienenspiel, wie es Konzerte im Saal oder gar Fernsehauftritte des Künstlers bieten, kann man zwar auf die Entfernung nicht genießen, doch die Akustik ist perfekt. Jede noch so raffiniert gehauchte Nuance ist eindrucksvoll vernehmbar. [...]
Das gemeinsame aller diese Lieder ist ihre unbestreitbare Qualität, der Kunstsinn, mit dem die Unterhaltungsindustrie selbst in der Sparte Nonsens ihr Publikum zu gewinnen wusste. Die Konkurrenz war hart und Originalität der geltende Maßstab in der Branche. (...)
Das hat mit Qualität zu tun, mit der Qualität des klassisch ausgebildeten Sängers, mit der Qualität der Lieder und Texte, mit der Qualität der phänomenalen elf Musiker und einer Musikerin des Palastorchesters. Im kompletten Satz spielen sie in einer Art, die man graziöse Disziplin nennen könnte, als Solisten brillieren sie, in ihrer Vielseitigkeit imponieren sie.
Lausitzer Rundschau, 14.07.08, Irene Constantin

 

Prenzlau, 21.6., Eröffnungskonzert, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Ingo Metzmacher, Solisten, Damen des Ernst Senff Chores Berlin

"Das Verschwimmende der Kirchenakustik von St. Marien bekommt den romantischen Klanggebilden gut. Eingangs entführt ein weich geblasenes Zauberhorn in das Webersche Ouvertürenreich von Elfenkönig 'Oberon'. Das Orchester spielt watteweich, liebt das Geheimnisvolle, streichelt das Gemüt. Eine gelungene Vorübung für Henzes 8. Sinfonie mit ihren mittsommerlichen Einfällen. (...)
Und so schwirrt und flirrt es in hohen Lagen, als Kobold Puck im ersten Satz zu seiner farbig instrumentierten Weltreise aufbricht. (...)
Die richtige Traumdeuterei gibt es zum Schluss mit Bartholdys fast kompletter Musik zum 'Sommernachtstraum'. Dazu hat Salome Kammer eine Textkurzfassung verfertigt, die sie mit sprachtheatralischem Effekt auch vorträgt. Zwischen ätherisch, irdisch und versöhnlich breitet sich die Musik ausgewogen und detailreich aus. Ein gelungener 'Soko'-Start, dem legendäre Kaffeetafel, Führungen und musikalische Dampferfahrt vorausgingen."
Berliner Morgenpost, 24.06.08, erb

 

Prenzlau, 21.6., Eröffnungskonzert, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Ingo Metzmacher, Solisten, Damen des Ernst Senff Chores Berlin

"Sie haben sich als klingendes Markenzeichen des Landes etabliert und seien zu einem festen Bestandteil der Kulturfestelandschaft geworden, würdigte Matthias Platzeck zur Eröffnung des Konzertes in Prenzlau. Die Brandenburgischen Sommerkonzerte seien Kulturereignisse, 'die wirklich jede Region der Mark einbeziehen'.
Die Kulisse für das diesjährige Eröffnungskonzert der Landpartie bot die mächtige Marienkirche der uckermärkischen Kreisstadt Prenzlau, als eines der bedeutendsten Bauwerke der norddeutschen Backsteingotik. Mehr als 800 Besucher füllten die Besucherreihen, darunter wieder viele auswärtige Gäste, vor allem aus Berlin, die auch mit Bussen und der Bahn zum Konzert anreisen.
Und was hätte musikalisch besser zum Eröffnungstermin der Sommersonnenwende gepasst als Shakespeares Zauberwelt des berühmten 'Sommernachtstraums'? Klanggewaltig musizierte das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin unter der Leitung seines Chefdirigenten Ingo Metzmacher. (...)"
Märkische Oderzeitung, 24.06.08

 

Prenzlau, 21.6., Eröffnungskonzert, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Ingo Metzmacher, Solisten, Damen des Ernst Senff Chores Berlin

"'Seelenverwöhnung' sei laut Landesvater Matthias Platzeck angesagt, wenn die Brandenburgischen Sommerkonzerte als Klassiker auf Landpartie zu musikalischen Vergnügungen in Kirchen und deren 'zauberhafte Umgebung' einladen. Und auch dem jetzigen Vereinsvorsitzenden Thomas Schmidt- Ott wird 'das Land zur beliebtesten Konzertstätte'. Schöne Worte zum Start in die diesjährige Saison. Er fand am Sonnabend in der ausverkauften Marienkirche von Prenzlau statt. Romantisches Musizieren, ohne dabei altmodisch zu sein, bestimmte dabei den Auftritt des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin unter Leitung seines Chefdirigenten Ingo Metzmacher. [...]
Mit Webers 'Oberon'-Ouvertüre beginnt die Reise in das Traumland der Imaginationen. Die langsame Einleitung mit ihrem samtig geblasenen Hornsolo entführt sogleich in die Wunderwelt des Elfenkönigs Oberon. Dabei entpuppt sich der Dirigent alsbald als ein feinsinniger und detailfreudiger Klangmaler, der dem Irrationalen auf der Spur ist und es mit leuchtenden Farben zu ergründen sucht. Im anschließenden Allegro con fuoco bricht sich dann überschäumende Spielfreude ungehindert Bahn. Dass auch die Klangwelt der Gegenwart vergnüglich das Gemüt zu erregen versteht, beweist sich mit Henzes 8. Sinfonie und ihren raffiniert instrumentierten und farbenschillernden Klängen.
Wie das im elfenspukenden Mittsommernachtstraumwald wispert und kichert, tollt und rüpelt, ist vergnüglich anzuhören. [...]
'Das Spiel zu enden, begrüßt uns mit gewog’nen Händen', fordert Puck das Publikum auf. Es kommt der Bitte gerne nach."
Nordkurier, 24.06.08, Peter Buske

 

Prenzlau, 21.6., Eröffnungskonzert, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Ingo Metzmacher, Solisten, Damen des Ernst Senff Chores Berlin

"Freundlicher kann ein Empfang kaum sein. Am Bahnhof nach dem Weg zur Marienkirche befragt, sagt die nette Prenzlauerin spontan: 'Da fahre ich Sie rasch rum.' In der Stadtkirche St. Marien dann begrüßt zum Saisonstart der Brandenburgischen Sommerkonzerte Ministerpräsident und Schirmherr Matthias Platzeck (SPD) besonders herzlich 'die Gäste aus der größten märkischen Stadt' und fügt erklärend hinzu: 'Liebe Berliner'. (...) 'Immer mehr Menschen kommen auf den Geschmack und gönnen sich Hochkultur', hebt Platzeck hervor. Es sei bemerkenswert und ganz im Sinne der Erfinder, dass inzwischen genauso viele Brandenburger wie Berliner unter den Zuhörern seien. Vor fünf Jahren kamen nur zehn Prozent aus der Mark. (...)
[Das Deutsche Symphonie-Orchester spielt] schließlich 'Ein Sommernachsttraum' von Felix Mendelssohn Bartholdy mit wunderbar harmonisch sich einfügendem Sieben-Uhr-Läuten der Glocken von St. Marien. [...]
Die gute Zusammenarbeit mit den brandenburgischen Sparkassen, der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und den Tourismusbeauftragten in den Orten hat (...) sehr dazu beigetragen, dass inzwischen auch so viele Brandenburger die Konzerte und die Rahmenprogramme, wie Führungen, Vorträge, Dampferfahrten besuchen.“
Der Tagesspiegel, 23.06.08, Elisabeth Binder

Pressestimmen 2007

Brandenburg (Havel), 8.9., Wandelkonzert und Orgelnacht >Toccata und Instrumente<, Claudia Ehses, Andreas Klein, Joachim Pliquett, Franz Danksagmüller, Gunter Kennel, Arvid Gast, Matthias Passauer

"Der junge Organist Franz Danksagmüller beschloss den ersten Teil mit der obligatorischen Toccata und Fuge d-Moll von Johannn Sebastian Bach mit frechen Phrasierungen und Tempi. Tausendfach gespielt und gehört. In einer derart ganz und gar nicht klassichen Interpretation, die an die Grenzen der akustischen Übertragbarkeit in der Domkirche ging, allerdings selten. //
Nach Bachs raumgreifender F-Moll-Toccata war dann in St. Gotthardt gepflegte Unterhaltung mit Händels Concerto F-Moll für Posaune und Orgel angezeigt. Andreas Klein (Posaune) und Gunter Kennel (Orgel) brillierten zum Abschluss mit Guilmants 'Morceau symphonique', das sich nach dunklem Beginn federleicht und virtuos in die lichten Höhen einer romantischen Schmonzette erhob. [...]
Arvid Gast entfaltete bei Charles-Marie Widors triumphierender Toccata F-Dur aus der fünften Orgelsymphonie die ganze Pracht des Instruments. Mit André Chailleux' gemäßigt modernem 'Morceau de Concours' für Orgel und Trompete zeigte Joachim Pliquett, warum Gast seit Jahren mit dem Solotrompeter so erfolgreich konzertiert."
Märkische Allgemeine Zeitung, 10.09.07, Matthias Gottwald

 


Boitzenburg, 31.8., >Grundton D< - Benefizkonzert des Deutschlandfunks für die Denkmalpflege, Il Giardino Armonico, Giovanni Antonini

"[...] In dessen [Vivaldis] g-Moll-Concerto offenbaren die Streicher sogleich ihr Erfolgsrezept: Lebendigkeit, gepaart mit natürlichem Redetonfall, gegossen in einen straff artikulierten Ensembleklang, der die unwahrscheinlichsten dynamischen Differenzierungen zulässt. So entsteht u. a. ein Andante voller Zärtlichkeit und Süße. In zwei Flötenkonzerten des venezianischen Meisters brilliert Ensembleleiter Giovanni Antonini auf der Blockflöte, dem Soloinstrument des Frühbarocks.
In den Ecksätzen des c-Moll-Concerto ist lustvoll-virtuoses Blasen mit akzentuierter Affektverstärkung zu erleben, während sich im Largo die Sehnsucht breit aussingt. Und auch im C-Dur-Konzert (für Flautino) spielt man nicht nur Noten vom Blatt, sondern geht in ihnen völlig auf. Hier entfacht der Solist ein virtuoses Vogelgezwitscher gleich einem Feuerwerk der Fingerfertigkeit. Leicht und beweglich sein Ton auch in Georg Philipp Telemanns C-Dur-Konzert für Flöte, Streicher und Basso continuo, der sich voller Reinheit emporschwingt.
Herrlich unverkrampft auch die klangfaszinierende Wiedergabe einer c-Moll-Sonata von Johann Gottlieb Goldberg. (...) Begeisternd zu erleben, wie traumwandlerisch sicher die Musiker den empfindsamen Goldberg-Stil zu entdecken verstehen. Als Meister der virtuosen Detailversessenheit entpuppen sie sich ebenso bei Mozarts F-Dur-Divertimento KV 138, das sie als lockeres, farbenreiches und differenziertes Klanggebilde offerieren. Und der Dank? Im Gotteshaus des Geschlechts derer von Arnim braust der Jubel, erklingen zwei Zugaben und wird vom Veranstalter ein 6000-Euro-Scheck an den Förderverein von St. Marien auf dem Berge überreicht, mit dem das Streichen der Innenwände (Kosten insgesamt um die 40.000 Euro) in Angriff genommen werden kann. (...)"
Nordkurier, 04.09.07, Peter Buske

 


Boitzenburg, 31.8., >Grundton D< - Benefizkonzert des Deutschlandfunks für die Denkmalpflege, Il Giardino Armonico, Giovanni Antonini

"Il Giardino Armonico musiziert auf historischen Instrumenten mit einer in der in Alte-Musik-Szene ganz nonkonformistischen Eleganz. Man hörte in allen sechs Stücken ein zartes Vibrato, erlebte eine kontinuierliche lebendige Dynamik, die einzelnen Phrasen wurden weich und schmiegsam serviert. In den langsamen Vivaldi-Sätzen musizierten die solistischen Violinen spinnwebfein, der begleitende Basso continuo wusste noch darunter einen weichen Teppich zu breiten. Mozarts bekanntes F-Dur-Divertimento erschien wie neugeboren. Im ersten Satz gewann es atmende Beredtheit, in den Reibungen und Vorhalten des langsamen Mittelsatz eine so schmerzend zärtliche Inbrunst und im Schlusssatz eine schalkhafte Heiterkeit, dass man sich gewiss wurde, der junge Mozart kann dieses Stück nur so gemeint haben. Der Solist dreier kleiner Blockflötenkonzerte war der phänomenale Giovanni Antonini. Mit welcher intelligent musikantischer Manier und Virtuosität er dieses scheinbar naive Instrument handhabte, war in jedem einzelnen der kleinen Sätzchen frappierend.
Zwei Zugaben gab es am Ende für das Publikum und 6000€ für die Restaurierung des Anstrichs der Kirchenwände."
Märkische Oderzeitung, 04.09.07, Irene Constantin

 


Jüterbog, 25.8., Abschlusskonzert, Jens Peter Maintz, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Marek Janowski

"So wandelte sich die Wiese vor der 700 Jahre alten Kirche am Nachmittag zu einer Art Freiluftcafé. Wer sich zuvor in der Stadt umgesehen hatte, konnte hier entspannen und sich auf das Konzert des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin freuen. Dem hätten manche gern länger gelauscht und deshalb holten am Ende die Bravorufe des Publikums den Dirigenten Marek Janowski mehrfach zu seinem Orchester aufs Podium. Vor der Pause wurde der Cellist Jens Peter Maintz ebenso ungern von der Bühne gelassen – virtuos hatte er das Schumannsche Werk interpretiert, zur großen Freude seiner Zuhörer. Ein Höhepunkt und wunderbarer Abschluss der diesjährigen Brandenburgischen Sommerkonzerte, wie man sich während eines anschließenden Empfanges im Rathaus gegenseitig versicherte. Bürgermeister Bernd Rüdiger, dessen Platz in der Kirchenbank wegen des kurzfristig anberaumten Außenministerbesuches zur selben Zeit leer geblieben war, hatte gemeinsam mit den Vorstandsmitgliedern der Brandenburgischen Sommerkonzerte dazu eingeladen. 'Ich bin sehr froh darüber, dass Jüterbog und Kloster Zinna nach wie vor Spielorte sind. Solche Konzerte könnte sich die Stadt nicht leisten', sagte der Bürgermeister in der Runde mehrerer Stadtverordneter, die dem nur zustimmen konnten. Und er verwies auf einen Fakt, der weniger oft Erwähnung findet: Die Einnahmen gibt der Verein Brandenburgische Sommerkonzerte nicht nur für Musik, sondern auch für den Denkmalschutz aus. Solches Geld wurde beispielsweise zur Freilegung von Fresken im Jüterboger Rathaus verwendet."
Märkische Allgemeine Zeitung, 27.08.07, Martina Burghardt

 


Lübben, 18.8., Jubiläumskonzert zum 400. Geburtstag von Paul Gerhardt, Ensemble Movimento

"Eingestreute Instrumentalstücke von Hans Leo Hassler, William Byrd oder Heinrich Isaac brachten gelegentlich ein erfrischend weltliches Lüftchen in die zweieinhalb erbaulich frommen musikalischen Stunden.
Allerdings war die Lübbener musica sacra von auserlesener Qualität. Die Sopranistin des Ensembles, Nele Gramß, verfügt über eine so wunderbar leichte und klare, dabei auch warm getönte Stimme, dass sie all die Herzensergießungen glaubhaft vortragen konnte. Qualitätiv kaum nachstehend der Altus Franz Vitzthum und der Bass Markus Flaig, aber Nele Gramß übertrug eine große, bei einem Kirchenmusikprogramm kaum erwartete strahlende Heiterkeit auf das Publikum.
Das Meisterstück des Abends war die Vertonung des Textes 'Geduld ist euch vonnöten' aus den 'Symphoniae Sacrae II' von Heinrich Schütz. Wie Gerhardt durchlitt auch sein Zeitgenosse Schütz den Dreißigjährigen Krieg mit all seinem Leid von Anfang bis Ende. Geduld, das 'herbe, bittre Kraut', war auch ihm überlebensnotwendig. Vielleicht geriet die fünfstimmige Komposition für drei Gesangssolisten, zwei Soloviolinen und basso continuo gerade deshalb so ungeheuer eindringlich, mit scharfen harmonischen Reibungen und deren sehnlichst erwarteten Auflösungen.
Von ganz anderem Charakter das muntere Lied des Berliner Kantors Johann Georg Ebeling 'Die güldene Sonne'. Ebeling erkannte sehr früh, wie gut sich Gerhardts Texte vertonen lassen. Ganz ähnlich volkstümlich und innig die einzige nicht-barocke Komposition des Abends, das 1920 entstandene Sommerlied 'Geh aus, mein Herz, und suche Freud' von Walter Hensel.
Kein Alte-Musik-Konzertprogramm ohne Ausgrabung und Forschung. 'Movimento' demonstrierte die volkstümliche Grundierung vieler Melodien, auf die später Texte von Paul Gerhardt gesungen wurden. Ein Cembalostück von William Byrd passte in diesen Zusammenhang und das innige Schlusslied 'Nun ruhen alle Wälder' von Bartholomäus Gesius, dem, gleichlautend, 'Innsbruck ich muss dich lassen' als berührend gespieltes Instrumentalstück noch nachfolgte. Ohne Zugabe ging es nach diesem gänsehauterzeugenden letzten Konzertteil nicht ab."
Lausitzer Rundschau, 20.08.07, Irene Constantin

 


Cottbus, 11.8., Konzert zum Abschluss der Brandenburgischen Orgelreise, Stefan Kießling, Marek Pilch (Orgel)

"Blieb die letzte Orgel und das 'richtige' Konzert in der Cottbuser Klosterkirche. Hausorganist Stefan Kießling und sein polnischer Kollege Marek Pilch spielten auf der 1908 errichteten Sauerorgel. Stefan Kießling ließ erklingen, was zuvor theoretisch aufkam: sorbische Orgelmusik der Komponisten Ulrich Pogoda, Detlef Kobjela, Jan Paul Nagel, Lothar Graap und Jan Bilk – ein kleiner Kreis, nicht alle Werke sind Meisterstücke. Pogodas schöne 'Psalmenfantasie' ist ein melodisch kreisendes Weben und Schweben, ähnlich sanftmütig Kobjelas 'Elegie'. Als spröde, etwas schräg, aber durchaus spannend erwies sich Jan Bilks haarig schwere 'Toccata et fuga diabolis'.
Marek Pilch gestaltete sein Programm als Entdeckungs-Parcours durch polnische Orgelmusik des 19. Jahrhunderts, voller unbekannter ohrenfreundlicher Schönheit. Beide Organisten spielten so virtuos, ausgeglichen, rhythmisch und musikalisch intelligent, dass man sie sich öfter nicht nur im Kirchendienst, sondern als konzertierende Musiker wünscht. Die Organisatoren der Brandenburgischen Sommerkonzerte hatten nahezu ein Dutzend sorbische Institutionen auf dieses spezielle Konzert aufmerksam gemacht. Nicht eine einzige Rückmeldung kam, wodurch das Engagement von Konzertveranstaltern für sorbische Musik wohl kaum gefördert wurde. Im Publikum allerdings war, höchst privat, die sorbische Sprache zu bemerken."
Lausitzer Rundschau, 13.08.07, Irene Constantin

,

Kloster Zinna, 5.8., Weltberühmte Pianisten zu Gast bei den Brandenburgischen Sommerkonzerten, Olli Mustonen (Klavier)

"Der finnische Pianist Olli Mustonen ist ein wirklicher Exzentriker. Seine Klavierkonzerte sind immer ein Gesamtkunstwerk. Faszinierend ist da nicht nur das akustische Ergebnis, sondern auch seine optische Erscheinung. Wie er sich am Klavier bewegt, ähnelt mitunter einer Choreographie. Er fiebert mit der Musik mit, den Blick starr auf die Noten geheftet, manchmal ein Lächeln auf dem Gesicht, mitunter auch ein Grinsen, oft ein Kopfschütteln bei besonders ausdrucksstarken Stellen. Seine Arme sind immer in Bewegung, auch wenn eine Hand einmal nichts zu spielen hat. Fast wie wenn es zur Musik dazu gehört, wischt er sich oft mit dem rechten Ärmel seines Hemdes den Schweiß von der Stirn. Alles das gehört irgendwie zur Musik dazu. Es ist der Eindruck eines Besessenen.
Kaum weniger exzentrisch sind die akustischen Ergebnisse. Olli Mustonen zelebriert eine Deutlichkeit, eine Dichte, die den Hörer fast filmisch nahe an das musikalische Geschehen heranzoomt. Sein Anschlag ist meistens von metallischer Härte; die knappen, geradezu gemeißelten Töne sind dabei erstaunlicherweise immer noch klangvoll; andere Pianisten, die so spielen, würden die Töne nur ersticken. Mustonen gestaltet absolut unberechenbar. Gerade eben hat er noch den Flügel zerdonnert, da präsentiert er im nächsten Augenblick eine butterweiche Zartheit an der Grenze des überhaupt noch Hörbaren und wartet den Nachklang ab, bis alles verschwunden ist. [...]
Am Schluss stand dann noch ein echter Sergej Prokofjew. Olli Mustonen ist hierfür der ideale Interpret; da haben sich zwei Geistesverwandte gefunden. Es klang so, als habe Prokofjew seine sechste Sonate für Mustonen komponiert. Immerhin wird sie selten gespielt; sie ist aberwitzig schwer und steht Prokofjews frühen Klavierstücken in nichts nach. Mustonen packt Prokofjews Musik bei den Hörnern und nimmt die Mischung aus Brachial-Klavierspiel und Lyrischem wirklich ernst. Selten war es zu erleben, dass sich ein Interpret so mit der Musik identifiziert, mit ihr mitlebt: eine diebische Freude an der permanenten halbstündigen Hochspannung, der Vorliebe für Sarkastisches und Zynisches, Tonketten, die dem Hörer um die Ohren fliegen, und eine Volltönigkeit wie bei einem ganzen Orchester. Mustonens ganzer Körper bestand nur noch aus dieser Musik; immer wieder tropfte ihm der Schweiß von Stirn, Nase und Kinn. Man darf sicher sein: Sergej Prokofjew hätte an dieser Interpretation seine helle Freude, und ganz bestimmt nicht nur er."
RBB Kulturradio "am Morgen", 06.08.07, Andreas Göbel

 

Kloster Zinna, 5.8., Weltberühmte Pianisten zu Gast bei den Brandenburgischen Sommerkonzerten, Olli Mustonen (Klavier)

"Er will der Musik jedes Mal neu begegnen, sich für unentdeckte Nuancen öffnen und damit auch das Publikum herausfordern. Das beflügelt ihn zu enormer Asudrucksintensität, die sich nicht nur auf die akustische Wirkung beschränkt. Es ist beeindruckend, wie er sich am Klavier bewegt, mit der Musik fiebert, wobei die Arme, auch die Finger in Bewegung sind, wenn eine Hand nichts zu spielen hat. Dadurch, gepaart mit seiner brillanten Technik, dem Wechsel zwischen donnerndem und zartem Anschlag gewinnen seine Interpretationen eine Dichte. So verhalf der Pianist bei den kleinen Stücken von Robert Schumann neue Zusammenhänge zu entdecken. Absoluter Höhepunkt des Konzertes war die 6. [Sonate] von Prokofjew mit ihrer Mischung von hämmernden, krassen Dissonanzen, groben Lärmeffekten und lyrischen Motiven. Doch bei allem Wirbel hielt Mustonen (...) bis zum Verklingen des letzten Tones die Hände schützend über die Tasten. Das Publikum dankte ihm mit stürmischem Beifall."
Oranienburger Generalanzeiger, 07.08.2007, Ruth Eberhardt

 


Kloster Zinna, 5.8., Weltberühmte Pianisten zu Gast bei den Brandenburgischen Sommerkonzerten, Olli Mustonen (Klavier)

"Zu den festen Bestandteilen jedes Klavierunterrichts gehören Schumanns 'Album für die Jugend' und Bachs 'Dreistimmige Inventionen' BWV 787-801 aus dem 'Clavierbüchlein für Wilhelm Friedemann Bach'. Dabei lässt uns Olli Mustonen die fünfzehn Übungsstücke als ein rubatoreiches Kompendium der Leidenschaften erleben. Keinen Moment steigt er aus der Musik aus. Spannungsaufgeheizt geht es zu, abrupt wechseln die Stimmungen. Zur bewundernswerten Ausdrucksnuancierung gehört, dass Olli Mustonens Finger sich gleichsam wie Landeklappen eines Flugzeugs aus der Waagerechten in die Senkrechte verstellen. Plötzlich wird der Klang hämmernder, fordernder und direkter. Nicht minder faszinierend, wie sich in Pausen die hochgeschnellten Arme langsam, ausdrucksvoll und pirouettengleich auf die Tastatur hernieder senken. Eine elegante Luftgymnastik – sozusagen Ballett auf Tasten! Schlussakkorde lässt der Klangmagier lange nachschwingen, was für nahtlose Übergänge sorgt. Bach, der erste Romantiker der Musikgeschichte?!
Gleichfalls hellwachen Sinns durchforscht er der Romantik geheimnisvolle Gefilde. Auszügen aus Schumanns 'Album für die Jugend' op. 68 treibt er alle pädagogischen Ambitionen aus, gestaltet sie stattdessen akzentuiert und mit klarem Anschlag zu Charakterminiaturen. Und auch für das Spätwerk 'Gesänge der Frühe' op. 133 setzt Mustonen auf leidenschaftszerrissene Klanggesten, brillantes Laufwerk, nachsinnende Betrachtungen. Zwischen kantablem Kantele-Klang (zitherähnliches Zupfinstrument Instrument), geradezu rabiater Motorik und alptraumhafter Groteske pendelt des Pianisten Klaviersonate 'Jehkin Iivana'. Ob deren perkussive Exzesse ihr Vorbild in Sergej Prokofjews A-Dur-Sonate op. 82 hatten?! Kraftdonnernd, mit schneidender Schärfe im Diskant und hingewuchteten Bässen, dann wieder nachsinnend bis elegant bringt er Prokofjews angestaute Erregungen und Visionen zur Entladung. Konturenklar, quasi ohne Nebel, reicht er auch ein Prélude aus Meisterhand als anhaltend erklatschte Zugabe dar."
Potsdamer Neueste Nachrichten, 07.08.07, Peter Buske

 

Marwitz, 29.7., Liederabend "Auf dem Wasser zu singen",
Peter Schöne (Bariton), Günther Albers (Klavier)

"Wo es um balladeske Schilderungen ging, war es (...) eine Lust, ihm [Peter Schöne] zu lauschen. Man meinte dabei zu sein, wenn kecke Buben den Nöcken necken in Karl Loewes Lied 'Der Nöck'. Dann konnte Schöne seinen klangreichen und wandlungsfähigen Bariton einsetzen, flüstern und säuseln wie die Wassernixen und Elfen, donnern und dröhnen wie ein Wasserfall.
Das Hauptstück des romantischen Konzertteils war Schuberts Vertonung der großen Schiller-Ballade 'Der Taucher'. Hier erlebte man Peter Schöne, den Opernsänger. In lässig arroganter Manier wirft der König den Becher in den Strudel, mutig meldet sich der Edelknabe, ihn herauf zu holen, zart, aber bestimmt meldet sich die Königstochter zu Wort. Alle Personen imaginiert von einem einzigen Sänger.
Was ist ein Liederabend ohne den Pianisten – Günther Albers erwies sich als ein Künstler mit ausgefeiltem Klangsinn. Immer anders, immer neu rieselten die vielen gebrochenen Dreiklänge der verschiedenen Wassermusiken. Unbeweglich die Akkorde im Goethe-Lied 'Meeres Stille', dramatisch, 'wie wenn Wasser und Feuer sich mengt' die Gischt im 'Taucher'. Ihr Meisterstück lieferten beide Künstler mit Wolfgang Fortners 'Terzinen' nach Hugo von Hofmannsthal. Die spröde 12-Ton-Musik gewann besonders in Albers' Klavierspiel eine Beweglichkeit des Klangs und eine Deutlichkeit des emotionalen Ausdrucks, die bei diesem sperrigen Werk staunen machte. Es gab für solche Klänge sogar ein Buh in der Kirche, aber auch begeisterten Beifall. Am Schluss des Gesamtprogramms herrschte dann einhellige Zustimmung."
Märkische Allgemeine Zeitung, 31.07.07, Irene Constantin

 

Rheinsberg, 28.7., Fantasie in Symmetrie, Blockflötenquartett "New Generation"

"Sie [die vier jungen Damen] begeisterten (...) mit ihrem außergewöhnlichen, kontrastreichen Programm das Publikum. [...] Interessant an diesem Konzert waren zugleich die Begegnungen mit den unterschiedlichsten Blockflöten, von der historischen Piccoloflöte bis zu modernen Bass-Blockflöten, die wie futuristische Instrumente mit ihrem rauchigen und zugleich perkussiven Klang wirken.
Da begeisterte die Komposition 'Non ti à piaciato?' des in Venedig geborenen Giovanni Mancuso, ein Auftragswerk für das Quartett. Inspiriert von den überdimensionalen Paetzold-Bassflöten, stellt dieses Stück ein Puppenspiel mit riesigen Marionetten auf einer kleinen Bühne dar. [...]
Mit einer schwungvollen witzigen Komposition von Peter Rose (...) verabschiedete sich das QNG-Quartett unter stürmischem Beifall des Publikums, das dieses Erlebnis den Brandenburgischen Sommerkonzerten verdankt."
Ruppiner Anzeiger, 31.07.07, Ruth Eberhardt

 


Potsdam, 22.7., Weltberühmte Chöre zu Gast bei den Brandenburgischen Sommerkonzerten, Windsbacher Knabenchor, Solisten, Deutsche Kammer-Virtuosen Berlin, Karl-Friedrich Beringer

"Mit dem Einsatz des Chores mussten dann alle Zweifel verfliegen, dass dieses ausverkaufte Brandenburgische Sommerkonzert ein besonderes würde: Wann hat man in einer Live-Aufführung zuletzt die chorischen Anfänge von Kantaten wie „Singet dem Herrn ein neues Lied“ oder „O ewiges Feuer“ mit vergleichbarer Präzision, klanglicher Tiefenschärfe und Ausdifferenzierung der Stimmgruppen gehört? Aus dem Solistenquartett ragte vor allem Rebecca Martins Mezzosopran hervor, doch auch mit Cornelia Horak (Sopran), Andreas Weller (Tenor) und Konrad Jarnot (Bass) standen klug ausgesuchte und stilsichere Stimmen zur Verfügung."
Der Tagesspiegel, 24.07.07, Matthias Nöther

 


Potsdam, 22.7., Weltberühmte Chöre zu Gast bei den Brandenburgischen Sommerkonzerten, Windsbacher Knabenchor, Solisten, Deutsche Kammer-Virtuosen Berlin, Karl-Friedrich Beringer


"Man spürte, dass Bachs Musik für Karl-Friedrich Beringer eine Herzensangelegenheit ist. Vom ersten Takt an präsentierte er sie mit zupackendem Verve. Die kleinen und großen Sänger des Knabenchores haben mit wunderbar stimmlicher Homogenität, keinerlei Klangschärfen ihre Parts - die zumeist komplizierten Eingangschöre sowie die schlichten Choräle – gesungen. Die barocken Texte, dessen Sprache jungen Leuten sonst oftmals unverständlich ist, wusste der Knabenchor durch seine wohl ständige Auseinandersetzung überzeugend zu gestalten. Doch hier im Kirchenraum waren sie kaum zu verstehen. Auch die Gesangssolisten mussten mit diesem Handicap leider leben. Sie sangen die Rezitative, Arien und Duette jedoch mit klaren, warmen und ebenmäßigen Stimmen. Wenn Andreas Weller aber Dramatisches vortrug, forcierte er leider seine Stimme, die sich dafür sogleich mit unschönen Tönen 'bedankte'. Mit einem bewegenden Höhepunkt wartete Rebecca Martin auf. Die Arie „Wohl euch, ihr auserwählten Seelen“ aus BWV 34 sang sie mit besonders großer Innerlichkeit, ohne jegliche Theatralik. Die Deutschen Kammer-Virtuosen Berlin, hervorragend die Holzbläserbesetzung, verliehen der Bachschen Musik insgesamt ein gelungenes Klangbild.
Der Zuhörerjubel am Schluss war sehr groß, so dass Beringer sich zu einer Zugabe entschloss. Mit dem Choral 'Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren' erhielt das Konzert dann eine treffliche geistliche Zusammenfassung."
Potsdamer Neueste Nachrichten, 24.07.07, Klaus Büstrin

 


Stechau, 21.7., Große Opern- und Operettengala open air, Kammerorchester des Tschechischen Nationaltheaters Prag, Marie Fajtová, Milan Vlcek, Frantisek Drs

"Gibt es etwas Schöneres, als in abendlich launiger Stimmung auf einer großen, von Bäumen und Wasser umgebenen Wiese Musik zu hören? Mit Blick auf ein zauberhaftes Barock-Gebäude sowie auf den sich ständig verändernden Himmel, mit vorbei ziehenden Wolken sowie Vögeln, die aufgeschreckt ihre 'Stimmen'einbringen. Und das Ganze inmitten einer großen Schar von Lauschenden. Wo sich jeder ein Fest erwartet, und es auf seine Weise auch findet. Denn offenbar haben viele daran Freude, sonst wären am Sonnabend nicht an die 2000 Besucher in den - je nach Anreise - entlegenen kleinen Ort Stechau gekommen, um beim Open-air-Konzert im Schlosspark in der Reihe der Brandenburgischen Sommerkonzerte eine Opern- und Operettengala zu erleben.
[...]
An der Kompetenz der Musiker sowie des Dirigenten (...) ist nicht zu zweifeln, und wenn Wienerisches, musiziert mit großem moldauischen Atem, etwas verändert wirkt (was auch den Wienern selbst gelingt), so ist es eben anders. Frantisek Drs erscheint als Feingeist unter den Dirigenten - speziell bei 'Rusalka' von Antonín Dvorák klingen geheimnisvolle Sphären auf, die neugierig machen. Und im heimischen Repertoire wie im 'Lied an den Mond' liegen deutlich auch die Stärken der Sopranistin, die wunderbar klar akzentuiert und beeindruckende Höhen hat. Was sich von Milan Vlcek weniger sagen lässt; sein Stimmschmelz ist im Freien schnell in den Wind gesungen.
[...]
Gekrönt ist das Konzert von dem fast musikalisch entworfenen, fein abgestimmten Feuerwerk im Park, und es erfüllt sich damit auch der anfänglich geäußerte Wunsch des Schlossherrn, dass dieses 'von uns gestaltet wird und nicht von Petrus'. Zugleich eine stimmige Fortsetzung des Konzertes mit dem 'Kaiserwalzer' von Johann Strauß (Sohn) zum Abschluss, wo heute keiner mehr glauben mag, dass dieser bei der Aufführung in Berlin wirklich durchgefallen ist. Im Schlosspark Stechau haben das die angereisten Hauptstädter mit viel Beifall wieder ausgleichen können."
Lausitzer Rundschau, 23.07.07, Gabriele Gorgas

 


Senftenberg, 15.7., Percussion for 4 - Quartett III,
TWOtone & TWO

"(...) Das nächste Stück, 'CaDance' für zwei Percussionisten von Andy Pape war ein unglaublicher Triumph des Rhythmus und der Metren über alles, was Musik sonst noch ausmachen könnte. Ununterbrochen variierte Taktzahlen und Betonungen in den Trommel- und Beckenschlägen (...) überlagerten sich zu einem rasanten, in ständiger Veränderung befindlichen musikalischen Fluss. Zählen verwandelte sich in Körpersprache und Zahlen wurden akustische Poesie.
Wie sehr Musizieren ein zwar geistig gesteuerter aber doch vornehmlich körperlicher Vorgang ist, wurde im letzten Stück vor der Pause evident. 'Lift Off' von Russell Peck für Percussiontrio simulierte mittels dreier im Raum verteilter Schlagzeugbatterien einen Hubschrauberstart. In unerhörter Geschwindigkeit wirbelten die Schlägel über große und kleinere Trommeln - man wusste nicht, ob man vor purer Freude über diesen Zusammenschluss von Kunst und purem Effekt wie ein Kind lachen sollte oder bewundernd den Atem anhalten.
Mit einem Trommlerquartett, wie man es bei einer Marching Band wohl nie zu hören bekommt, begann der zweite Teil. Danach ließen vier Marimbas alle Klang-Eigenschaften hören, die Hersteller und Musiklexikons dieser Instrumentengruppe bei Gebrauch unterschiedlicher Schlegel und Anschlagtechniken zugestehen: dunkel, weich, sanft, samtig, erdig, voll, sonor, dumpf, hohl, resonant, rund, klangvoll, hölzern. (...)
Allem bisher musizierten noch einen krönenden Abschluss anzufügen – man hielt es für eine unlösbare Aufgabe (...). Aber natürlich kam mit Minoru Mikis zweisätzigem 'Marimba-Spiritual' doch noch das große Abschlusswerk. Einer sehr intimen und ergreifenden Trauermusik für Marimba-Solo folgt ein ebenso emotional aufgeladener, jedoch rasant trotziger Schlusssatz, in dem drei Schlagzeuger in der Manier der japanischen Kodo-Trommler den Solisten begleiten. Hier entfernten sich die Musiker am weitesten vom virtuos artistischen Show-Element, das ein solches Konzert zweifellos auch beinhaltet. Es wurde ein Grad von Verinnerlichung erreicht, den man nur von außerordentlichen Kammermusikern erwartet. Solche Percussionisten wie die vom Sonnabend in Senftenberg gehören dazu."
Lausitzer Rundschau, 17.07.07, Irene Constantin

 


Senftenberg, 15.7., Percussion for 4 - Quartett III,
TWOtone & TWO

"Die vier Perkussionisten von TWOtone & TWO ließen im Rahmen der Brandenburgischen Sommerkonzerte jetzt einen Helikopter der besonderen Art aufsteigen. Russell Pecks' 'Lift off' imitiert den Anflug eines solchen Technikwunders durch drei im Raum verteilte Schlagzeugsets. Und wirklich glaubt man, dass Rotorblätter sich in das Zellengewölbe der mittelalterlichen Senftenberger Peter-und-Paul-Kirche erhöben, meint Wendemnaöver des Fluggeräts mitzuerleben. 'CaDance' des Kaliforniers Andy Pape könnte man mit 'Es rockt' übersetzen, und tatsächlich sind in dieser Musik ein Fluss, ein Groove, eine Seele, die staunen machen. Spartanisch zu Beginn, mit hölzernen Schlägen auf den Trommelrand, weitet sich das Klangfeld bald, schwingt sich ein und scheint endlich zu singen. Ali N. Askin (...) hat in 'Snap/Shot' quasi die Parodie zur Kammermusik für Schlagzeug geschrieben: Durch Walzerrhythmus und Trommelwirbel gelangt das Stück zum zeremoniellen Klang des Glockenspiels - einer der fesselnden Momente des nachmittäglichen Auftritts."
Der Tagesspiegel, 17.07.07, Matthias Nikolaidis

 


Potsdam, 8.7., Musik am preußischen Hof I - auf historischen Instrumenten, Musica Alta Ripa

" [...] Sehr angenehm der warm getönte und weich artikulierte Klang der Violinen (Susanne Busch, Anne Röhrig), den auch die anderen Saitenspieler (Volker Hagedorn/Viola, Albert Brüggen/Violoncello) mit Eifer zu erzeugen wussten, indem sie ihre Instrumente tiefer als gewöhnlich stimmten. Dezent kolorierte Danya Segal auf verschiedenen Blockflöten das wohlklingende Geschehen. In Georg Philipp Telemanns gefälligem C-Dur-Concerto wechselte sie die Stimmungen zwischen tänzerischer Beschwingtheit und Andante-Lethargie. Ensemblegeist zeichnete auch die galante, von einem Hauch Zärtlichkeit umgebene Wiedergabe der Sonata da camera B-Dur für Blockflöte, zwei Violinen und Basso continuo von Johann Gottlieb Janitsch aus, der als Kontraviolinist der königlich-preußischen Hofkapelle lebenslang in Friedrichs Diensten blieb. Für den Solopart hält das h-Moll-Konzert für Cembalo und Streicher von Georg Anton Benda reich ausgeziertes Laufwerk bereit. Bernward Lohr tastatiert es voller Intensität und Intimität. Wenig später ist er dem Cellisten in Telemanns D-Dur-Sonate ein mitgestaltender Partner, der die abrupten Lagenwechsel ins rechte (Klang-)Licht zu rücken versteht. Der seufzerreichen, beseelten, von kühnen Harmonien erfüllten d-Moll-Sonate für Violine und obligatem Cembalo verhilft er zu ausdrucksvoller Wirkung."
Potsdamer Neueste Nachrichten, 10.07.07, Peter Buske

 

Potsdam, 8.7., Musik am preußischen Hof I - auf historischen Instrumenten, Musica Alta Ripa

"'Musik am Preußischen Hof' ließen die Brandenburgischen Sommerkonzerte mit dem Hannoveraner Ensemble 'Musica Alta Ripa' wieder auferstehen, und im Schlosstheater des Neuen Palais auf burgunderroten Samtbänken unter goldenen Palmblättern saß man wie auf Adolf Menzels Gemälde. (...) Georg Philipp Telemann (...) dürfte mit seinem Flötenkonzert schon damals das Publikum von den Sitzen gerissen haben. Das gelang auch der Solistin Danya Segal mit farbenreicher Klangpalette und humorvoller, auch durch die Körpersprache mitgeteilter Vitalität. (...)
In kühnster Harmonik und endlosen Seufzerketten revoltiert (...) Emanuel Bachs Violinsonate d-moll gegen alle Konvention, ist reiner, persönlicher Ausdruck; Georg Anton Bendas hochvirtuoses Cembalokonzert h-moll wiederum platzt förmlich vor Temperament und sinnlicher Klangfantasie. Ein wenig angestrengt bewältigt der Cembalist seinen schwierigen Part. In der musikalischen, plastisch gestalteten Vielfalt zeigt sich die Flöte besonders lebendig: in Agostino Steffanis Suite aus der Oper „La Lotta d’Hercole“ (Kampf des Hercules) besonders reizvoll in ihren Varianten von Piccolo bis Alt, empfindsam in der „Sonata da camera“ B-Dur von Johann Gottlieb Janitsch. Am preußischen Hof spielte die Flöte eben doch die erste Geige. Der Tagesspiegel, 10.07.07, Isabel Herzfeld

 


Lychen, 1.7., Weltklasse zu viert, Leipziger Streichquartett

"[Die St. Johannes-Kirche] war bis auf den letzten Platz besetzt, als das 'Leipziger Streichquartett' begann, in einem zweistündigen Konzert überwältigende Eindrücke von seinem Können zu geben. Die vier Künstler (...) schienen [mit ihren Instrumenten] unerhörte Grenzen auszuloten und erzählten so auf spannende Weise musikalische Geschichten von Leos Janacek, Ludwig van Beethoven und Johannes Brahms. Gebannt begaben sich die Zuhörer mit auf eine musikalische Reise. Es war fast zum Fürchten still in der Kirche, als die Saiten (...) zärtlich gezupft und dann wieder rabiat in Szene gesetzt wurden. [Es] gefiel besonders die musikalische Umsetzung von Tolstojs Drama der 'Kreutzersonate', das mit einem Lustmord endete. [...]
Dass die Fachzeitschrift 'Gramophone' das 'Leipziger Streichquartett' einmal als bestes deutsches Quartett bezeichnet hatte, ließ sich nach diesem Konzert emotional nachvollziehen."
Nordkurier, 03.07.07, FL

 

Neuküstrinchen, 30.6., Gedenkkonzert Jahrhundertflut 1997 im Oderbruch, Kammerakademie Potsdam, Moorcroft, Breuninger

"Das gut aufeinander abgestimmte Zusammenspiel der Solisten schien in beiden Werken gleichsam Porträts zweier unterschiedlicher Charaktere gestalten zu wollen.
Auf der einen Seite ein leichter, kapriziöser, beschwingter und schmachtender Geigenton (...), auf der anderen Seite eine distinguierte, sonor und 'ernsthaft' klingende Bratsche (...). Beide waren einander in spielerischer Leidenschaft zugetan.
Um seine Aufgabe als Orchesterleiter und um gestalterische Impulse kümmerte sich Sebastian Breuninger erst so richtig bei Anton Bruckners F-Dur-Streichquintett. (...) Vom Konzertmeisterpult aus stachelte er die Potsdamer zu intensivem und impulsivem Musizieren an. Gemeinsam entwickelte man das nötige Gespür für sinfonischen Atem, gab sich graziös, innig und leidenschaftlich. Die wellengleich an- und abschwellenden Klangwogen erzeugten dabei durchaus passende Assoziationen zum Konzertanlass."
Märkische Oderzeitung, 02.07.07, Peter Buske

 


Neuküstrinchen, 30.6., Gedenkkonzert Jahrhundertflut 1997 im Oderbruch, Kammerakademie Potsdam, Moorcroft, Breuninger

"Für viele Berliner ist ein solches 'Brandenburgisches Sommerkonzert' die erste Begegnung mit einer Region. Alles ist durchorganisiert, man erfährt an einem Nachmittag eine Menge über die jeweilige Gegend, hat am frühen Abend ein Konzertereignis an einem ungewöhnlichen Ort und ist nicht all zu spät wieder zu Hause. Ein Konzept, das aufgeht und für das man augenscheinlich auch bereit ist, Kartenpreise bis zu 50 Euro zahlen. Kopf und Organisator der Reihe ist Arno Reckers.
'Wenn es die Sommerkonzerte nicht gäbe, müsste man sie erfinden', meint Hans-Jürgen Tantow aus Berlin-Lichterfelde. Er ist rundum zufrieden mit dem Nachmittag, obwohl das Konzert noch gar nicht angefangen hat. Für ihn wie auch für Winfried und Wiltrud Weber aus Berlin-Dahlem ist es die erste Begegnung mit dem Oderbruch. Ja, sie werden wohl noch einmal hierher kommen. Die Gegend sei schön, im Ort habe man alles so gut vorbereitet und der Kuchen schmecke phantastisch, lobt Winfried Weber. (...)
Die Kammerakademie Potsdam mit ihrem Leiter, dem Violinisten Sebastian Breuninger und der Solobratschistin Annemarie Moorcroft spielte so anmutig, dynamisch, beseelt und intensiv, dass es die reinste Freude war. Besonders der langsame Satz der Mozartschen Sinfonia concertante war, genau wie der seltene Umstand, den Oderbruchdom einmal voller andächtiger Menschen zu sehen, wirklich zum Heulen schön."
Märkische Oderz. Bad Freienwalde, 02.07.07, Heike Mildner

 


Perleberg, 23.6., Nachwuchselite zu Gast bei den Brandenburgischen Sommerkonzerten

"Zauberhaft, hinreißend, außergewöhnlich! Als 'Nachwuchselite' waren die jungen Musikerinnen im Rahmen der Brandenburgischen Sommerkonzerte angekündigt. Und den Gästen in der Perleberger Jacobikirche wurde wahrlich nicht zu viel versprochen. Zum Beispiel Linda Fichtner. Erst 20-jährig spielte sie die Violine wie eine Konzertdiva. (...) Wirklich zauberhaft Alena Butt und und Wiebke Lichtwark an der Harfe."
Schweriner Volkszeitung, 25.06.07, Hanno Taufenbach

 

Perleberg, 23.6., Nachwuchselite zu Gast bei den Brandenburgischen Sommerkonzerten

"'Wahnsinn', 'einmalig', 'überwältigend', 'großes musikalisches Ereignis' - so lauteten die begeisterten Reaktionen des Publikums, das am Sonnabend zum ausverkauften Brandenburgischen Sommerkonzertin die Perleberger St.-Jacobi-Kirche gekommen war. Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Prignitz Wilfried von Bieren fasste seinen Eindruck in die Worte: 'Ich bin froh, dass die Sparkassen in Brandenburg und die Ostdeutsche Sparkassenstiftung sich für dieses Konzert engagiert haben, es hat mir sehr gut gefallen.'
(...) Zum unvergesslichen Konzerthöhepunkt wurde der Auftritt von Laura-Marlene Gick mit ihrem Violoncello. Von ihr war eine 'Fantasie über kleinrussische Themen', ein charmantes Bravourstück von David Popper, zu hören. Die Klavierbegleitung übernahm erneut Friederike Jurth, die für ihre dezente und gekonnte Begleitung der Solistinnen am Bechstein-Flügel ein Extralob verdient. Den Namen Laura-Marlene Gick werden sich Musikfreunde merken müssen. Sie errang nicht nur erste Preise beim Wettbewerb 'Jugend musiziert'in der Kategorie Violoncello solo, sie ist seit 2002 Schülerin von Professor Matias de Oliveira Pinto am Julius-Stern-Institut der Berliner Universität der Künste. Zahlreiche Konzerte führten sie durch ganz Deutschland, nach Frankreich, Polen, Österreich und Spanien. Laura-Marlene Gick hat gerade ihr Abitur absolviert und Aufnahmeprüfungen an mehreren Musikhochschulen bestanden. 'Mal sehen, welcher Professor mich nimmt', meinte sie nach ihren Zukunftsplänen befragt. Sie zeigte sich vom Publikum und der Konzertatmosphäre in der Kirche angetan: 'Es hat mir sehr gut in Perleberg gefallen!' Dem schloss sich auch Linda Fichtner an: 'Es macht Spaß zu spielen, wenn man merkt, dass die Leute so aus sich herausgehen, hinzu kommt die tolle Kirchenakustik. Ich bin vom Perleberger Publikum begeistert!'"
Märkische Allgemeine, 25.06.07, Wolfram Hennies

 

Brandenburg (Havel), 17.6., Der versiegelte Engel, Rundfunkchor Berlin, Soli, Stefan Parkman, Gergely Bodoky, Lars Scheibner

(...) Der langsam nach vorn schreitende Flötist (Gergely Bodoky) lässt sich am vorderen Rand des Spielpodests nieder, bläst mit geschmeidigem und großem Ton sehnsuchtsvolle Klänge gleich einem Debussyschen Faun. Wie aus weiter Ferne ertönen gesummte Vokalisen. Weihrauchklänge, wie man sie aus der russisch-orthodoxen Kirche kennt, durchziehen das Kirchenschiff. Sie werden unter Leitung von Stefan Parkman in altbewährter Vorzüglichkeit vom Rundfunkchor Berlin angestimmt, der langsam die Szene füllt. Später stellt er sich in wechselnden Gruppierungen auf. Der Klang wird tatsächlich schrittweise offener, heller und kraftvoller, bleibt warm getönt und von funkelnder, reich schattierter Farbigkeit.
Fast unmerklich versteht man Text, ist von außergewöhnlich orgelnden Bässen hörbar überrascht und taucht in eine seelenberührende Klangwelt ein. (...)
Dann weitet sich die Musik durchs Visuelle, indem vorm hinteren Glasfenster der (nur slipbekleidete) Engel in Gestalt des Ausdruckstänzers (und Choreographen) Lars Scheibner herabschwebt. Einem athletischen Akrobaten gleich zuckt und windet er sich auf dem Boden, richtet sich immer wieder auf und fällt, führt in pantomimischen Bewegungen die gepeinigte Kreatur mit beklemmender Intensität vor. Die (Chor-)Menge führt das (Engel-)Individuum gleichsam vor, saugt es auf, sucht ihn sich abhängig zu machen. Es misslingt. Der Engel entschwebt wieder, während die Klänge an den Anfang zurückkehren. Anhaltender Beifall.
Potsdamer Neueste Nachrichten, 22.06.07, Peter Buske

 

Brandenburg (Havel), 17.6., Der versiegelte Engel, Rundfunkchor Berlin, Soli, Stefan Parkman, Gergely Bodoky, Lars Scheibner

"Ein langer, warmer Flötenton schwebt in die tiefe Stille des Kirchenschiffes hinein. Einsam steht der Flötist Gergely Bodoky auf der schwarzen Bühne, die im Altarraum der Kirche des St. Pauli Klosters in Brandenburg an der Havel raumfüllend installiert ist. (...) Es ist Sonntagabend, (...) und das szenische Drama 'Der versiegelte Engel' von Rodrion Shchedrin erlebt hier unter der Leitung von Stefan Parkman eine Erstaufführung: die Inszenierung wurde eigens für das Paulikloster geschaffen und war nur dieses eine Mal so zu sehen. (...)
Da ist ein ständiges Wogen der Chormitglieder, die sich immer wieder neu formieren. Mal präsentieren sie sich in geballter Masse, mal stellen sie sich in mehreren Blöcken auf, mal stehen sie sich in zwei Gruppen frontal gegenüber. Anders der Tänzer Lars Scheibner. Er will seine unsichtbaren Fesseln abwerfen, probt den aufrechten Gang, aber eine unsichtbare Kraft wirft ihn immer wieder zu Boden. Doch Wunder gibt es immer wieder und was eben noch unmöglich schien, gelingt plötzlich mühelos. Schließlich wird er an einem Seil hochgezogen, bis er vom schwarzen Schatten unterm Kirchendach verschluckt wird. Ein starkes Bild. Eine starke Inszenierung.
Märkische Allgemeine Zeitung, 19.06.07, Ann Brünink

 

Eisenhüttenstadt, 16.6., Gala zur Wiedereröffnung der Freilichtbühne, Deutsches Filmorchester Babelsberg, Ofer, Imig

"Das Wetter war genau richtig für dieses Gala-Konzert des Deutschen Filmorchesters Brandenburg unter der Leitung von Helmut Imig. Die Regenhuschen waren pünktlich verschwunden. Die Sonne bahnte sich ihren Weg. Die besten Voraussetzungen für die rund 2500 Besucher. Landwirtschaftsminister Dietmar Woidke (...) lobte das Engagement von Unternehmen und Stadt, um den Ort weiter attraktiv zu machen. "Die 300 000 Euro sind vernünftig eingesetztes Geld, das viel bewirkt hat", sagte er. Ganz stolz auf dieses Kleinod ist auch der Arbeitsdirektor von Arcelor Mittal, Rainer Barcikowski. Das Stahlunternehmen hat großen Anteil an der Sanierung. "In der Stadt ist Rhythmus", betonte er. (...)
Am Sonnabend kam der Solist für die Aufführung dieses Konzertes aus Israel. Erez Ofer wurde für sein brillantes Spiel mit viel Beifall belohnt. Überhaupt war das Publikum sehr begeistert. Am Ende konnten die Musiker erst nach einer Zugabe von der Bühne. Waltraud Klimke sprach danach aus, was alle dachten: 'Es war wundervoll.' "
Märkische Oderzeitung, 18.06.07, Barbara Arandt

 

Wittstock, 9.6., Eröffnungskonzert, Gidon Kremer,
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Eri Klas

"So spielt Kremer in der gotischen Backsteinhallenkirche das Sibelius-Konzert, indem er jeder musikalischen Figur Charakter gibt, echtes Solistengold. Es sind die großen Interpreten, die dem Hörer solche Musik nahebringen, weil bei ihrer Virtuosität das scheinbar Leichte am spannendsten ist.
Im DSO dominieren neue junge Gesichter. Umso erstaunlicher, wie der estnische Dirigent Eri Klas in „Fratres“ von Arvo Pärt das Streichorchester zu einer harmonisch schwingenden Einheit bindet. Klas ist ein Musiker vom Typ getreuer Kapellmeister, kein Präzisionsfanatiker, für die „Apotheose des Tanzes“ ein kompakter vehementer Dirigent. Aber er schafft in der Beethovensymphonie einen feinen Übergang vom langsamen Eingang ins Vivace und hält sich überhaupt an die dynamischen Vorschriften des Leisen. So bekommt das Allegretto bei ihm ein graziles Element ohne Trauerklage. Und er versteht Pianissimo als Ausdruck, wenn er das Fugato in sanften Händen hält."
Der Tagesspiegel, 11.06.07, Sibyll Mahlke

Pressestimmen 2006

Potsdam, 10.9., Abschlusskonzert, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Trevor Pinnock, Joshua Bell

"Mozarts einleitend erklingender 'Pariser' Sinfonie D-Dur KV 297 verhilft Trevor Pinnock zusammen mit den Musikern des Deutschen Symphonie-Orchesters zu einer ungestümen, leidenschaftsbrodelnden Wiedergabe. Direkt und kraftvoll geht man gemeinsam zu Werke, frönt der Lust am abrupten dynamischen Kontrast. Dennoch gibt man der Musik genügend Zeit und Raum, sich geschmeidig, glanzvoll und detailreich ausbreiten zu können. Der Pionier in der Aufführungspraxis barocker und klassischer Musik ist da ganz in seinem Element. Und bei den Romantikern? Frönt er ebenfalls seiner Vorliebe fürs Brio.
In Max Bruchs legendärem g-Moll-Violinkonzert op. 26 musiziert man mit der Intensität eines Vulkans, wobei sich der Solist Joshua Bell in den schnellen Ecksätzen ganz der Entfesselung lodernden Virtuosenfeuers hingibt. Sportiv ist sein Saitenzugriff, klar und kräftig sein Bogenstrich, groß der Ton seiner Stradivari von 1713. Wie auf dem Sprung musiziert er Heißblütigkeit und räumt auch der Darstellung von seelischen Zerklüftungen breiten Raum ein. Dem oft als Kitsch verschrieenen Adagio-Satz treibt er jegliche Sentimentalisierungen aus, belässt ihm jedoch seine melodische Süße. Er singt berückend schöne Töne und kommt dabei mit ganz wenig Vibrato aus. Fantastisch. (...)
Als Meister der Übergänge erweisen sich abschließend Dirigent und Musiker in der a-Moll-Sinfonie op. 56 von Felix Mendelssohn Bartholdy, die „Schottische“ genannt. Voller Verve brechen sie zu klanglichen Abenteuern in die von rauen Winden durchtosten Highlands auf, spüren das geheimnisvoll Raunende genauso auf wie einen archaischen Bardengesang oder pastorales Lebensgefühl. Unentwegt werden enorme Spannungspotenziale erzeugt und entladen – es ist der unaufhörlichen Bewegung und thematischen Entwicklung fast kein Ende. Schier atemlos verfolgt man die kraftvoll gelenkten Energieströme, mit denen sich das Geschehen spannend ausbreitet und in den finalen Hymnus steigert. Mit einer Orchesterzugabe und einem Glas Sekt für alle geht die Saison zu Ende."
Potsdamer Neueste Nachrichten, 12. September, Peter Buske

 

Beeskow, 3.9., Grundton D - Benefizkonzert des Deutschlandfunks für die Denkmalpflege, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Marek Janowski, Arabella Steinbacher

"Im auffallend warm getönten Orchesterklang, der das Hallengewölbe [der Marienkirche] wunderbar ausfüllt, darf sich Arabella Steinbacher, Solistin in Felix Mendelssohn Bartholdys e-Moll-Violinkonzert, geborgen fühlen. Klangsüß und schmelzend stimmt sie auf ihrer Stradivari von 1736 die lyrischen Passagen an. Nicht weniger effektvoll meistert sie die dramatischen Aufwallungen zwischen Intensität und klanglicher Schönheit, fast schwerelos den geistsprühenden Spielwitz des Finales.
Um die Lebens- und Liebesstürme in Robert Schumanns 4. Sinfonie zu entfachen, genügt Marek Janowski ein Fingerzeig hier, ein vibrierender Taktstockeinsatz dort - unaufwändig und konzentriert weist er seinen Musikern den Weg. Der ist enorm spannungsgeladen, gleichsam heiter-sinnlich, von federnder Intensität bis hin zum jubelnden Finale. Entsprechend gerät der Beifallsdank."
Märkische Oderzeitung, 5. September, Peter Buske

 

Kloster Zinna, 2.9., Ein Tag für Wolfgang Amadeus, Samacha Lamphong, Christoph Hagel, Berliner Symphoniker, Solisten

"In Zinna tragen die Sänger schwarz und bleiben das ganze Stück über Schatten ihrer selbst - wohlgemerkt nur szenisch. Stimmlich überzeugen sie voll und ganz. Vor allem Ingo Witzke als Zephyrus beeindruckt mit einem volltönenden Bass sowie Uta Buchheister als Hyacinth mit einnehmenden Koloraturen. Lediglich Counter Tim Severloh fällt als Apollo etwas ab.
Christoph Hagel, sowohl für die musikalische Leitung als auch die szenische Einrichtung verantwortlich, führt die neun Streicher und vier Bläser der Berliner Symphoniker beseelt durch die Partitur, und sein Regieeinfall, den Gefühlen der Figuren durch Tänzer Ausdruck zu verleihen, erweist sich als durchdacht. Wie bewegte Seelen lösen sich die Tänzer von den schwarzen Schatten der Sänger und beginnen ein Eigenleben. Bis der Leichnam Hyacinths am Ende in einer stimmungsvollen Trauerprozession durch den Mittelgang der Klosterkirche ins Freie getragen wird, wo zu dieser Jahreszeit allerdings keine Hyacinthen mehr sprießen."
Märkische Allgemeine, 4. September, Welf Grombacher

 


Brandenburg (Havel), 26.8., Virtuose Violine, Christian Tetzlaff, Diemut Schneider, Matthias Kirschnereit

"... Sie wagen kaum zu atmen, die 800 Zuhörer im Dom zu Brandenburg, um sich auch nicht den leisesten Hauch des virtuosen Geigenspiels von Christian Tetzlaff entgehen zu lassen. Kongenial begleitet wird der 'brillanteste und gefragteste Künstler der neuen Generation', wie ihn die New York Times einmal beschrieb, von der Klarinettistin Diemut Schneider und dem Pianisten Matthias Kirschnereit. [...] Was zählt, ist die gelungene Abstimmung der drei Instrumente. Wie macht Tetzlaff das nur? Nur wie ein zarter Hauch klingen die ersten Töne des ersten Satzes auf der Bratsche. Sparsam setzt Diemut Schneider mit ihrer Klarinette Akzente. Anrührend wirkt ihr Spiel, fast verletzlich. Einfühlsam beteiligt sich das Klavier an dem Gedankenaustausch. Es entwickelt sich ein intelligenter Dialog von großer Intensität und Warmherzigkeit. Hat im ersten Satz das Klavier am meisten zu sagen, so drängt im zweiten Satz die Bratsche übermütig in den Vordergrund und fordert Klarinette und Klavier zum Menuetttanzen auf. Wie im Leben, so auch in der Musik: Übermut tut selten gut. Uns so muss die Bratsche im dritten Satz erst einen Part in Moll absolvieren, bevor schließlich die Koda so richtig funkeln kann. So oder ähnlich muss Glück sich anhören.
Bravorufe ernten Tetzlaff und Kirschnereit für ihre Interpretation von Schumanns Sonate für Violine und Klavier Nr. 2 d-Moll op. 121. Nach den markanten Schicksalsschlägen am Anfang folgt Tetzlaff akribisch den Metronomangaben und spielt den Part so langsam wie vorgeschrieben. Die Wirkung ist verblüffend: Die extreme Langsamkeit lässt die nachfolgenden schnellen Passagen um so dynamischer wirken. (...) Wahrlich ein guter Tag."
Märkische Allgemeine, 29. August, Ann Brünink

 

Blankensee, 19.8., Wiener Klassik, Kammerakademie Potsdam, Muriel Cantoreggi

"... ' Das Orchester hat viel Sonne im Herzen', versprach der Musikkritiker Volker Blech zu Beginn des Konzertes. Er bezeichnete das Kammerorchester Potsdam als ein leidenschaftliches, hin und wieder aber auch als ein bisschen verrücktes Orchester.
Als erstes stand auf dem Programm ein Stück von Haydn. 'Er galt unter Zeitgenossen als liebenswürdig und optimistisch. Haydn hat immerhin 109 Sinfonien komponiert. Beethoven nur neun', erzählte Volker Blech. 'Und so kann dieses Programm auch nur mit einer seiner Sinfonien begonnen werden', sagte er und betonte, dass von Haydn auch die 'Symphonie mit dem Paukenschlag' sei, eine Kampfansage an alle schlafenden Besucher. Am Sonnabend allerdings war die Symphonie mit dem Motto "Tempora mutantur" zu hören. Das Werk lebt von starken Kontrasten. Allein schon der Beginn: Nach nur zwei unschuldig leisen Einleitungstakten rütteln vier Orchesterschläge das Publikum wach.
Nach der Musik von Joseph Haydn begeisterte das Rondo A-Dur für Violine und Streichorchester sowie das Rondo C-Dur für Violine und Orchester von Wolfgang Amadeus Mozart die Besucher in Blankensee.
Für alle, die das Musikereignis am Sonnabend verpasst haben, gibt es eine gute Nachricht: Das knapp zweistündige Konzert wurde aufgezeichnet und wird am 16. September um 20.04 Uhr im RBB Kulturradio gesendet."
Märkische Allgemeine, 22. August, Margrit Hahn

 

Straupitz, 5.8., Geistliche Chormusik, Dresdner Kammerchor, Ensemble "Alte Musik Dresden", Hans-Christoph Rademann

"Das musikalisch herausragende Merkmal des Dresdner Kammerchores ist seine außerordentliche Klanghomogenität. Jede einzelne Stimme ordnet sich schlank geführt in den Gesamtklang ein. Dennoch singt jedes Chormitglied mit der für einen Kammerchor nötigen individuellen Präsenz. Damit ist dieses Ensemble für die Schütz-Interpretation geradezu prädestiniert. (...)
War eine Instrumentalbegleitung gefordert, wurde sie vom Ensemble „Alte Musik Dresden“ mit zwei Violonen, Theorbe und Orgel vorgetragen, sehr vergeistigt und dezent.
Das Programm war ein Schwergewicht und Höhepunkt im Rahmen der (...) Brandenburgischen Sommerkonzerte."
Lausitzer Rundschau, 7. August 2006, Irene Constantin

 

Stechau, 22.7., Operngala open air, Lenneke Ruiten, Yosemeh Adjei, Polnische Kammerphilharmonie, Wojciech Rajski

"Kaffe, Kuchen, Rostbratwurst, Schliebener Wein und leichtes Flanieren eleganter Damen und Herren unter Schatten spendenden Bäumen: mehr ländlich edles Ambiente ist einfach nicht zu haben. Trotzdem war dies nur die Einstimmung in die Open-Air-Operngala der Brandenburgischen Sommerkonzerte im Schlosspark Stechau. (...)
Man erlebte zwei Stars auf der Startrampe. Yosemeh Adjei hat eine sinnlich und offen klingende Altstimme, weit entfernt vom oft gehörten, engen Fistelton, der dieser Stimmlage gern anhaftet. Man hört ihm ganz ohne das leichte Befremden zu, das die hohe Männerstimme noch immer auslösen kann. Adjei ... nimmt lieber bestimmte Spitzentöne und Glanzpassagen etwas zurück, als einen unschönen Laut von sich zu geben (...)
Die glänzende Virtuosität, die die typischen Belcanto-Partien verlangen, kann sie [Lenneke Ruiten] mit Emotionalität und Ausdrucksvermögen aufladen. Genau das wünscht man sich in Mozart-Opern. Ihre stärksten Momente hatten die Sänger in drei Szenen aus der Rossini-Oper „Tancredi“. (...)
Die polnische Kammerphilharmonie ist nicht zu verwechseln mit preiswerten Reiseorchestern, die heute hier, morgen dort irgendwen begleiten, wie das Geschäft es erzwingt. Welche ausgezeichneten Musiker in diesem Klangkörper spielen, hörte man in einer Orchesterserenade von Rossini, gespickt mit glanzvollen Soli für Violine, Flöte, Oboe und Cello, sowie in Mozarts witziger „Serenata notturna“. Kaum ein Stück hätte besser zur sinkenden Nacht und zur Kulisse des beleuchteten Schlosses gepasst. Damit aber immer noch nicht genug. Erst ein großes Feuerwerk beschloss das Erlebnis Stechau."
Lausitzer Rundschau, 24. Juli 2006, Irene Constantin

 

Jüterbog, 16.7., St. Nikolai, Festliche Chormusik, Regensburger Domspatzen

"Die Regensburger Domspatzen kommen aus dem katholischen Bayern ins protestantische Jüterbog, singen dort in der releigionsresistenten Mark, und die St. Nikolaikirche ist rappelvoll. So geschehen am Sonntag im Rahmen der Brandenburgischen Sommerkonzerte. Wunderbar. Die Breitenwirkung von Knabenchören ist ungebrochen und führt Menschen zusammen. (...)
Bis ihre glockenklaren Stimmen anheben, Ludovico da Vittorias "Hosanna filio David" erklingt und die Welt sofort vergessen ist. Die Seele in den Himmel springt, auch ohne dass das Geld im Kasten klingt... (...) Wie aus einem Mund singen die 56 Knaben, und Domkapellmeister Roland Büchner (...) reizt die Stimmpotenziale der jungen Choristen aus.
Märkische Allgemeine Zeitung, 18. Juli 2006, Welf Grombacher

 

Luckau, 24.6., St. Nikolai, Von Byrd zu Lennon, Semper Brass Dresden

"Die Klangstruktur geschickt aufzubauen, die Klangfarben von Tuba, Posaunen, Hörnern und Trompeten wie Schichten übereinander zu legen, war im gesamten Programm das entscheidende Wirkungsmittel des Ensembles. In der Intonation und Phrasierung musizierten die sächsischen Blechbläser (...) zu Gunsten einer homogenen Interpretation sehr exakt, die Farben und musikalischen Charakteristika der einzelnen Instrumente wurden dagegen äußerst differenziert behandelt. Vom lichten Schimmer bis zum triumphalen jubelnden Spitzenton reichte das Ausdrucksspektrum der Trompeten, die tieferen Instrumente konnten ihren Einsatz als Klangteppich jederzeit zu Gunsten solistischer Aufgaben ausweiten. (...)
Keine 'echte' Big Band kann so schön 'Michelle' spielen. (...) In der landläufigen musikalischen Dauerberieselung ist derartige Musik zur wahren Rarität geworden, handelt es sich doch um gut gesetzte, geistreiche Unterhaltungsmusik, gleich weit von Bruckner wie vom Musikantenstadl entfernt."
Lausitzer Rundschau, 27. Juni 2006, Irene Constantin


Potsdam, 17.6., St. Peter und Paul, Eröffnungskonzert, Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach, Hartmut Haenchen (Dirigent), Hans-Jakob Eschenburg (Cello)

"... In ruhigen Zeitmaßen trug sich die Musik wie von selbst fort, sang sie ihr verständlich Lied. Auch in der 'Jupiter'-Sinfonie Nr. 41 C-Dur KV 551 konnte man jene Eindrücke gleichsam als Dacapo gewinnen. Heiter und erhaben, geradezu lustvoll eilte das einleitende Allegro vivace vorüber. Gefühlvoll und weichgespült musiziert, entsprach das Andante seinem Zusatz 'cantabile' gründlich. Im Finale triumphierten schließlich Eleganz und festlicher Glanz.
Ähnlich verhielt es sich bei der Wiedergabe von Carl Philipp Emanuel Bachs Violoncellokonzert a-Moll Wq 170, in dem das Orchester vollauf den Intentionen seines Namenspatrons gerecht wurde. Die Wechsel von Soli und Tutti waren dabei genauso prägnant herausgestellt wie die Affekte. Auf seinem hell klingenden Instrument vermochte der Solist Hans-Jakob Eschenburg spielerisch leichten und lockeren Tons der grimmigen Klanggeste ebenso zu entsprechen wie nachdenklicher Beschwichtigung. Die ins lyrisch geprägte Andante eingebetteten tonsetzerischen Widerhaken wusste er gleichsam wie nebenbei zu entdecken. Auch die Zuhörer hatten ihre helle Freude daran. Sie feierten ihn und alle anderen Beteiligten anhaltend."
Potsdamer Neueste Nachrichten, 19. Juni 2006, Peter Buske

 

Potsdam, 17.6., St. Peter und Paul, Eröffnungskonzert, Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach, Hartmut Haenchen (Dirigent), Hans-Jakob Eschenburg (Cello)

"Keine öffentlichen Fördermittel. Erstaunlich, was dennoch geboten wird. (...) Im Dialog siegt das Orchester übert die vorzüglich sensiblen Soli Hans-Jakob Eschenburgs, weil die Akustik die stehenden Musiker bevorzugt. Hartmut Haenchen verteidigt wundersam die Feinarbeit der Mozart-Partituren, Trennschärfe gegen Energien von Schall. Großes Finale der Jupitersinfonie..."
Tagesspiegel, 19. Juni 2006, Sybill Mahlke

Pressestimmen 2005

Zur Bilanz der 15. Brandenburgischen Sommerkonzerte

"Seit nunmehr 15 Jahren versprechen die Brandenburgischen Sommerkonzerte ihren Besuchern aus nah und fern 'Musik und mehr'. Und gerade dieses 'mehr' ist es, was die besondere Atmosphäre dieser Musikreisen durch märkisches Land auszeichnet: Landschaft entdecken, ländliche Tafelfreuden genießen, Historie erforschen, im Gespräch einander näher kommen, architektonische Kostbarkeiten von Kirchen und Klöstern, Herrenhäusern und Schlössern aufspüren. [...] Unter Wilhelm Kirchner, neuem Vorstandsvorsitzenden des auch denkmalpflegerisch engagierten Musenvereins, bleibt es dabei, dass Festivalkultur durchaus ohne Unterstützung der öffentlichen Hand gemacht werden kann."
Das Orchester Nr. 10/2005, Peter Buske

 

Sperenberg, 24.9., Dorfkirche, Benefizkonzert, Adrian Jones und Thomas Schmidt-Ott (Cello), Ulrich Eckhardt (Orgel)

"[Die Zuhörer] genossen, wie die Cellisten Adrian Jones und Thomas Schmidt-Ott mal träumerisch, mal furios, mal überschwänglich ihre Instrumente erklingen ließen. Organist Ulrich Eckhardt fügte sein Instrument behutsam ein, ohne die Streicher zu dominieren. Besonderen Beifall erhielt Thomas Schmidt-Ott, der beim Stück von Giovanni Battista Sammartini das tragende Instrument hatte und das Cello mit Inbrunst und Virtuosität erklingen ließ. 'Ein musikalischer Höhepunkt für Sperenberg, ein Glücksfall für die Kirche', so [Pfarrer] Andreas Hemmerling."
Märkische Allgemeine, Reinhard Butzek, 25.9.05

 

Zossen, 4.9., Dreifaltigkeitskirche, Benefizkonzert,
Trio PiaVioce

"Ein Höhepunkt (...)"
Märkische Allgemeine, Reinhard Butzek, 5.9.05

 

Bergsdorf, 28.8., Kurt-Mühlenhaupt-Scheune, Jazzwochenende,
TEE mit SAHNE, FiBer

"Dass Entertainment zum Geschäft gehört, ist für die Musiker eine Selbstverständlichkeit. So führten sie [die Musiker von 'TEE mit SAHNE'] auf amüsante Art durch ihr eigenes Programm und bereicherten es durch allerhand Anekdoten. (...) Die Stumpfheit und Desillusionierung, die man bisweilen bei der Jugend beklagt, hat mit diesen Musikern wirklich nichts gemein. Die Saxofonsoli von Timo Vollbrecht zum Beispiel sprühten nur so vor Elan und Energie. Oder Fidelis Hentze, Trompete und Flügelhorn. Wie ist es möglich, dass ein Sechzehnjähriger sein Instrument so zum Klingen bringt, dass man als erwachsener Zuhörer ganz erstaunt ist über die Gefühlspalette, die es bei einem auslöst. "
Märkische Allgemeine, Mely Kilyak, 30.8.05

 

Berlin, 26.8., Konzerthaus am Gendarmenmarkt, Abschlusskonzert
Mayumi Miyata (Shô), Schleswig.Holstein Festival Orchester, Yutaka Sado (Leitung)

"Wie es aber klingt, wenn Jugendliche wirklich darauf brennen, etwas mitzuteilen, zeigt sich in Richard Strauss' 'Alpensymphonie'. Allein die Begeisterung, mit der sich die ehrgeizigen Nachwuchsmusiker des Themas 'Aufstieg' annehmen, lässt das Stück authentischer und gegenwärtiger wirken als in üblichen Konzerten. Locker überspringt man technische Gletscherspalten und triumphiert fröhlich auf dem Gipfel. Nur selten muss der diskrete Leiter Yutaka Sado dazu aufrufen, das Moss nicht zu zertrampeln oder den Zauber des Abends schwelgender zu genießen."
Der Tagesspiegel, Carsten Niemann, 28.8.05

 

Berlin, 26.8., Konzerthaus am Gendarmenmarkt, Abschlusskonzert
Mayumi Miyata (Shô), Schleswig.Holstein Festival Orchester, Yutaka Sado (Leitung)

"Dabei zeichnete sich das 118-köpfige, sich aus 23 Nationen rekrutierende Orchester in der Folge instrumental wie interpretatorisch deutlich aus. Sado am Pult gab ihm die richtigen Fingerzeige, und so stürzten sich die Musiker, keiner älter als 26, in das musikalische Neuland aus japanischer Feder."
Berliner Morgenpost, Klaus Geitel, 28.8.05

 

Bad Wilsnack, 20.8., Wunderblutkirche St. Nikolai, Unerhört,
Ensemble Polyphonia, Ensemble 6cant

"So gut besucht (...) war die Wallfahrtskirche St. Nikolai lange nicht. Etwa 600 Besucher hatten hier Platz genommen, um dem Konzert 'Unerhört' mit 'Polyphonia' und '6cant' zu lauschen. Die Holz- und Blechbläser des Symphonie-Orchesters Berlin und die A-Cappella-Sänger vom Rundfunkchor Berlin bereiteten in der Wunderblutkirche mit ihrer Akustik einen großartigen Musikge-nuss, dessen Bogen von Mozart bis ABBA reichte."
Schweriner Volkszeitung - Prignitzer, Manfred Drössler, 22.8.05

 

Bad Wilsnack, 20.8., Wunderblutkirche St. Nikolai, Unerhört,
Ensemble Polyphonia, Ensemble 6cant

"Großer Beifall (...) - höchsten Musikgenuss boten auch die A-Cappella-Gesänge von 6cant. Technisch präzise intonierten sie populäre Stücke im Stil der Barber-Shop-Musik (...) Bilder von Ausflugsdampfern und Dandys im weißen Strandanzug wurden wach, als die Gruppe ihre äußerst spritzige Version des Queen-Stücks 'Seaside Rendezvous' sang. Auch so mancher Beatles-Song gewann an Tiefe durch raffinierte Akkordkombinationen."
Märkische Allgemeine, Dorothea von Dahlen, 22.8.05

 

Burg (Spreewald), 14.8., Dorfkirche, Wenn Dichter lieben,
Sebastian Noack (Bariton), Manuel Lange (Klavier)

"Da zu so viel hochkünstlerisch sublimierter Liebe auch ein wenig naturbelassene Romantik gehört, stellten die Organisatoren dem Konzert - man war schließlich im Spreewald - eine kleine Kahnfahrt voran. Dass inmitten des Korsos das Cottbuser Jupiter-Quartett, eine Gründung des Philharmonie-Konzertmeisters Wolfram Korr, spielte, verstärkte noch den Zauber der stillen Landschaft. Leise, aber doch tragfähig schwebte der zarte Quartettklang über dem schattigen Wasser. (...) Sebastian Noacks gepflegte und runde Baritonstimme füllte den Raum, zersplitterte sich jedoch nicht in übermäßigem Hall. (...) Mörikes Gedichte regten sowohl Hugo Wolf als auch Othmar Schoeck zu Liederfolgen an. Auch Schoeck litt gerade Liebesqualen, die er mit den Gedichtzeilen 'Die Liebe, sagt man, steht am Pfahl gebunden' und 'Ein Irrsal kam in die Mondscheingärten' zu bändigen suchte. In diesen dramatischen Gesängen bewährten sich Sebastian Noacks üppige vokale Mittel sehr gut. ..."
Lausitzer Rundschau, Irene Constantin, 16.8.05

 

Luckau, 6.8., Nikolaikirche, Festkonzert 15 Jahre BSK,
Nikolaus Rexroth (Klavier), Wolfram Korr (Leitung), Kammerphilharmonie Berlin-Brandenburg

"Der erst 13-jährige Nikolaus Rexroth aus Berlin gehört zu den jüngsten Talenten, die in den 15 Jahren der Brandenburgischen Sommerkonzerte gefördert worden waren und bis heute werden. Der Student an der Musikhochschule 'Hanns Eisler' Berlin begeistert die Hörer mit seiner Interpretation des allerersten Klavierkonzertes von Mozart. Es ist ein Geburtstagsständchen mit Ovationen. (...) Die Musiker in der Nikolaikirche machen das Festkonzert zu einem Musikfest ..."
Lausitzer Rundschau, -ds, 8.8.05

 

Zum Jubiläum 15 Jahre Brandenburgische Sommerkonzerte

"Den kontinuierlichen Kulturabbau seit der Wende im Land des roten Adlers können auch Privatinitiativen wie die Brandenbur-gischen Sommerkonzerte nicht kompensieren. Dennoch hat die Konzertreihe in den letzten 15 Jahren eine Menge für das Land getan. Die flächendeckenden Konzerte und denkmalpflege-rischen Projekte sind Signale, dass Kultur überall dort stattfinden kann, wo die Menschen es wollen."
Der Tagesspiegel, Jörg Königsdorf, 7.8.05

 

Zum Jubiläum 15 Jahre Brandenburgische Sommerkonzerte

"... Aus den Kinderschuhen sind sie [die Brandenburgischen Sommerkonzerte] inzwischen mit Sicherheit heraus, doch Vitalität und Frische haben sie sich trotzdem erhalten... Dass just Luckau in der Niederlausitz, sonst nicht gerade eine Musik-metropole, ... zum Ort des Festkonzertes wird, hat seinen guten Grund: sind es doch oft kleine, ausgesprochen ländlich geprägte Orte, die diese Brandenburgischen Sommerkonzerte als Veranstaltungsstätten im gleichen Maße wie die größeren Kloster- und Stadtkirchen mitprägen. Es ist gerade die Verbindung von Überschaubarkeit, ja Intimität des äußeren Rahmens mit hochwertigen Musikangeboten, von geographischen und klanglichen Entdeckungen, auf die die Veranstalter zielen. Deswegen gehören traditionell auch Exkursionen und die rundum beliebten Freiluft-Kaffeetafeln mit ins Programm; unverkrampfter und trotzdem anspruchsvoller Kunstkonsum in enger Verbindung mit den regionalen Partnern ist angesagt."
Gerald Felber, Deutschlandradio Kultur, 5.8.05

 

Kloster Zinna, 31.7., Klosterkirche, Concerto Italiano, Mira Wang, Jan Vogler, Dresdner Kapellsolisten

"Für ihren hervorragenden Vortrag der vier nach den Jahreszeiten benannten Violinkonzerte erhielt die Solistin Mira Wang heftigen Beifall, der gar kein Ende nehmen wollte."
Märkische Allgemeine, Michaela Streit, 2.8.05

 

Rheinsberg, 29.7., Laurentiuskirche, Schubertabend, Sebastian Bluth (Bariton), Jonathan Alder (Klavier)

"Bluth interpretiert den Müller in der Tat sehr schneidig und aufgewühlt. Ebenso nervös wie der Bach, dem der wandernde Bursche als einzigem seine Liebe zur schönen Müllerin gesteht. Das harte Stakkato Jonathan Alders am Klavier unterstützt diese harsche Grundstimmung noch. (...) Alder läutet seelenvoll die Totenglocke und wiegt den Unglücklichen einfühlsam in den Schlaf. Sebastian Bluth singt dazu virtuos und über die Maßen ausdrucksstark "Schlaf aus deine Freude, schlaf aus dein Leid".
Märkische Allgemeine, Welf Grombacher, 1.8.05

 

Rheinsberg, 29.7., Laurentiuskirche, Schubertabend,
Sebastian Bluth (Bariton), Jonathan Alder (Klavier)

"Mit faszinierender Einfühlsamkeit durchlebten Sänger und Pianist das schmerzliche Auf und Ab von Hoffnung und Todessehnsucht, immer wieder begleitet vom stetigen Rauschen des Baches. Ihre Emotionen übertrugen sich auf das Publikum, das die Stimmungsschwankungen mit vollzog bis zu den letzten Gesängen, die Todesnähe und zugleich abendlichen Frieden vermitteln."
Oranienburger Generalanzeiger, Ruth Eberhardt, 1.8.05

 

Lebusa, 24.7., Pöppelmannkirche, Der junge Bach,
Jörg Halubek

"Abschließender Höhepunkt des Konzerts war die wieder auf der Orgel gespielte grandiose Passacaglia c-Moll. (...) Bachs Leidenschaft, strenge Kompositionsregeln mit musikantischer Lust zu befolgen, ließ sich hier bis in die fernsten musikalischen Verästelungen verfolgen, gleichzeitig konnte man sich dem schieren Strom des Klanges kaum entziehen. Mit diesem Werk gelang dem Interpreten die Verschmelzung struktureller Analyse und klanglich-musikalischer Synthese am überzeugendsten."
Lausitzer Rundschau, Irene Constantin, 26.7.05

 

Doberlug, 23.7., Klosterkirche, Cello match, Wen-Sinn Yang und Sebastian Klinger (Cello), Philipp Arndt und Guido Marggrander (Schlagzeug)

"Tradition und Moderne stießen zusammen und flossen ineinander, ausgezeichnet inszeniert als musikalische Dialoge zwischen den Melodie- und Rhythmusinstrumenten. Die romantische Grundstimmung übertrugen die beiden Cellisten ebenso auf das Publikum wie verträumt-verspielte Dialoge und sphärische Klänge bis hin zum explosiven Vulkanausbruch. Verblüfft staunten die Konzertbesucher im zweiten Konzertteil, wozu Celli in der Lage sind. Schon Paganinis „Caprice“ ver-langte den Cellisten schwindelerregendes Tempo ab, bevor
die avantgardistische Musik von Mauricio Kagel die Musiker zum sportiven, auch technisch eindrucksvollen und humorvoll zele-brierten Match herausforderte, dem das einfallsreiche Schlag-zeug-Spiel in Schiedsrichterfunktion zusätzliche Höhepunkte verlieh. Die meisten Zuhörer waren vom ungewöhnlichen Hörerlebnis begeistert. Auch bei den abschließenden „Drei südamerikanischen Tänzen“ saß den Cellisten der Schalk im Nacken. Wann erlebt man schon zwei Cellis im Sambatakt? In der Doberluger Klosterkirche noch einmal als Zugabe."
Lausitzer Rundschau, Jürgen Weser, 25.7.05

 

Zum Jubiläum 15 Jahre Brandenburgische Sommerkonzerte

"Erstklassige Unterhaltung! Die Mischung ist einzigartig: außergewöhnliche Locations, Führungen zu verborgenen Kulturschätze Brandenburgs und als Höhepunkt das Konzert. Spitzenorchester aus aller Welt sind zu Gast, preisgekrönte Nachwuchsvirtuosen präsentieren sich dem Publikum..."
Zeit.de, 19.7.05

 

Potsdam, 17.7., Französische Kirche, Orgelkonzert am Ende der Brandenburgischen Orgelreise, Elke Eckerstorfer

"Elke Eckerstorfer hat die Werke weitgehend farbig registriert, so dass sie sich als eine spannende Begegnung mit selten gespielten Komponisten darstellten. So erklang von dem Hausorganisten der Augsburger Familie Fugger, Christian Erbach, in kunstvoller Schlichtheit eine Canzona. Der spieltechnisch heiklen Toccata des Münchener Hofkapellmeisters Johann Kaspar Kerll spürte man die Spielfreude der Organistin an und die berührend sanfte Ciacona f-Moll Johann Pachelbels hat die Organistin mit weichem, jedoch nie weichlichem Klang geboten. Bachs Präludium und Fuge h-Moll BWV 544 war schließlich der Höhepunkt des mit herzlichem Beifall aufgenommenen Konzerts. Elke Eckerstorfer hat dieses brillante Werk zupackend, ohne Registrier-Mätzchen gespielt, den silberhellen Klang der Orgel trefflich zur Geltung kommen lassend."
Potsdamer Neueste Nachrichten, Klaus Büstrin, 19.7.05

 

Altfriedland, 16.7., Klosterkirche, Tango argentino
David Geringas, Geir Draugsvoll, Kammerakademie Potsdam

"Bravourös handhabte Draugsvoll die Knopfharmonika zwischen lodernder Leidenschaft und Hingabe. Was für eine Hörlust, beide Solisten abschließend in Piazzollas fulminantem Doppelkonzert 'Hommage à Liège' zu erleben. Straff und präzise geriet das Zusammenspiel zwischen den Solisten und der mitreißend aufspielenden Kammerakademie Potsdam. Alle wurden sie stürmisch gefeiert."
Märkische Oderzeitung, Peter Buske, 19.7.05

 

Eisenhüttenstadt, 9.7.05, Friedrich-Wolf-Theater, Drum together Peter Sadlo & Friends

"In Xenakis' 'Rebonds B' entfachte Sadlo gleichsam zehnhändig zwischen fünf Trommeln und fünf Holzblöcken ein Feuerwerk pentatonischer Klangfarben. Cages frühe 'Third Construction' hingegen persifliert die klassische Gattung schlechthin - das Streichquartett - durch ein Schlagzeugquartett, das unter anderem ein Eselsgebiss zum Klappern und eine Muschel zum Tuten bringen muss. Beides erhielt stärksten Applaus. (...) Das zugabenheischende, rhythmische Klatschen der Zuhörer bewies daraufhin nicht nur den Erfolg des Konzerts, sondern auch eine erste Folge der Minimal-Lektion."
Märkische Allgemeine Zeitung, Olaf Wilhelmer, 12.7.05

 

Eisenhüttenstadt, 9.7.05, Friedrich-Wolf-Theater, Drum together Peter Sadlo & Friends

"... Und tatsächlich vermischten sich am Sonnabend alle Altersgruppen. Vom Teenie über den Studenten bis hin zum Rentner saß man zunächst bei Kaffee und Kuchen im Friedrich-Wolf-Theater, um sich ab 14 Uhr den Kulturgütern der Stadt zu widmen. (...) Begeisterungsstürme löste schließlich das Konzert mit den Perkussionskünstlern 'Sadlo & friends' aus. Ob Schlagzeugfan oder nicht, mit einmaliger Professionalität, doch weit entfernt von kaltschnäuziger Routine, brachten der berühmte Schlagzeuger Peter Sadlo sowie fünf seiner ebenfalls hochkarätigen Musikerkollegen wohl jedem der insgesamt 400 Gäste im Saal den Spaß am Rhythmus nahe. Auch etwa 100 Eisenhüttenstadter hatten den Weg ins Theater gefunden - und es sicher nicht bereut."
Märkische Oderzeitung, Claudia Große, 11.7.05

 

Blankensee, 3.7.05, Johannische Kirche, Virtuose Romantik Julia Fischer, RSB, Marek Janowski

"Mit Julia Fischer bot das RSB eine jener selbstbewussten Musikerinnen auf, die - hier am Beispiel von Tschaikowskys Violinkonzert D-Dur op. 35 - nicht nur eine lupenreine Technik "draufhaben", sondern auch individuelle Gestalter mit starkem Ausdruckswillen sind. Unter den weltweit führenden Geigen-Twens erscheint Fischer als die sportlichste, wenn sie die Saiten am Frosch des Bogens attackiert oder Striche an Phrasen-Enden so durchzieht, dass die Rückenbiegung auch zum Tennisaufschlag taugte. In der buchstäblich gesungenen Canzonetta zeigte Fischer allerdings, dass sie - im Gegensatz zu den Tennisdamen - auch ohne Kraftmeierei siegen kann.
Webers "Oberon"-Ouvertüre und Bizets erste Sinfonie umrahmten dieses Ereignis ihrerseits mit solistischen Leistungen des Orchesters. Diesen gesamteuropäischen Romantik-Querschnitt dirigierte Janowski in gewohnt unaufdringlicher Sachlichkeit, konnte aber gerade so den einfallsreichen, raffiniert polyphonen Charme des jungen Bizet herausarbeiten. Das allenthalben hör- und sichtbare Engagement an den inzwischen hemdsärmelig besetzten Pulten entlud sich schließlich in Bizets zweiter 'Arlésienne'-Suite, die, wäre sie nicht vorgesehen gewesen, sich das Publikum gewiss auch erklatscht hätte."
Märkische Allgemeine Zeitung, Olaf Wilhelmer, 5.7.05

 

Blankensee, 3.7.05, Johannische Kirche, Virtuose Romantik Julia Fischer, RSB, Marek Janowski

"Ein Wunderhorn eröffnet die 'Oberon'-Ouvertüre. In Webers selten gespielter Oper kann das Instrument zaubern wie Taminos Flöte und Papagenos Glockenspiel, und nach dieser Intonation traut man ihm Mirakulöses zu. (...) Julia Fischer, die Tschaikowskys Violinkonzert klischeefrei, in einer jungen Interpretation mit sauberer Technik vorträgt, darf noch eine Bach-Zugabe spenden, bevor die Pause auf den Rasen des Vorplatzes lockt. Der zweite Teil gehört der Eleganz von Bizet. Mit leichter Hand dirigiert Marek Janowski die C-Dur-Sinfonie und eine Suite aus der Musik zu Daudets Drama 'L'Arlésienne'. Aber das Schönste bleibt die Oberon-Ouvertüre, weil Janowski mit seinem Orchester das romantische Brio aus feinem Pianissimo und Klarheit entwickelt."
Der Tagesspiegel, Sybill Mahlke, 5.7.05

 

Annahütte, 26.6.05, Henriettenkirche, Aufbruch in die Moderne
Herkules Quartett

"Ein anspruchsvolles, gänzlich ohrwurmuntaugliches Programm also, das auch so manchen einheimischen Konzertgänger abgeschreckt haben mag. Dem frenetischen Applaus aber war abzuleiten, dass der Ausflug in die Moderne die Zuhörer gepackt hat. Wer sich mit der Musik ein wenig schwer tat, dem erleichterten die vier Virtuosen mit ihrer expressiven, körperbetonten Spielweise zumindest optisch den Zugang. (...) Auch wenn das Konzert (...) nicht ausverkauft ausverkauft war, zeigte sich der Veramstalter trotzdem zufrieden. 'Wir bleiben Annahütte ganz sicher treu, und wir werden unseren Kurs, die zeitgenössische Musik zu fördern, beibehalten. Wir hechten keinem Trend hinterher, wir setzen sie selbst. Und wir bleiben dabei, dass wir diese Musik aich in die kleinen Orte tragen wollen', so der Vorstandsvorsitzende der Brandenburgischen Sommerkonzerte, Wilhelm Kirchner. An Annahütte schätzt er das besondere Engagement der Bevölkerung und die anheimelnde Atmosphäre."
Lausitzer Rundschau, Annette Siemer, 29.6.05

 

Prenzlau, 25.6.05, St. Marien, Eröffnungskonzert
Dietrich Henschel, DSO Berlin, Kent Nagano

"Eingangs war das erst 14 Jahre nach Mahlers Tod uraufgeführte Adagio aus einer von ihm geplanten 10., unvollendet gebliebenen Sinfonie (...) zu hören. Hier gelang es Nagano vor allem mit den Streichern ein vom zartestes pianissimo bis zum starken, leidenschaftlichen Ausbruch gestaltetes Tongemälde aufzubauen.
(...) Dietrich Henschel verlieh mit seiner kräftigen, etwas dunkelgefärbten Stimme den Gesängen die tragische Größe. Seine deutliche Aussprache ließ auch die Texte gut verstehen, wenn auch an einigen wenigen Stellen Nagano das Orchester zu laut führte. Insgesamt aber geriet diese Interpretation der Vier ernsten Gesänge von Brahms zu einem großen Erfolg für Detlev Glanert und die Interpreten.
Abschließend schwelgten die Deutschen Symphoniker in Anton Bruckners sechster Sinfonie. In dem monumentalen Tongebäude. Fast den hohen und großen Raum der Marienkirche sprengende Klangfülle im ersten Satz, schwärmerische Motive im zweiten, sehr lebendige, fast hektische Formen im Scherzo-Satz und letztlich ein Finale mit kräftigen Blechbläser-Signalen und lieblichen, romantischen Episoden rundeten diese Sinfonie ab.
Kräftiger, langanhaltender Schlussapplaus bestätigten Kent Nagano und dem Deutschen Symphonie-Orchester, dass es den Zuhörern in der bis auf den letzten Platz gefüllten Prenzlauer Marienkirche gefallen hat."
Märkische Oderzeitung, 28.6.05

 

"In den kommenden 14 Tagen bietet der Termin in Eisenhüttenstadt ein ganz außergewöhnliches Programm: Hochdotierte Schlagzeuger, darunter Solopaukist Peter Sadlo von den Münchner Philharmonikern, treffen sich am 9. Juli zum 'Drum together' mit Werken von u. a. Cage, Xenakis, Reich."
TIP 14/05, Klassik-Highlights

 

Prenzlau, 25.6.05, St. Marien, Eröffnungskonzert
Dietrich Henschel, DSO Berlin, Kent Nagano

"Dass dieses Konzert bleibende Eindrücke hinterließ, dafür sorgte neben der Werkauswahl (...) insbesondere die hohe Qualität der künstlerischen Darbietungen und natürlich das einmalige Ambiente in St. Marien. Diesen Anspruch - Musik und Kultur zu verbinden, die Kulturschätze des Landes zur Geltung zu bringen, die Aufmerksamkeit für sie zu erhöhren - machte auch Brandenburgs Justizministerin Beate Blechinger in ihren Grußworten an das Publikum deutlich. Sie bezeichnete die Brandenburgischen Sommerkonzerte als eine Erfolgsgeschichte, die dazu beitrage, die kulturelle Attraktivität Brandenburgs zu erhöhen."
Prenzlauer Zeitung, Alexandra Spitza, 27.6.05

 

Prenzlau, 25.6.05, St. Marien, Eröffnungskonzert
Dietrich Henschel, DSO Berlin, Kent Nagano

"Kent Nagano und sein Deutsches Symphonie-Orchester eröffnen die Saison in Prenzlau mit einem nachdenklichen, fordernden, bewegenden Konzert. Mahler, Brahms, Bruckner: große Werke, letzte Fragen. Den langen Nachhall im Kirchenschiff integriert Nagano mit staunenswerter Konsequenz. Das Adagio aus Mahlers unvollendeter 10. Symphonie schwebt wie ein aus seiner Kapsel entstiegener Astronaut durch das All, Schönheit und Abschied unauflöslich verbunden. Der ins Unbekannte ragende Neuntonakkord entfaltet majestätisch sich wie aus den Pfeifen einer unsichtbaren Orgel.
Eine gute Prise Mahler steckt auch in Detlev Glanerts Orchesterfassung der „Ernsten Gesänge“ von Brahms. Da tanzt der Tod, der bittere, der süße, durch Sankt Marien, und nach der Entdeckung, dass dem Menschen vor allem die Liebe bleibe, schwingt das Werk wie Mahlers „Lied von der Erde“ mit sanftem, endlosem Flügelschlag aus. Ewig, ewig. Mit der 6. Symphonie setzen Nagano und seine hochmotivierten Musiker ihre aufregende Bruckner-Expedition fort, die Schluss macht mit dem Klischee eines musikalischen Kathedralenbauers. Denn hier ist alles in Unruhe, hier schwankt der Grund, bangt die Seele. Auch machtvolle Bläserchoräle formulieren Fragen, keine Antwort. Und der Blick wandert an den Säulen empor, bis zum fehlenden Kreuzgewölbe der Marienkirche zu Prenzlau."
Der Tagesspiegel, Ulrich Amling, 27.6.05

 

Prenzlau, 25.6.05, St. Marien, Eröffnungskonzert
Dietrich Henschel, DSO Berlin, Kent Nagano

"Streicher singen, gleich einem sezierten Nervenstrang, oftmals berückende Passagen; Blechbläser trumpfen, quasi wie ein freigelegtes Muskelpaket, kernig auf. Die Extreme in der Lautstärke machen gehörig Effekt. Der Beifall brandet."
Nordkurier, Peter Buske, 27.6.05

 

"... Und das ist typisch für die Sommerkonzerte: Sie sind mehr als Musikveranstaltungen an interessanten Orten. Als sie 1991 von Berlin West aus starteten, ging es vor allem darum, das Brandenburger Umland zu erkunden, es nach dem Eingeriegeltsein für sich zu erschließen. Das ist inzwischen vielfach geschehen, die Neugier ist geblieben - auf Menschen, auf Städte und Dörfer, auf verborgene Kulturschätze. (...)"
Lausitzer Rundschau, Renate Marschall, 25.6.05

 

"Es gibt Veranstaltungen, da wird eine gute Unterhaltung immer wieder durch Musik gestört. Und es gibt die Brandenburgischen Sommerkonzerte, die selbst gute Unterhaltung sind. Kent Nagano eröffnet mit dem DSO (...) die nunmehr 15. Konzertsaison. Bis Anfang September gibt es dann 25 lauschige Abende, die kleine Überwältigungen und große Glückseligkeit versprechen."
Berliner Zeitung, Kulturkalender, 23.6.05

 

"Bis zum Abschluss-Konzert im Berliner Konzerthaus am Gendarmenmarkt im August werden dann viele herausragende Solisten zu erleben sein. (...)
'Wir haben für diese Konzerte ein treues Stammpublikum. Und weil wir jährlich wechselnde Aufführungsorte bieten, kann man so ganz Brandenburg entdecken', sagt Christiane Weidner, die Geschäftsführerin der Sommerkonzerte-GmbH, die zudem betont, dass das Festival obendrein dem Erhalt von Aufführungsorten und Kirchenorgeln diene. Seit 1991 wurden aus Konzerterlösen rund 350000 Euro für Denkmalpflege und Restaurierung gespendet. (...)
Wenn dann noch die Sponsoren den Sommerkonzerten dauerhaft gewogen bleiben (...), bleibt ein Festival erhalten, dessen Macher bislang Kommerzialität mit bürgerschaftlichem Engagement klug zu verbinden wussten."
Märkische Oderzeitung, Jörg Zimmermann, 22.6.05

 

"Seit nunmehr fünfzehn Jahren gehen 'Klassiker auf Landpartie'. Als Brandenburgische Sommerkonzerte versprechen sie ihren Besuchern aus nah und fern: 'Musik und mehr'. Und gerade dieses 'mehr' ist's, was die besondere Atmosphäre dieser märkischen Musikreise auszeichnet: Landschaft entdecken, Historie erforschen, im Gespräch einander näher kommen, architektonische Kostbarkeiten von Kirchen und Klöstern aufspüren, Denkmalschutz für ein konkretes Projekt unterstützen. Waren es im ersten Veranstaltungsjahr (1991) sieben Konzerte, sind es nunmehr 27 an 25 Spielstätten. Haben sich, über die Zahlen hinaus, die Wünsche der Macher an das Musenfest in der Mark erfüllt?
'Die Brandenburgischen Sommerkonzerte sind ein Nachwendekind', erinnert sich Joachim Pliquett, künstlerischer Leiter der Konzertreihe, an die Anfänge. 'Der Wessi war neugierig auf das Berliner Umland.' Jahrelang haben diese Entdeckungsreisen funktioniert. Inzwischen war fast jeder in Kloster Zinna, Luckau, Heiligengrabe...
'Heute ist es das Erlebnis gemeinsamer Busanreise aus Berlin, was zum Besuch reizt. Auch die von macnhen spöttisch belächelte Kaffeetafel gehört immer noch dazu", zählt Pliquett Vorzüglichkeiten des größten flächendeckenden Festivals in Brandenburg auf. 'Inzwischen reizt die Tagesmelange aus Konzert an reizvollem Ort, Stadtbesichtigung, kulturhistorischem Vortrag, literarischer Lesung, Werkeinführung, besinnlichem Abendausklang.' Ein Gesamtkunstwerk also. So soll es bleiben...
Nordkurier, Peter Buske, 22.6.05

 

"Außerhalb der Festwochen, bei einem norddeutschen Epilog, spielt am 26. August das Schleswig-Holstein Festival Orchester in Kooperation mit young.euro.classic und den Brandenburgischen Sommerkonzerten..."
neue musikzeitung, Juni 2005

 

"... Doch nicht immer liegt der Schwerpunkt von Open-Air-Veranstaltungen auf der schauspielerischen oder musikalischen Darbietung unter freiem Himmel. Die Brandenburgischen Sommerkonzerte etwa finden überwiegend in Kirchen statt - das Rahmenprogramm führt Besucher und Künstler allerdings hinaus in die Natur. 'Das Wesentliche ist die Verbindung zwischen musikalischem Erlebnis und Ausflug', betont Christian Schmidt, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Konzertreihe. 'Man erfährt etwas über die Kirche, in welcher das Konzert stattfindet, sowie über die Leute vor Ort, die auch die Kaffeetafel organisieren.' Zum Konzept 'Klassiker auf Landpartie' gehören neben Kaffeetafel und Klassikkonzert attraktive Beiprogramme wie Führungen durch Schlösser, Kirchen und Museen oder musikalische Sampfer- und Kahnfahrten auf Seen und Fließen..."
FondsMagazin, Juni 2005

 

"Stars und Nachwuchstalente der internationalen Musikszene sind im Rahmen der 15. Brandenburgischen Sommerkonzerte vom 25. Juni bis zum 26. August im ganzen Land zu erleben. Unter dem Motto "Klassiker auf Landpartie" stehen insgesamt 27 Konzerte, unter anderem in Eisenhüttenstadt, Altfriedland, Brandenburg/Havel und Annahütte auf dem Programm. Wie in jedem Jahr werden auch Aufführungsstätten in Berlin einbezogen.
Zur Eröffnung am 25. Juni dirigiert Kent Nagano in der Prenzlauer Marienkirche das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin. Eine kleine aber feine Besetzung bietet das Konzert am 16. Juli mit der Kammerakademie Potsdam und dem Cellist David Geringas als Solist. Mit einem feierlichen Abschlusskonzert im Konzerthaus am Gendarmenmarkt endet auch in diesem Jahr die Saison - zu hören ist das Schleswig-Holstein Festival Orchester unter der Leitung von Yutaka Sado."
Märkische Oderzeitung, 26.5.2005

 

"Die Brandenburgischen Sommerkonzerte gehen in ihre 15. Spielzeit und werden insgesamt 27 hochkarätig besetzte Musikereignisse bieten. Neben Konzertsälen in Berlin und in brandenburgischen Musikhochburgen wie dem Dom zu Brandenburg an der Havel werden in Kirchen und Sälen in kleineren Orten von Juni bis September konzertante Spannungsbögen von der Kammermusik über Liederabende bis zu großen Sinfoniekonzerten zu hören sein.
...
Erstmals gastieren die Brandenburgischen Sommerkonzerte im prächtigen Jugenstil-Bau des Staatstheaters Cottbus. Am Sonntag, dem 7. August, gestalten im Großen Haus die Weltklasse-Solisten Baiba Skride (Violine) und Lauma Skride (Klavier) das Kammerkonzert mit Werken von Beethoven, Webern und Strauss..."
Lausitzer Rundschau, 22.4.2005

 

"Die Brandenburgischen Sommerkonzerte können 2005 ein Jubiläum feiern - fünfzehn Jahre gibt es die beliebten "Klassiker auf Landpartie" nun schon. Seit der Gründung geht es um die Begegnungen zwischen Menschen und das Entdecken und Kennenlernen der Landschaften, Städte und Dörfer von Brandenburg.
Dabei begeistert es die Besucher immer wieder, mit der Musik zusammen aufs Land zu gehen, denn sie genießen nicht nur die Konzerte in Kirchen, Schlössern und Herrenhäusern, Industrie- und Naturdenkmälern, sondern nehmen auch immer gern an den originellen Beiprogrammen teil, die von Lesungen bis hin zu gemeinsamen Fahrten mit der Museumseisenbahn reichen. So hat sich für die Nachmittage eine feste Dramaturgie bewährt: Nach der gemeinsamen Anreise mit Kaffeetafel und dem touristischen Erkunden der Orte folgt als Höhepunkt des Nachmittags das Konzert."
Berliner Morgenpost, 27.3.2005

 

"Seit der Gründung der Brandenburgischen Sommerkonzerte geht es um die Begegnung zwischen Menschen, das Entdecken und Kennenlernen verborgener Kulturschätze und märkischer Landschaften, Städte und Dörfer. Mittlerweile sind es fünfzehn Jahre, seit denen die beliebten "Klassiker auf Landpartie" unterwegs sind. Auch in 2005 werden die frühabendlichen Konzerte den Höhepunkt der ländlichen Exkursion mit Kaffeetafel, speziellen Ausflügen, Dampferfahrten, Stadtrundgängen, Besichtigung von Industriedenkmalen und ähnlichem darstellen. Verstanden sich die Sommerkonzerte früher als eine Bürgerinitiative vor Ort, setzen sie nunmehr auf die Kooperation mit überregionalen Partnern, erklärte der Vorstandsvorsitzende Wilhelm Kirchner bei der Präsentation des vielfältigen Programms."
Potsdamer Neueste Nachrichten, 24.3.2005

 

"Konzerterlebnisse für eine Region ermöglichen, die das harmonische Zusammenspiel noch immer nicht so recht beherrscht - das versuchen die Brandenburgischen Sommerkonzerte auch im 15. Jahr ihres Bestehens.
...
Neben einer Brandenburgischen Orgelreise und einem musikalischen Klostertag (...) soll auch verstärkt ein jüngeres Publikum angesprochen werden."
Der Tagesspiegel, 19.3.2005

 

"... Ein Anziehungspunkt für Freunde der Brandenburgischen Sommerkonzerte wird am 6. August die Nikolaikirche [Luckau] sein, wenn die [Musiker der Kammerphilharmonie Berlin-Brandenburg] die Zuhörer bezaubern..."
Lausitzer Rundschau, 19.3.2005

 

"Das reichhaltige Programm, das mit einer Vielzahl von Führungen, Wanderungen, Kremserfahrten und Lesungen in enger Bindung an die Regionalgeschichte verbunden ist, wird wesentlich durch zehn regionale Freundeskreise ermöglicht, die mitunter überdies mit eigenen Konzerten aufwarten. Wesentliche Mittel fließen in den Denkmalsschutz. So wird es in diesem Jahr Benefizkonzerte in der Dreifaltigkeitskirche Zossen innerhalb der ersten internationalen Musikakademie und zugunsten der Dorkirche in Kroppen geben, wobei der Kinderchor aus dem tschechichen Hradec Králové singt."
Nachrichtenagentur ddp, 18.3.2005

Copyright 2017 © Brandenburgische Sommerkonzerte gGmbH